Zentralisierung und Spezialisierung von Kliniken
Neuer Plan gegen alte Probleme

Münster -

Die Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen wird sich in den kommenden Jahren verändern. Zentralisierung und Spezialisierung sind zentrale Ziele im neuen Krankenhausplan der Landesregierung, der ab 2021 umgesetzt werden soll. Dadurch könnten einige Kliniken schließen müssen.

Donnerstag, 23.01.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 20:31 Uhr
Viele Klinikärzte fühlen sich überlastet. Dazu trägt auch der Fachkräftemangel an deutschen Krankenhäusern bei.
Viele Klinikärzte fühlen sich überlastet. Dazu trägt auch der Fachkräftemangel an deutschen Krankenhäusern bei. Foto: imago images

Dass es so nicht weitergehen kann, darin sind sich alle Beteiligten einig. Die Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen leidet unter strukturellen Problemen, die von einer Konzentration der Kliniken in Ballungsgebieten über eine unzureichende Finanzierung bis zum Fachkräftemangel reichen. Gleichzeitig müssen die einzelnen Häuser immer höhere Anforderungen aus der Bundespolitik erfüllen. Die Landesregierung will den Problemen nun mit einem neuen Krankenhausplan für NRW entgegensteuern. Erste Eckpunkte verriet Helmut Watzlawik, Leiter der Abteilung Gesundheit im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, am Donnerstag auf dem Kongress „Gesundheitswirtschaft managen“ in Münster.

Steigerung von Qualität

Die Initialzündung erfolgte bereits im September 2019. Damals stellte ein von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in Auftrag gegebenes Gutachten großen Verbesserungsbedarf in der Krankenhausplanung fest. Auf Grundlage dieses Papiers werden derzeit von einem Expertengremium Reformen ausgearbeitet. „Uns geht es dabei nicht um das Schließen von Häusern, sondern um die Steigerung der Qualität“, betonte Watzlawik ausdrücklich. Weiterhin gelte, dass eine klinische Grundversorgung innerhalb von 30 Minuten erreichbar sein müsse. Gerade auf dem Land sei eine Schließung von Krankenhäusern daher nicht erwünscht.

Änderungen des Kartellrechts

Allerdings wird über die Zentralisierung und Spezialisierung von Kliniken jenseits der Grundversorgung gesprochen. Trägerübergreifende Verbundlösungen und Zusammenschlüsse könnten Teil eines neuen Konzepts sein und mögliche Synergieeffekte die Kosten drücken. Vor allem in Ballungszentren bieten derzeit zu viele Kliniken die gleichen Leistungen an. Die Doppelstrukturen sollen abgebaut werden. Problematisch ist dabei die Haltung des Kartellamts, das zuletzt mehrfach Zusammenschlüsse von Krankenhäusern blockierte. In der Landesregierung gibt es daher aktuelle Überlegungen, das Wettbewerbsrecht für Kliniken aufzuweichen. „Wir werden die Krankenhäuser nicht ganz aus dem Kartellrecht herausnehmen, wir müssen aber den Spagat hinbekommen, dass enge Zusammenarbeit möglich ist“, sagte Watzlawik.

Neuigkeiten hatte der Ministeriumsmitarbeiter auch bezüglich der diesjährigen Vergabe der Einzelfördermittel des Landes im Gepäck. Die Gelder in Höhe von 100 Millionen Euro werden wahrscheinlich zur Förderung von Ausbildungsstätten an Krankenhäusern ausgeschüttet.

Kommentar: Kliniklandschaft ist aus der Balance

Es ist fünf nach zwölf. Die Kliniklandschaft in NRW leidet unter gewaltigen Dysbalancen. In den Ballungsräumen gib es zu viele Kliniken mit einem zu großen Angebot, ländliche Gebiete – etwa im Sauerland – leiden unter Unterversorgung.

Zudem klagen nahezu alle Krankenhäuser über Personalmangel und Finanzierungsprobleme. Leidtragende sind neben den Patienten auch Ärzte und Pfleger, die an der Belastungsgrenze arbeiten.

Ein neuer Krankenhausplan muss daher grundlegende Änderungen anstoßen. Die bisher bekannten Ansätze sind vielversprechend, zumal das Land NRW die Gesundheitsakteure bei der Ausarbeitung mit ins Boot holt, statt von oben herab zu diktieren. Auch wenn ein Kahlschlag abgelehnt wird, werden einige Häuser bei diesem Prozess auf der Strecke bleiben. Im Sinne einer besseren Personalausstattung und Spezialisierung in den übrigen Kliniken stärkt das jedoch die Versorgungssicherheit. Auch die Neuverteilung von Finanzmitteln nach Leistungsgruppen kann zu einer besseren Versorgung beitragen, allerdings gilt es, dieses hochsensible System gut auszutarieren, damit auch versorgungsrelevante ländliche Krankenhäuser die Grundversorgung weiterhin sicherstellen können. Das wäre zumindest ein erster Schritt.  Mirko Heuping

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