Schulöffnungen
Kritik an NRW-Grundschulplänen: „Vollkatastrophe“ droht

Düsseldorf -

Die Landeselternkonferenz hat die für NRW angekündigte Rückkehr zum Regelbetrieb an den Grundschulen ab dem 15. Juni als „unsinnig“ kritisiert.  Lehrergewerkschaften sind entsetzt.

Freitag, 05.06.2020, 13:15 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 13:28 Uhr
Stühle sind in einem leeren Klassenzimmer auf den Tische abgestellt.
Stühle sind in einem leeren Klassenzimmer auf den Tische abgestellt. Foto: Arne Dedert (dpa)

„Für Schüler und Eltern ist nichts gewonnen. Innerhalb von zehn Tagen vor den Ferien wieder in einen Schulrhythmus zu finden, ist nicht machbar“, sagte die Vorsitzende der Landeselternkonferenz, Anke Staar, am Freitag auf dpa-Anfrage. Es drohe eine „Vollkatastrophe“, wenn nun ohne Abstandsregelung unterrichtet werden solle. Es sei zu befürchten, dass es zu Ansteckungen komme. „Dann beginnen die Ferien für viele Familien erst mal mit einer zweiwöchigen Quarantäne.“

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte zuvor angekündigt, dass ab 15. Juni bis zu den Sommerferien die rund 600.000 NRW-Grundschüler wieder täglich zur Schule gehen sollen. Es werde keine Abstandsregelung mehr geben, Klassenverbände sollten stattdessen strikt unter sich bleiben.

Staar sagte, die Wirtschaft fahre wieder hoch und viele Eltern seien in den Sommerferien umso mehr auf eine Betreuung ihrer Kinder angewiesen, um ihren Job machen zu können. „Ich meine keine Spaß-Factory, sondern hochwertige und verlässliche Bildungsangebote.“ Statt die vereinbarte Planung bis zu den Ferien „auf den Kopf zu stellen“, müsse das Ministerium nun schnell Konzepte für die Ferien und das nächste Schuljahr entwickeln. 

Lehrergewerkschaft „fassungslos“

Auch der Verband VBE zeigte sich „fassungslos“ über die neuen Pläne. „Abstandsregeln und die Vermeidung von Infektionsketten sollen keine Rolle mehr spielen“, monierte die Lehrergewerkschaft. Die hart erarbeiteten Konzepte mit einem Mix aus tageweisem Präsenzunterricht und Lernen auf Distanz würden nun umgeworfen. Das stehe angesichts von nur noch zwei Wochen bis zum Beginn der Sommerferien „in keinem Verhältnis zum Nutzen“, sagte der Landesvorsitzende Stefan Behlau. Die ganze Energie müsse in die Planung des nächsten Schuljahres fließen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußerte sich empört und sprach von „reiner Symbolpolitik“ auf dem Rücken von Schülern und Lehrern. Eine Gefährdung ihrer Gesundheit für wenige zusätzliche Tage im Schulbetrieb sei ein zu hoher Preis, kritisierte Landeschefin Maike Finnern.

In einer E-Mail an die Schulen schrieb das Ministerium am Freitag: „Die Erziehungsberechtigten müssen darauf achten, dass die Kinder vor dem Schulbesuch keine der bekannten Symptome einer Covid-19-Erkrankung aufweisen.“ Sofern Schülerinnen und Schüler eine Corona-relevante Vorerkrankung haben „oder mit Angehörigen mit entsprechenden Vorerkrankungen in häuslicher Gemeinschaft leben“, entfalle die Pflicht zur Teilnahme am Präsenzunterricht. In Zweifelsfällen könne die Schule von Eltern ein Attest verlangen und ein schulärztliches oder amtsärztliches Gutachten einholen. 

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