Agrar
Borkenkäfer-Saison beginnt: Kampf mit tödlicher Verlockung

Die Temperaturen steigen, der Borkenkäfer wird munter. Das Land befürchtet wieder enorme Schäden durch eine Plage. Um die Vermehrung zu drosseln, setzen die Forstleute auf eine tödliche Verlockung.

Sonntag, 05.04.2020, 08:57 Uhr aktualisiert: 05.04.2020, 09:13 Uhr
Ein Borkenkäfer bewegt sich in seinem Gangsystem unterhalb der Rinde.
Ein Borkenkäfer bewegt sich in seinem Gangsystem unterhalb der Rinde. Foto: Andreas Arnold

Münster (dpa/lnw) - Mit wärmeren Temperaturen beginnt in diesen Tagen die Borkenkäfer-Saison in Nordrhein-Westfalen. Millionen von Käfern kommen bei Temperaturen von mindestens 16 Grad aus ihren Verstecken und Löchern und befallen die Fichten, wie der Landesbetrieb Wald und Holz NRW mitteilte. Im Kampf gegen den Schädling greift das Land zu einer neuen Strategie.

«Die Situation im Wald ist nach wie vor sehr angespannt. Wir erwarten für das laufende Jahr Schäden durch Borkenkäferbefall mindestens in der Höhe des vergangenen Jahres», sagte der Leiter des Landesbetriebs, Andreas Wiebe, der Deutschen Presse-Agentur. Ob die Spitze der Borkenkäferplage in diesem Jahr erreicht wird und danach wieder abflacht, ist nach Angaben des Landesbetriebs noch nicht abzusehen.

Die Vermehrung beginnt jetzt mit dem Flug der Käfer, die sich aus den abgelegten Eiern der letzten Generation entwickelt haben. Die fliegen los und bohren sich in neue Bäume. Im Kampf gegen den Schädling werden jetzt zum ersten Mal flächendeckend im NRW-Staatswald so genannte Trinet-Fallen eingesetzt - eine am Ende tödliche Verlockung für die Männchen.

In der Mitte eines Dreibeins hängt ein für das Borkenkäfer-Männchen unwiderstehlicher Sexuallockstoff, wie Manfred Gertz vom Forstamt Siegen-Wittgenstein erklärte. Wenn die Käfer zum Lockstoff fliegen, prallen sie gegen ein darüber hängendes Netz mit einem Giftstoff, krabbeln darauf herum und verenden. Da sich aus der ersten Eiablage die Anzahl der Käfer potenziere, sei der Angriff beim ersten Schwarmflug der wichtigste, sagte Gertz. Die Fallen sollen bis Anfang Juni stehenbleiben.

Der Stoff locke nur den Borkenkäfer an und keine Nützlinge. Durch die Reduzierung der ersten Generation werde die folgende Vermehrung gedrosselt, sagte Gertz, der die Falle im vergangenen Jahr getestet hatte. Giftfallen würden im NRW-Wald ausnahmsweise nur in einem solchen Katastrophenfall eingesetzt, sagte der Sprecher des Landesbetriebs Michael Blaschke.

Nach einer früheren Auswertung des Bundeslandwirtschaftsministeriums waren 2019 in keinem anderen Bundesland die Waldschäden größer als in NRW. Danach galten 68 000 Hektar Wald in NRW als Schadflächen, die wieder mit Bäumen bepflanzt werden müssen.

Im Kampf gegen den Borkenkäfer konzentriert sich Nordrhein-Westfalen den Angaben nach auf gesunde und vitale Fichtenbestände. Die werden durch die Auswertung von Satellitendaten identifiziert. In der Regel seien das Fichten-Waldgebiete in den höheren Lagen etwa von Eifel, Sauerland oder Eggegebirge, teilte der Landesbetrieb mit. Werden dort Bäume vom Borkenkäfer befallen, sollen die Bäume sofort herausgenommen werden.

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