Gewerkschaften
Digitaler 1. Mai: DGB warnt vor sozialer Ungleichheit

Der Tag der Arbeit ist normalerweise verbunden mit Bildern fahnenschwenkender Gewerkschafter und lauten Kundgebungen auf den Straßen. Im Corona-Jahr ist alles anders: Die Mai-Kundgebungen müssen im Netz ablaufen.

Freitag, 01.05.2020, 08:37 Uhr aktualisiert: 01.05.2020, 08:42 Uhr
Die Fahne des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) weht vor einem Haus.
Die Fahne des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) weht vor einem Haus. Foto: Sebastian Gollnow

Düsseldorf (dpa/lnw) - Das Coronavirus verändert auch den Tag der Arbeit: Erstmals können die Kundgebungen zum 1. Mai nur digital verfolgt werden. Das Motto der diesjährigen Aktionen lautet: «Solidarisch ist man nicht alleine.»

Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mahnte, den Ausfall der Mai-Demonstrationen zum Anlass zu nehmen, «die anderen Tages des Jahres noch entschiedener für Arbeitnehmerrechte zu kämpfen». Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um über faire Bezahlung und flächendeckende Tarifverträge für Menschen zu reden, die in systemrelevanten Berufen wie der Pflege oder dem Lebensmitteleinzelhandel einen unschätzbaren Beitrag für das Gemeinwesen leisteten.

Schon im Vorfeld des Feiertags sind in NRW viele dezentrale Veranstaltungen auf Abstand organisiert worden: vom großen digital vernetzten, Arbeiterlieder singenden Chor in Ostwestfalen-Lippe über Poetry Slam in der Region Emscher-Lippe bis zu einer Banner-Aktion an den Brücken der B1 in Dortmund. Höhepunkt der Aktionen soll am Tag der Arbeit eine bundesweite Videoübertragung in Echtzeit sein, an der sich über drei Stunden lang zahlreiche Künstler beteiligen wollen: darunter die Popband Mia, Liedermacher Konstantin Wecker, die Jazz- und Opernsängerin Jocelyn Smith und Rocksänger Heinz Rudolf Kunze.

Die Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Anja Weber, hatte in dieser Woche gemahnt, die Corona-Krise verschärfe soziale Ungleichheiten. Der DGB fordert einen NRW-Sonderfonds für ein auskömmlicheres Kurzarbeitergeld. Außerdem sei die schwarz-gelbe Landesregierung gefordert, auf Bundesebene die Entschuldung der Kommunen voranzutreiben. Die Städte und Gemeinden würden durch dramatische Steuerausfälle bei zusätzlichen Aufgaben erdrückt.

Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) rief dazu auf, sich an den digitalen Kundgebungen zu beteiligen. Besorgniserregend sei, wie vor allem Geringverdiener unter den Auswirkungen der Pandemie zu leiden hätten, stellte der Landesvorsitzende Dennis Radtke fest. «Harte Arbeit und niedrige Löhne müssen ein Ende haben.» Gerechte Löhne garantierten nur Tarifverträge.

Auch die SPD wolle dafür kämpfen, dass «Berufe, die gegenwärtig als systemrelevant erkannt werden» - wie Pflegende, Angestellte in Supermärkten oder Ärzte - künftig gerechter bezahlt würden, kündigte ihr Landesvorsitzender Sebastian Hartmann an.

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