Fußball
Double-Jubel und Triple-Lust: FC Bayern ohne «Limit»

Mit dem nächsten Triumph machen die Münchner Doublesieger die 50 voll. Die unbesiegbaren Geister-Champions sehen «aktuell kein Limit». Nach einem Kurzurlaub geht die Triplejagd der Flick-Bayern weiter. In den Pokaljubel mischen sich «schmerzhafte» und «traurige» Momente.

Sonntag, 05.07.2020, 14:15 Uhr aktualisiert: 05.07.2020, 14:22 Uhr
Die Mannschaft des FC Bayern jubelt über den Sieg.
Die Mannschaft des FC Bayern jubelt über den Sieg. Foto: Alexander Hassenstein

Berlin (dpa) - Die Münchner Doublesieger posierten bei der denkwürdigen Pokal-Party liebend gerne für Erinnerungsfotos mit Meisterschale und Pott. Vereinspatron Uli Hoeneß präsentierte sich in der Berliner Nacht in blendender Laune, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gab den in der Geister-Saison unbesiegbaren Champions neben Dankesworten einen sehnlichen Wunsch mit auf den Weg. «Das Schöne ist: Wir haben das Double und sind noch im dritten Wettbewerb», sagte Rummenigge. Grölend und tanzend feierten die Cup-Helden in ihren «Dou13le»-T-Shirts.

Meister, Pokalsieger - und jetzt die Champions League? Der von einer Champagner-Dusche durchnässte Erfolgscoach Hansi Flick, den seine Spieler wie 2013 den damaligen Triple-Trainer Jupp Heynckes hoch in die Luft warfen, mochte mitten im Double-Jubel nicht schon über die im August wiederbeginnende Königsklasse sinnieren. «Jetzt gibt es einfach nur Freude, dass wir das Double gewonnen haben», sagte der 55-Jährige nach dem 4:2 gegen Bayer Leverkusen.

«Stolz» und «absolut happy» schenkte Flick seinen geschlauchten Trophäenjägern um die Wechselkandidaten David Alaba und Thiago einen Extra-Tag Urlaub. Nach Niko Kovac ist Flick erst der zweite, der als Spieler und Trainer das Double gewann. «Die Mannschaft braucht es, mal abzuschalten, sich mental zu resetten und kann dann neue Energie bereitstellen», sagte Flick. Die Energie fehlte am Sonntagmorgen, als einige Stars nach der kurzen Nacht ihre Augen hinter Sonnenbrillen verbargen. Eine Verschnaufpause haben auch der gefrustete Elfmeter-Torschütze Kai Havertz und dessen wieder einmal als «Vizekusener» geschlagene Werkself dringend nötig.

So rauschend wie in früheren Pokal-Nächten in der Hauptstadtrepräsentanz des Trikotsponsors ging es in Corona-Zeiten im festlich dekorierten Bankettsaal des Nobelhotels am Potsdamer Platz nicht zur Sache. Gebührend gefeiert wurde das 13. Double von Thomas Müller in Boxerhose und seinen Kollegen aber allemal. Auch wenn es in diesem Jahr nicht die traditionelle Rathausbalkon-Party am Marienplatz gibt.

30 Mal Meister, nun 20 Mal Pokalsieger - Rummenigge stieß gerne mit «einem guten Glas» auf den 50. nationalen Titel dieser Art an. «Ihr habt eine unglaubliche Saison gespielt», schwärmte der Vorstandschef und erinnerte an das historische Triple. «Macht es unaufgeregt. Alle, die 2013 schon dabei waren, wissen, dass es ein langer und schwieriger Weg ist. Aber wenn ich euch in den letzten Wochen und Monaten so beobachtet habe, ist es ein Weg, der möglich ist.»

