Kriminalität
NRW will bundesweite Initiative gegen «Loverboys»

Düsseldorf (dpa) - Im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung mit der «Loverboy»-Masche will die NRW-Landesregierung eine länderübergreifende Initiative starten. «Das Problem ist größer als gedacht. Wir brauchen dringend einen bundesweiten Ansatz», sagte NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) der «Rheinischen Post» (Samstag). Viele junge Frauen würden über soziale Netzwerke angesprochen, die Digitalisierung mache aber an den Ländergrenzen nicht halt. Scharrenbach will das Problem auf der nächsten Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenminister der 16 Bundesländer zum Thema machen.

Samstag, 23.05.2020, 09:52 Uhr aktualisiert: 23.05.2020, 10:02 Uhr
Ina Scharrenbach (CDU).
Ina Scharrenbach (CDU). Foto: Federico Gambarini

Bei der «Loverboy»-Masche spiegeln Männer Mädchen oder Frauen eine Liebesbeziehung vor und bringen sie so in ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis. In der Folge zwingen sie die Frauen zur Prostitution. Laut Bundeskriminalamt gingen 2018 knapp 17 Prozent der erfassten Fälle von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung auf die «Loverboy»-Methode zurück. Die Opfer erstatten Experten zufolge oft aus Angst und Scham keine Anzeige. Elterninitiativen fordern verstärkt Aufklärung über die Masche bereits in den Schulen.

Darüber hinaus will Scharrenbach eine Dunkelfeldstudie auf den Weg bringen. «Wir wissen noch zu wenig darüber, wie die Täter genau vorgehen, wie hoch die Dunkelziffer ist und in welchen Fällen die meist jungen Frauen zur Polizei gehen - und in welchen nicht.» Frühere Studien deuten der Ministerin zufolge darauf hin, dass Scham dabei eine große Rolle spielt. «Die Bundesländer müssen dringend mehr zur Prävention tun und die jungen Frauen für das Thema stärker sensibilisieren», sagte Scharrenbach. NRW habe dazu ein Aufklärungsvideo im Netz gestartet und Projekte an Schulen.

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