Landesverband spürt Gegenwind aus Thüringen
Austritte und Mitgliedsanträge: überraschende Entwicklungen bei NRW-FDP

Düsseldorf/Münsterland -

Die Wahl eines FDP-Ministerpräsidenten in Thüringen mit den Stimmen der AfD hat auch bei den Liberalen in NRW Spuren hinterlassen. Doch es gibt auch überraschende Entwicklungen – gerade im Münsterland.

Mittwoch, 19.02.2020, 18:15 Uhr aktualisiert: 19.02.2020, 18:33 Uhr
Im Münsterland haben seit der Kemmerich-Wahl am 5. Februar mindestens zehn FDP-Mitglieder ihr Parteibuch zurückgegeben.
Im Münsterland haben seit der Kemmerich-Wahl am 5. Februar mindestens 15 FDP-Mitglieder ihr Parteibuch zurückgegeben. Foto: dpa

Die Wahl von Thomas Kemmerich mithilfe der AfD zum thüringischen Ministerpräsidenten hat für die FDP in NRW spürbare Folgen: Mehr als 200 Mitglieder haben seit dem 5. Februar ihren Austritt aus der Partei erklärt. Das berichtet Mirco Rolf-Seiffert, Geschäftsführer des FDP-Landesverbands, auf Anfrage unserer Zeitung.

Er betont aber auch, dass im selben Zeitraum 150 Menschen ihre Mitgliedschaft beantragt hätten. „Einige Leute haben erklärt, dass sie die klare Haltung der FDP in NRW unterstützen wollen“, begründet Rolf-Seiffert. Denn die Liberalen hätten sich zügig von der AfD abgegrenzt und den Kemmerich-Rücktritt gefordert. Kemmerich hatte sich am 5. Februar wählen lassen und war drei Tage später zurückgetreten.

Die FDP zählt in NRW nach eigenen Angaben derzeit mehr als 17 500 Mitglieder. Im Münsterland haben in den vergangenen zwei Wochen nach einer Erhebung dieser Zeitung mindestens 15 Liberale ihr Parteibuch zurückgegeben.

Stellungnahmen in Fußgängerzonen

„Ein Mitglied ist direkt am 5. Februar ausgetreten – dem Tag der Wahl“, berichtet Reinhard Böcker, Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Borken. Bei den Ortsparteitagen habe es Unmut und Diskussionen gegeben. „Es kamen Fragen wie: Warum ist die Parteispitze nicht vor der Wahl eingeschritten?“

Negativer Höhepunkt war für Böcker, dass Unbekannte die FDP-Geschäftsstelle in Vreden mit dem Schriftzug „Nazis raus“ beschmierten . Der Kreisverband Borken mit 362 Mitgliedern sei in die Offensive gegangen. In einer E-Mail an die Mitglieder habe die FDP Stellung bezogen. „Es gibt eine ganz klare Positionierung: Wir arbeiten grundsätzlich nicht mit der AfD zusammen.“ Die Mitglieder der Ortsverbände seien zudem in die Fußgängerzonen der Städte und Gemeinden gegangen und hätten an Infoständen Stellung bezogen.

Auch Henning Höne, Chef des FDP-Kreisverbandes Coesfeld, wandte sich nach der Kemmerich-Wahl in einem Brief an die Mitglieder und verlangte den Rücktritt seines Parteifreundes. Höne berichtet von zwei Eintritten und einem Austritt in dem 262 Mitglieder großen Kreisverband. Das Mitglied habe seinen Austritt nicht mit der von der AfD unterstützten Wahl in Thüringen begründet, sondern mit „mangelnder Unterstützung für Thomas Kemmerich“.

Großer Gesprächsbedarf

Im Kreisverband Warendorf mit seinen 400 Mitgliedern hatten ebenfalls viele Liberale nach der Wahl in Thüringen Gesprächsbedarf. „Wir mussten viel erklären“, berichtet Kreisgeschäftsführerin Erna Trojahn. Negative Auswirkungen auf die Mitgliederzahl habe es aber nicht gegeben. Trojahn berichtet zwar von einem Austritt, der ohne Begründung erfolgte – aber auch von vier Eintritten.

Der FDP-Kreisverband Steinfurt (534 Mitglieder) vermeldet vier Austritte und sechs Eintritte in den vergangenen zwei Wochen. Allerdings liegen dem Kreisverband, der ebenfalls die Wahl Kemmerichs kritisierte, keine Angaben zu den Beweggründen vor, berichtet FDP-Kreisgeschäftsführer Nino Murtas.

Jörg Berens, FDP-Chef in Münster (372 Mitglieder), berichtet von vier neuen Mitgliedsanträgen und sieben Austritten – wobei sich nur ein Austritt ausdrücklich auf die Kemmerich-Wahl beziehe. Trotzdem ist auch für Berens klar: „Das sind schon mehr Austritte als üblich.“

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