Terrorismus
Mitangeklagter im Abu-Walaa-Prozess aus U-Haft entlassen

Auf der Zielgeraden kommt in den Abu-Walaa-Prozess Bewegung. Nach fast zweieinhalb Jahren Schweigen reden mehrere Angeklagte. Nach einem Geständnis kommt einer von ihnen aus der U-Haft frei.

Mittwoch, 26.02.2020, 15:35 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 15:42 Uhr
Bewaffnete Polizeibeamte vor dem Eingang zum Oberlandesgericht in Celle.
Bewaffnete Polizeibeamte vor dem Eingang zum Oberlandesgericht in Celle. Foto: Holger Hollemann

Celle (dpa/lni) - Im Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Walaa, hat das Oberlandesgericht Celle einen Mitangeklagten aus der Untersuchungshaft entlassen. Nach einem glaubhaften Geständnis des Mitangeklagten stehe die zu erwartende Strafe nicht mehr in einem Verhältnis zu einer Fortdauer der U-Haft, teilte das Gericht am Mittwoch mit.

Der 30-Jährige hatte in einem überraschenden Geständnis Abu Walaa vor zwei Wochen schwer belastet. Der Prediger habe einen direkten Draht zum IS gehabt und die Ausreise radikalisierter junger Leute aus Deutschland in von der Miliz kontrollierte Gebiete gefördert. Der Mitangeklagte erklärte, er selbst habe sich während der mehr als dreijährigen Untersuchungshaft vom militanten Islamismus abgewendet. Ihm droht wegen der Unterstützung einer Terrororganisation eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Die Bundesanwaltschaft hält Abu Walaa für den wichtigsten Drahtzieher des IS in Deutschland.

Er und vier Mitangeklagte müssen sich in Celle seit September 2017 wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS verantworten. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben.

Zu einem bevorstehenden Abschluss der Beweisaufnahme äußerte sich das Gericht am Mittwoch noch nicht, da ein Verteidiger noch einen Antrag angekündigt hatte. Abgelehnt wurde indes der Antrag der Verteidigung auf die Vernehmung eines möglichen Entlastungszeugen im Irak. Der dort mutmaßlich inhaftierte deutsche IS-Kämpfer lebt nach letztem Wissensstand des Gerichts nicht mehr, er soll bei einem Luftangriff ums Leben gekommen sein.

In dem Mammutverfahren hatten die Aussagen eines Kronzeugen, der der Islamistenszene den Rücken gekehrt hat, sowie eines V-Manns aus der Szene eine wichtige Rolle gespielt. Die Angeklagten hatten bis vor Kurzem zu den Vorwürfen geschwiegen. Vor dem Geständnis des 30-Jährigen, der eine eher untergeordnete Rolle in dem mutmaßlichen Terrornetzwerk spielt, hatte ein anderer Angeklagter vorübergehende Sympathie für den IS eingeräumt. Dass er in seinem Duisburger Reisebüro Koranschüler indoktriniert und zur Ausreise bewegt habe, bestritt er aber.

Den Beteuerungen hielt das Gericht eine lange Liste von Islamisten entgegen, die nach Zeugenaussagen von dem Türken und einem weiteren Mitangeklagten in Dortmund radikalisiert wurden. Viele von ihnen reisten zum IS aus oder waren wie der ebenfalls aufgelistete Berlin-Attentäter Anis Amri später an Anschlägen beteiligt.

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