Wirtschaft
Studie sieht viel Dynamik und Chancen fürs Ruhrgebiet

Beim Ruhrgebiet denken viele: Problemregion. Hohe Arbeitslosigkeit, Armut, überschuldete Kommunen. Eine Studie lotet nun Zukunftspotenziale aus - und sieht neben dem Schatten viel Licht.

Donnerstag, 27.02.2020, 12:35 Uhr aktualisiert: 27.02.2020, 12:42 Uhr
Die Sonne geht über dem Förderturm der Zeche Holland und einem Flutlichtmast des Lohrheidestadion auf.
Die Sonne geht über dem Förderturm der Zeche Holland und einem Flutlichtmast des Lohrheidestadion auf. Foto: Bernd Thissen

Bochum (dpa/lnw) - Mit günstigem Wohnraum, einer dichten Forschungs- und Hochschullandschaft und einem hohen Kultur- und Freizeitwert hat das Ruhrgebiet einer Studie zufolge enorme Potenziale. Die derzeitige Ausgangslage erinnere an die Situation in Berlin zu Beginn der 2000er Jahre - und damit an «eine Region, die sich so dynamisch entwickelt hat wie kaum ein andere». Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag vorgestellte Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Ruhr-Forschungsinstituts (Rufis) für Innovations- und Strukturpolitik. Auftraggeber ist der Regionalverband Ruhr.

Unter insgesamt acht analysierten Regionen in Deutschland sei die Metropole Ruhr bei den Mieten - im Schnitt 6,3 Euro pro Quadratmeter - und bei Immobilien-Kaufpreisen - 1796 Euro pro Quadratmeter - am günstigsten. Die Studie vergleicht die Ruhrregion mit Hamburg, München, Berlin/Brandenburg, Frankfurt/Rhein-Main, Rhein-Neckar, Rhein-Region und Stuttgart.

Die Studierenden-Dichte sei mit 49 Studenten auf 1000 Einwohner die höchste, das Wissenschaftsnetz mit seinen Hochschulen und Forschungseinrichtungen das dichteste. Zudem sei das Kultur-, Freizeit- und Erholungsangebot besonders hoch und vielfältig, hieß es in Bochum.

Das Ruhrgebiet als größter Ballungsraum Deutschlands zählt aber auch zu den ärmsten Regionen bundesweit. Die Industrieregion mit rund 5,8 Millionen Einwohnern sei mit einer Armutsquote von 21,1 Prozent «Problemregion Nummer Eins» hierzulande, hatte Ende 2019 eine Untersuchung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ergeben. Zudem kämpft das Ruhrgebiet weiterhin mit überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit und insgesamt milliardenschwerer Verschuldung vieler Kommunen.

Laut IW und Rufis sind die Chancen trotz anstehender Herausforderungen dennoch positiv zu bewerten. Die Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft sei «Grundstein für eine dynamische Entwicklung». Und schon lange bevor das letzte Stück Steinkohle Ende 2018 gefördert wurde, habe sich das Ruhrgebiet im digitalen Bereich stark aufgestellt - als Standort für IT-Sicherheit, für grüne Technologien oder Künstliche Intelligenz. In einem zweiten Teil der Studie waren speziell die Chancen von Zukunftsbranchen im Ruhrgebiet in den Fokus gerückt, auch eine Befragung von rund dort ansässigen 500 Unternehmen war eingeflossen.

«Das Ruhrgebiet hat das Potenzial, einer der stärksten deutschen Metropolen der Zukunft zu werden», bilanzieren die Studienautoren. Viele Unternehmer seien sich der Stärken der Region bewusst und entsprechend optimistisch.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7298329?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819389%2F
Nachrichten-Ticker