Kriminalität
Missbrauch: Expertin sieht Versäumnisse bei den Gerichten

Münster/Köln (dpa) - Massive Versäumnisse und Wissensdefizite beim Thema sexueller Gewalt gegen Kinder sieht eine Expertin bei den Familiengerichten. «Es kommt bei sexualisierter Gewalt viel zu häufig vor, dass wir eine Zwangsbelassung von Kindern in familiären Gewaltsituationen haben, weil Familiengerichte falsche Entscheidungen fällen», sagte Ursula Enders der Deutschen Presse-Agentur. Sie ist Traumaberaterin und Leiterin der Informationsstelle gegen sexuellen Kindesmissbrauch Zartbitter in Köln. Die Richter an den Familiengerichten seien nicht ausreichend fortgebildet und könnten häufig die Traumafolgen von kindlichen Opfern sexueller Gewalt nicht richtig einschätzen.

Dienstag, 09.06.2020, 06:44 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 06:52 Uhr

Im Missbrauchsfall Münster war bekannt geworden, dass das Jugendamt der Stadt Münster seit Jahren Kontakt zur Familie eines der Opfer hatte. Das Amtsgericht in Münster entschied Ende 2015, dass kein Eingriff notwendig sei. Das Jugendamt hatte in der Folge weiter Kontakt zur Mutter, zum Kind und zum heute Haupttatverdächtigen, die nicht in einem Haushalt lebten. Auch nach 2016 gab es aus Sicht der Stadt keinen Grund, einzugreifen. Demnach gab es aus dem sozialen Umfeld bis heute keinen Hinweis auf eine mögliche Gefährdung oder Auffälligkeiten des Kindes.

Wie jetzt bekannt wurde, soll der Hauptverdächtige (27) im Missbrauchsfall Münster unter anderem den zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin anderen Männern zum schweren sexuellen Missbrauch angeboten und die Taten gefilmt und verbreitet haben. 2016 und 2017 war er wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

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