Zweimal Robert Lewandowski, der seine Rekordzahl in Pokalendspielen auf acht und die Pflichtspieltreffer in dieser Saison auf 51 hochschraubte, ein Traum-Freistoß von Alaba und ein Tor von Serge Gnabry sorgten im leeren Olympiastadion dafür, dass die Wehmut über fehlende Fans zumindest kurzzeitig in den Hintergrund rückte. «Es ist echt ein bisschen ein trauriger Moment», sagte Müller. «Ich hatte eine nachdenkliche Minute bei der Siegerehrung.» DFB-Präsident Fritz Keller vermisste die stimmungsvolle Kulisse im 77. Cup-Endspiel «schmerzhaft».

Mit den Schwierigkeiten der Corona-Krise kamen die Bayern am besten zurecht. Elf Siege in elf Spielen lautet die perfekte Bilanz, die im August mit der Königsklasse und dem Finalziel am 23. August in Lissabon ihre Fortsetzung finden soll. «Wir werden uns auf jeden Fall top vorbereiten und geben unser Bestes, das Triple zu holen», versprach Kapitän Manuel Neuer.

Abseits der sportlichen Großtaten planen die Bayern trotz aller Herausforderungen dank immer noch imposanter Finanzkraft für die Zukunft. Nach den Vertragsverlängerungen von Manuel Neuer, Müller und Alphonso Davies fehlen aber die Unterschriften von Alaba und Thiago, deren Arbeitspapiere bis 2021 datiert sind. «Ich werde mich auf jeden Fall mit allem, was ich habe, einsetzen, dass wir zwei solche Qualitätsspieler halten können», sagte Flick. Bei Alaba scheint es offen, bei Thiago sieht es wohl nach Wechsel aus. Liverpool lockt.

Die Neuzugänge von Torhüter Alexander Nübel, Abwehrtalent Tanguy Nianzou Kouassi und als Königstransfer Leroy Sané stehen fest. Der von mehreren europäischen Topclubs heiß begehrte Havertz wird in diesem Sommer nicht in München erwartet. Erstmal will sich der 21-Jährige ohnehin mit Bayer auf die Europa League im heimischen Nordrhein-Westfalen einstimmen. «Wir müssen eine Riesenenttäuschung verkraften», stöhnte Trainer Peter Bosz.

Flick klang nicht so, als ob er mit einem Havertz-Coup rechnet. «Die Corona-Zeit hat vieles verändert. Viele Vereine, auch der FC Bayern, können nicht mehr so leicht Geld ausgeben», wies Flick auf die schwierigen Umstände hin. Der Zugang von Sané, der mit Gnabry und Kingsley Coman eine Flügel-Ära à la Ribéry und Robben mitgestalten soll, sei für die Mannschaft «der nächste Schritt», sagte Flick.

Über die Konzentrationsfehler nach der Pause mochte Flick an diesem Abend hinwegsehen. Für Erfolge in der Königsklasse, in der für die Münchner nach einem 3:0 noch das Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea aussteht, müssen solche Phasen aber abgestellt werden. «Aktuell sehe ich kein Limit», sagte Leon Goretzka euphorisch.

Die Bayern erinnern ein Stück an die Triplesieger von vor sieben Jahren. Seit seinem Aufstieg vom Assistenten zum Trainer-Star wurden bei Menschenfänger Flick wiederholt Parallelen zu Heynckes gezogen. Seine Luxus-Auswahl präsentiert sich ähnlich geschlossen und in bester Balance, die Doppelsechs Joshua Kimmich/Leon Goretzka stabilisiert wie damals Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez.

Bundestrainer Joachim Löw sieht Kimmich «auf jeden Fall» prädestiniert als Nachfolger von WM-Finalheld Schweinsteiger, der beim Pokal einen gut gelaunten Auftritt als ARD-Experte gab. «Joshua Kimmich hat schon einige Titel gewonnen und hat diese Siegermentalität», schwärmte Löw. Und die Siegermentalität der Mannschaft soll die Münchner nach eigenem Wunsch wieder zu den «Super-Bayern» von 2013 werden lassen.

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