„Masterplan Grundschule“
Künftig lernen erst die Drittklässler Englisch

Düsseldorf -

Die Grundschüler in NRW sollen künftig mehr Zeit für Lesen, Schreiben und Rechnen haben. Dafür wird der Beginn des Englisch-Unterrichts ab dem kommenden Schuljahr auf die dritte und vierte Klasse verschoben. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer stellte die Eckpunkte des  „Masterplans Grundschule“ im Detail vor.

Dienstag, 11.08.2020, 20:05 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 20:50 Uhr
Am letzten Ferientag stellte Schulministerin Yvonne Gebauer ihren „Masterplan Grundschule“ vor.
Am letzten Ferientag stellte Schulministerin Yvonne Gebauer ihren „Masterplan Grundschule“ vor. Foto: Marcel Kusch/dpa

Die in dieser Woche startenden Grundschüler sind damit der letzte Jahrgang in NRW, der die erste Fremdsprache bereits ab dem zweiten Halbjahr von Klasse 1 erlernt.

Dieser Schritt ist ein wesentliches Element im „Masterplan Grundschule“, den Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Dienstag vorgestellt hat. Die gewonnene Unterrichtszeit sollen Lehrkräfte nutzen, die Kinder bei den Kernkompetenzen – eben Lesen, Schreiben, Rechnen – individuell zu fördern. Wie sich das im Stundenplan niederschlägt, sei aber nicht entschieden.

Rund 718 Millionen Euro nehme das Land bis 2025 in die Hand, um die Lage an den Grundschulen zu verbessern, sagte die Ministerin.

  • Lernstoff: In Deutsch gilt ab dem nächsten Schuljahr der 533 Wörter umfassende Grundwortschatz verbind-lich. Den sollten Kinder dann „in normengerechter Rechtschreibung lernen“, be-tonte Gebauer. Die umstrittene Methode „Schreiben nach Gehör“ hatte sie vorher bereits eingegrenzt. Bis zum Schuljahr 2021/22 sollen alle Lehrpläne weiterentwickelt werden. Überall sollen digitale Medien stärker berücksichtigt werden, etwa in Sachkunde mit ersten Programmier-Versuchen.
  • Personal: Ein wichtiges Ziel des Masterplanes sei es, die Lehrkräfte zu entlasten, hob die Ministerin hervor. Die von den Gewerkschaften lange geforderte einheitliche Besoldungsstufe A 13 für alle Lehrkräfte lässt weiter auf sich warten. Dafür richtet das Land erstmals 1300 Beförderungsstellen an Grundschulen ein, der Sprung auf die Gehaltsstufe A 13 ist mit besonderen Aufgaben verbunden. Zudem werden an 571 kleineren Grundschulen nun auch Stellen für stellvertretende Schulleitungen geschaffen. Die Zahl der sozialpädagogischen Fachkräfte steigt bis 2025 um 1750 auf 3000.
  • Inklusion: Nach den weiterführenden Schulen gelten ab 2021/22 auch für Grundschulen neue Vorgaben für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf. Über­tragen lasse sich das Konzept nicht, weil der Förderbedarf oft erst an Grundschulen erkannt werde, sagte die Ministerin. „Eine Bündelung ist nicht zielführend.“ Gleichwohl müssen auch Grundschulen über ein Konzept und Sonderpädagogen verfügen. Für sie werden 800 neue Stellen geschaffen.
Kommentar

Zu viel versprochen

Der Name verspricht mehr, als das Paket enthält. Von einem Masterplan Grundschule, den Schulministerin Gebauer immer wieder vollmundig angekündigt und verschoben hat, hätte man eine grundlegende und konkrete Orientierung erwarten dürfen, worauf sich Kinder, Eltern und Lehrkräfte in der Grundschule künftig inhaltlich einstellen dürfen.

Doch dass der Start der ersten Fremdsprache Englisch in die dritte Klasse verschoben wird, ist schon der ­herausragendste Punkt. ­Zumal Gebauer die Abkehr von „Schreiben nach ­Gehör“ schon vor einem Jahr vollzogen hat, als sie sich auf einen Grund­wortschatz festlegte. Wichtige weitere konkrete Änderungen – etwa in den Lehr­plänen – sind nicht fertig, auf später verschoben.

Mit der neuen Beförderungsperspektive für Grundschul­lehrkräfte setzt Gebauer am falschen Ende an. Absehbar ist, dass sie an einer einheitlichen Be­soldungsstufe A 13 nicht vorbeikommt. Dann aber muss sie die jetzt Beförderten erneut höher ein­stufen.

Trotzdem ist es keine Mogelpackung, die Gebauer jetzt mit dem „Masterplan“ vorgelegt hat. Es ist nur eben nicht der große Wurf, als der er angekündigt wurde: falsches Erwartungsmanagement. Die Ministerin will die Kernkompetenzen der Kinder in Lesen, Schreiben, Rechnen stärken. Daran muss sie sich messen lassen.

von Hilmar Riemenschneider

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Maskenpflicht nicht auf Dauer

Für die ab Mittwoch (12.8.) auch im Unterricht geltende Maskenpflicht können die Schulen in eigenem Ermessen auch Masken-Pausen einplanen. Mit diesem Hinweis hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) die bis zum 31. August befristete Maßnahme am Dienstag grundsätzlich bekräftigt. In den kommenden Wochen sollen die praktischen Erfahrungen und die Infektionslage in eine Neubewertung ein­fließen, versprach sie: „Es ist nicht eine Maßnahme, die man auf Dauer etablieren sollte.“

Die landesweit bereits geltende Maskenpflicht im Nahverkehr oder beim Einkauf wird ebenfalls bis zum Monatsende verlängert. Mit diesem Beschluss hat die Landesregierung ein ab sofort fälliges Bußgeld von 150 Euro für Masken-Verweigerer in Bussen und Bahnen festgeschrieben.

Am letzten Ferientag stellte Gebauer den lange erwarteten „Masterplan Grundschule“ vor, der zu besseren Lernergebnissen in den ersten vier Klassen führen soll. Dazu beginnt ab dem Schuljahr 2021/22 das Fach Englisch erst in der dritten Klasse. Die frei werdenden Unterrichtsstunden sollen für Lesen, Schreiben und Rechnen genutzt werden. Für Lehrkräfte an Grundschulen wird erstmals eine Beförderungsstufe eingerichtet.

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