Gesundheit
Verwaltungs-Sonderschichten: 320 000 Anträge auf Soforthilfe

Kleinere Unternehmen in Nordrhein-Westfalen haben mehrere Hunderttausend Anträge auf Soforthilfe gestellt. Milliarden Euro zur Unterstützung der Wirtschaft sind auf die Konten geflossen. Beim Blick auf die Zahl der Infizierten und Todesopfer bereiten besonders die Pflegeheime Sorgen.

Donnerstag, 02.04.2020, 17:23 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 17:32 Uhr
Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen.
Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Während die milliardenhohe Soforthilfe in der Corona-Krise für Hunderttausende kleinere Unternehmen in Nordrhein-Westfalen angerollt wird, ist die Zahl der Infizierten am Donnerstag weiter angestiegen. Bei den Angaben zu Opfern in Pflegeheimen musste das Gesundheitsministerium die Zahl mit jetzt 48 nach oben korrigieren. In die Statistik flossen demnach Todesfälle aus den vergangenen Tagen ein, zu denen es bislang kein konkretes Datum gab.

Andere Zahlen gab es aus den Ministerien für Wirtschaft und Finanzen. Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart informierte bei einer Pressekonferenz über die angelaufene Soforthilfe für kleine Unternehmer. Seit Donnerstagmorgen (10.00) würden 225 000 Zuschüsse ausbezahlt - insgesamt seien das 2,33 Milliarden Euro, wie der FDP-Politiker sagte. Mehr als 700 Mitarbeiter in den Bezirksregierungen arbeiteten seit einer Woche praktisch durch und legten Sonderschichten ein. Spätestens bis Freitag solle das Geld auf den Konten angekommen sein.

Insgesamt haben rund ein Drittel der kleinen und mittelgroßen Unternehmen in NRW seit vergangenem Freitag die Soforthilfe in der Corona-Krise beantragt. Bislang seien 320 000 Anträge bei den Bezirksregierungen eingegangen (Stand Donnerstag 11.00 Uhr), sagte Pinkwart. Rund 300 000 Anträge seien bewilligt worden, rund ein Prozent der Anträge wurde abgelehnt. Bei etwa 20 000 gebe es Klärungsbedarf.

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in NRW stieg unterdessen wieder stärkern. Sie wuchs von Mittwoch auf Donnerstag (jeweils Stand 16 Uhr) um 1270, wie das NRW-Gesundheitsministerium mitteilte. Am Donnerstag (16.00 Uhr) waren demnach insgesamt 17 614 Coronavirus-Infektionen bekannt. Die Zahl der Toten erhöhte sich am Donnerstag auf 202 um 22.

Die Zahl der Neuinfektionen schwankt sehr stark. Während vergangenen Freitag auf Samstag der Anstieg noch bei etwa 1200 lag, blieb der Anstieg der Fallzahlen Anfang dieser Woche unter der Tausender-Marke pro Tag. Zuletzt legte die Zahl der positiv Getesteten stärker wieder zu.

Auf der juristischen Seite hat die Landesregierung derweil ein Problem weniger: Ein Mann aus Aachen hat eine Klage gegen das erlassene Kontaktverbot zurückgezogen. Das teilte das Oberverwaltungsgericht in Münster mit. Grund: Der Bund habe das Infektionsschutzgesetz in der Zwischenzeit geändert. Damit habe sich sein Anliegen erledigt.

In den ersten Tagen der neuen Corona-Regelungen in NRW hat die Polizei 6500 Menschen bei Verstößen erwischt - die allermeisten waren Erwachsene. Jugendliche und Kinder fielen dagegen weit weniger auf, teilte das Innenministerium auf Anfrage mit. Bisheriger Höhepunkt sei der vergangene Samstag gewesen, an dem alleine 1031 Erwachsene der Polizei auffielen. Zum Vergleich: am vergangenen Montag waren es nur 305.

Insgesamt seien von der Polizei zwischen dem 25. und 31. März 2116 Ordnungswidrigkeitsanzeigen und 119 Strafanzeigen erstellt worden. Es gab laut Ministerium zwar kaum größere «Corona-Partys», dafür aber fast 1200 kleinere verbotene Zusammenkünfte.

Währenddessen hat das Schulministerium einen neuen Zeitplan für die wegen der Corona-Pandemie verschobenen zentralen Abiturprüfungen und Prüfungen in Klasse 10 festgelegt. Abiturienten sollen nach den Planungen weiterhin bis spätestens zum 27. Juni ihre Zeugnisse bekommen. Für die rund 88 000 angehenden Abiturienten beginnen die zentralen Abschlussprüfungen, die um drei Wochen verschoben wurden, am 12. Mai und dauern für die meisten Schüler und Schülerinnen bis spätestens zum 25. Mai. Nachschreibetermine soll es zwischen dem 26. Mai und dem 9. Juni geben.

Der Beginn der Zentralen Prüfungen in Klasse 10 in den Fächern Mathematik, Englisch und Deutsch an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen sowie an bestehenden G9-Gymnasien, Weiterbildungskollegs und in den Schulversuchen Primus- und Gemeinschaftsschule wurden um fünf Tage verschoben - ebenfalls auf den 12. Mai.

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