Prozesse
Künstler Günther Uecker vergeblich als Zeuge vor Gericht

Düsseldorf (dpa/lnw) - Erst kam er nicht, dann kam er umsonst: «Nagel-Künstler» Günther Uecker ist am Montag vergeblich als Zeuge am Düsseldorfer Landgericht erschienen. Nachdem der 90-Jährige beim ersten Anlauf gefehlt hatte, fehlte nun der Beklagte, ein Kunsthändler. Damit entwickelt sich das Verfahren um ein angeblich gefälschtes Uecker-Werk allmählich zur Posse.

Montag, 06.07.2020, 13:16 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 13:22 Uhr
Der Künstler und Maler Günther Uecker in seinem Atelier.
Der Künstler und Maler Günther Uecker in seinem Atelier. Foto: Fabian Strauch

Uecker selbst war wegen seines unentschuldigten Fehlens zur Zahlung von 750 Euro Ordnungsgeld vergattert worden, die er nach eigenen Worten auch bereits bezahlt hat, obwohl er damals gar keine Ladung erhalten habe, wie er am Montag sagte.

Im Fall des beklagten Kunsthändlers hatte das Gericht selbst keine Bestätigung dafür, dass den Händler die Ladung erreicht hat. Auch der Anwalt der Klägerin gab an, er habe, anders als seine Mandantin, keine Ladung erhalten. Nun müssen die Beteiligten ein weiteres Mal erscheinen.

Günther Uecker war in Begleitung seines ebenfalls als Zeugen geladenen Sohnes und seiner Frau erschienen und nahm die Sache scheinbar mit Humor: «Ich komme so oft umsonst.»

Uecker soll helfen zu klären, ob es sich bei dem «Sandbild 1986 auf Büttenpapier» um eine Fälschung handelt oder um ein von ihm stammendes Original. Anlass ist die Klage einer 56-jährigen Büroangestellten gegen einen Kunsthändler, der ihr das Bild verkauft hatte (Az.: 3 O 19/19).

Die Käuferin hält das Werk inzwischen für eine Fälschung und fordert 7500 Euro Anzahlung zurück. Der Kunsthändler dagegen beteuert, das Bild sei echt und weit mehr wert als die insgesamt vereinbarten 15 000 Euro.

Ueckers ältester Sohn, der das Lebenswerk seines Vaters verwalte, hatte bereits im Vorfeld attestiert, dass das «Sandbild» kein echter Uecker sei.

Uecker selbst sagte: «Für mich ist es sehr beschämend, dass ich mit solchen Werken konfrontiert werde, die als Nachahmungen auf den Markt kommen. Es macht mich traurig, dass so das Verhältnis zwischen Sammlern und Künstlern betrübt ist.»

Günther Uecker zählte mit Heinz Mack und Otto Piene zur berühmten Künstlergruppe Zero, die 1958 gegründet wurde. Die Künstler bemühten sich um einen Neuanfang, eine «Stunde Null» für die Nachkriegskunst. Ein neuer Prozesstermin steht noch nicht fest.

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