Gesundheit
Ministerium geht weiter von schriftlichen Abiprüfungen aus

Die Nervosität unter Abiturienten in NRW ist groß. Werden sie trotz der Corona-Krise ihr Abitur machen können? Die Landesregierung versucht zu beruhigen. Noch gelten die bereits einmal verschobenen Prüfungstermine. Aber es gibt Notfall-Pläne.

Mittwoch, 08.04.2020, 14:43 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 18:37 Uhr
Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, kommt zur Sitzung.
Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, kommt zur Sitzung. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die schriftlichen Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen sollen trotz Corona-Krise vom 12. Mai an starten. «Am jetzigen Zeitplan halten wir aktuell fest», sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags. Dennoch hat das Ministerium Notfall-Pläne in der Schublade, falls der Schulbetrieb nach den Osterferien nicht wieder beginnen kann. «Wir haben alle Szenarien fertig», sagte Gebauer. Es würde aber mehr Unsicherheit schaffen, wenn diese Pläne jetzt publik gemacht würden.

Gebauer bekräftigte, dass sie am 15. April die Öffentlichkeit «möglichst umfassend» informieren wolle, wie es nach den Osterferien ab 20. April mit dem Schulunterricht und den Prüfungen weitergehe. «Ob im Vollbetrieb, im Teilbetrieb oder vielleicht gar nicht» - diese Entscheidung werde vor allem unter Berücksichtigung des Gesundheitsschutzes getroffen. Bund und Länder wollen ebenfalls am 15. April - einen Tag später als zunächst geplant - über die Wiederaufnahme des Schulbetriebs und mögliche schrittweise Lockerungen der strengen Corona-Auflagen beraten.

Zugleich warnte der Schulausschuss vor Falschmeldungen im Internet, wonach der Schulbetrieb in NRW angeblich in diesem Schuljahr nicht mehr aufgenommen werden solle und die Einrichtungen bis zu den Sommerferien geschlossen blieben. Eine solche manipulierte Meldung wurde am Mittwoch mit vermeintlichem Logo des Bildungsportals NRW in sozialen Medien verbreitet.

Auch wenn die schriftlichen Abiprüfungen vermutlich abgehalten werden könnten, gebe es unter den Kultusministern der Länder «Szenarien ohne Prüfungen», sagte Schulstaatssekretär Matthias Richter. «Dafür gibt es Vorschläge, die Grundlage sein könnten für eine gegenseitige Anerkennung», erklärte er. «An der Stelle kann man ohne Sorge sein.» Die 16 Bundesländer hätten bereits versichert, dass die Prüfungen gegenseitig anerkannt würden. «Das ist beschlossene Sache.»

Der SPD-Bildungspolitiker Jochen Ott sagte: «Es rechnet keiner damit, dass tatsächlich am 20. April alle wieder zur Schule gehen.» Er forderte konkretere Informationen der Landesregierung zu Notfall-Szenarien.

Sollten die Abiturprüfungen trotz des neuen Zeitplans nicht wie vorgesehen ablaufen können oder sogar abgebrochen werden müssen, «könnte sich die Vergabe der allgemeinen Hochschulreife nach anderen Regelungen richten», heißt es in einem Bericht des Ministeriums. «Darüber beraten die Länder derzeit in der Kultusministerkonferenz.»

Konkreter werden die Notfall-Pläne bei den Schulabschlüssen in Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen nach der zehnten Klasse. Sollte der organisatorische und pädagogische Vorlauf wegen der aktuellen Lage nicht gewährleistet werden können, sieht der Pandemie-Gesetzentwurf der Landesregierung die Befugnis des Ministeriums vor, «das Abschlussverfahren auszusetzen oder auf landeseinheitliche Aufgaben zu verzichten».

Konkret könnte das laut Ministerium bedeuten, dass auf die Prüfungen mit landesweit gestellten Aufgaben verzichtet würde und an ihre Stelle «dezentrale schriftliche Prüfungen treten, die die Schulen selbst stellen». Diese Prüfungen würden auch den tatsächlich erteilten Unterricht berücksichtigen. Mündliche Prüfungen würden entfallen.

Sorge machen Bildungsverbänden, Eltern- und Schülervertretern, die im Ausschuss angehört wurden, diejenigen Schulen, bei denen die Vorabiklausuren noch nicht abgeschlossen sind. Mit diesen rund 90 Schulen würden derzeit individuelle Prüfungspläne vom 20. April bis 8. Mai erstellt, sagte Richter.

Schülervertreter forderten, dass es vor den Abiprüfungen noch mindestens zwei Wochen Unterricht für die Abiturienten geben müsse. Die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Maike Finnern, sprach sich dagegen aus, die Abschlussprüfungen im Notfall noch weiter nach hinten zu verschieben.

 

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