Fußball
Neu-Schalker Ibisevic verzichtet auf Grundgehalt

Lange hat es gedauert, nun ist die erste Schalker Neuverpflichtung perfekt. Wie erwartet holt der Revierclub Stürmer Ibisevic für ein Jahr. Der 36-jährige Angreifer soll die Sturmflaute beenden. Und sorgt mit einem Gehaltsverzicht für Gesprächsstoff.

Donnerstag, 03.09.2020, 18:27 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 18:42 Uhr
Der FC Schalke 04 ist auf der Suche nach einem neuen Stürmer fündig geworden und hat wie erwartet Vedad Ibisevic verpflichtet.
Der FC Schalke 04 ist auf der Suche nach einem neuen Stürmer fündig geworden und hat wie erwartet Vedad Ibisevic verpflichtet. Foto: Tom Weller

Gelsenkirchen (dpa/lnw) - Stürmer-Routinier Vedad Ibisevic soll die Sturmprobleme des FC Schalke 04 beheben und verzichtet für seinen neuen Herzensverein sogar komplett auf ein Grundgehalt. Der Fußball-Bundesligist hab die erwartete Verpflichtung des 36 Jahre alte Angreifers am Donnerstagmorgen bekannt. Ibisevic hatte zuletzt beim Berliner Liga-Rivalen Hertha BSC keinen neuen Vertrag mehr bekommen. Nach erfolgreich absolviertem Medizincheck unterschrieb der ehemalige bosnische Nationalspieler einen Einjahresvertrag bis 2021.

«Vedad ist eine echte Bereicherung für unseren Kader. Ein erfahrener, torgefährlicher Offensiv-Spieler, der immer noch auf jeden einzelnen Bundesliga-Einsatz brennt», sagte Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider. In den Gesprächen habe der Angreifer mit seiner Einstellung überzeugt: «Er will einfach unbedingt weiter auf höchstem Niveau Fußball spielen, und seine Qualitäten sind unbestritten.»

Dass Ibisevic ablösefrei verpflichtet werden konnte, kam dem finanziell angeschlagenen Revierclub sehr entgegen. Und der 83-malige Nationalspieler aus Bosnien-Herzegowina machte selbst große Zugeständnisse. Zur angeblichen Höhe seiner Bezüge gab es zuletzt zahlreiche Spekulationen, die von 100 000 Euro bis zwei Millionen Euro Jahresverdienst reichten. Mit den Gerüchten räumt er in einem am Nachmittag von Verein verbreiteten Video aufräumte.

«Die Summen, die da rumkreisen, sind falsch», sagte er. «Schalke ist in einer schwierigen Situation. Ich wollte noch mal Bundesliga spielen. Deswegen haben wir uns darauf geeinigt: Ich werde kein Grundgehalt haben.» Rein aus versicherungstechnischen Gründen müsse er zwar ein Gehalt vom Verein beziehen, so der Stürmer weiter. «Aber was ich bekommen muss, werde ich spenden. Ich spiele halt für Prämien. Das ist ein typischer Vertrag nach Leistung. Allein die Chance, noch mal für Schalke zu spielen, war genug Anreiz für mich.»

Sein Grundgehalt wäre ohnehin nicht hoch gewesen, meinte er. «Deshalb haben wir uns geeinigt, dass ich es spende, damit wir auf Null kommen», erläuterte Ibisevic das im Profifußball, in dem sonst hart verhandelt und gefeilscht wird, wohl ziemlich einmalige Vertragsverhältnis. Schneider berichtete, dass er einen ähnlichen Fall erst einmal erlebt habe. «Aber es zeigt, dass es eine außergewöhnliche Geschichte ist und wie sehr Vedad brennt, für Schalke zu spielen.»

Hertha-Manager Michael Preetz hatte lange überlegt, ob er dem Torjäger, der in 340 Bundesligaspielen 127 Treffer erzielte, nochmals eine Vertragsverlängerung anbietet, hatte sich letztlich aber dagegen entschieden. «Schalke 04 ist ein richtig cooler Verein, da braucht man nicht lange zu überlegen», sagte Ibisevic, der sich so schnell wie möglich für Einsätze in seinem neuen Team empfehlen will. «Ich bin top motiviert und will mit der Mannschaft erfolgreich sein. Mit meiner Erfahrung und meiner Qualität will ich meinen Teil dazu beitragen.»

Theoretisch könnte Ibisevic, der am Nachmittag erstmals mit seinen neuen Teamkollegen trainierte, schon beim Testspiel am kommenden Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfL Bochum im Rahmen des digitalen «Schalke-Tages» sein Debüt in Königsblau geben.

Ibisevic ist der erste echte Neuzugang für die Mannschaft von Trainer David Wagner für die in gut zwei Wochen beginnende Bundesliga-Spielzeit. Linksverteidiger Bastian Oczipka freut sich über den neuen Teamkollegen, auch wenn dieser bereits 36 ist. «Das Alter spielt keine Rolle. Er war immer ein unangenehmer Gegner und hat überall, wo er war, seine Tore gemacht», lobte Oczipka.

Zuletzt war durch die Ausleihe von Weston McKennie zum italienischen Meister Juventus Turin etwas Geld in die marode Knappen-Kasse geflossen. Der 22 Jahre alte US-Nationalspieler war in der vergangenen Woche gegen eine Gebühr von 4,5 Millionen Euro nach Italien verliehen worden. Im kommenden Sommer greift dann unter bestimmten Umständen eine Kaufverpflichtung beziehungsweise eine Kaufoption der Turiner. Die Vereinbarung sieht dann eine Ablösesumme vom 18,5 Millionen Euro vor, die über drei Jahre verteilt gezahlt werden kann. Zudem kann sich die Gesamt-Summe durch Boni sogar noch weiter um maximal sieben Millionen Euro erhöhen.

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