Fußball
Kuranyi-Kritik an Schalke: Zu wem sollen sie aufschauen?

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der ehemalige Nationalspieler Kevin Kuranyi geht mit der neuen Generation von Fußball-Profis hart ins Gericht. Besonders besorgt zeigt sich der 38-Jährige über die Entwicklung seines früheren Vereins FC Schalke 04. «Marcelo Bordon, Mladen Krstajic, Gerald Asamoah, Ebbe Sand. Das waren Anführer, bei denen sich viele dachten: 'Geil, so will ich auch werden, an denen kann ich mich orientieren.' Wenn ich jetzt einen Blick auf den Schalker Kader werfe, frage ich mich: Zu wem soll ein Ahmed Kutucu bitteschön aufschauen?», sagte Kuranyi in einem Interview von «Spox» und «Goal» (Mittwoch).

Mittwoch, 09.09.2020, 12:35 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 12:42 Uhr
Der ehemalige Fußballer Kevin Kuranyi.
Der ehemalige Fußballer Kevin Kuranyi. Foto: Marijan Murat

Als Problem machte Kuranyi auch die fehlende Identifikation mit dem Revierclub aus. Es gebe Spieler, die vermutlich dächten: «Okay, wenn es hier nichts wird, dann kann ich wechseln und woanders mein Geld verdienen.» Andere würden «in Anbetracht ihrer Fähigkeiten zu viel verdienen» und meinen: «Okay, ich verdiene hier so viel, dass ich meinen Vertrag aussitze - wenn es klappt, klappt es, und wenn nicht, nehme ich halt wenigstens die Kohle mit.»

Besonders kritisch sieht der inzwischen als Berater tätige Kuranyi die Einstellung von Spielern der neuen Generation. Ihnen fehle es an Mentalität: «Viele junge Spieler sind nicht mehr kritikfähig, lassen sich wenig sagen. In meinem ersten Jahr als Profi beim VfB Stuttgart wurde ich in jedem Training vom Trainer und meinen Mitspielern angeschissen, selbst nach gelungenen Aktionen. Das hat einfach dazugehört», so der Ex-Stürmer, der 275 Bundesligaspiele für Stuttgart, Schalke und Hoffenheim absolvierte.

Dem zu Bayern München gewechselten Schalker Torhüter Alexander Nübel würde er raten, sich vom FC Bayern verleihen zu lassen, um Spielpraxis zu bekommen: «Nübel ist ein großes Talent, aber er wird erst eine reelle Chance in München haben, wenn Neuer aufhört», sagte Kuranyi. Ein Club könne noch so groß, die Stadt noch so schön sein: «Wenn du nicht spielst, macht sich früher oder später Frustration in dir breit. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen.»

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