Prozesse
Wegen 150 Euro Obdachlosen erwürgt? Angeklagter bestreitet

Ein Obdachloser wird bestohlen und im Schlaf erwürgt. Der Täter soll ein guter Freund gewesen sein. Der streitet vor Gericht jedoch alles ab.

Freitag, 11.10.2019, 13:34 Uhr aktualisiert: 11.10.2019, 13:42 Uhr

Essen (dpa/lnw) - Nach dem gewaltsamen Tod eines Obdachlosen in Essen muss sich ein Freund des Opfers seit Freitag wegen Mordes vor Gericht verantworten. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, den 49-Jährigen in der Nacht auf den 9. April 2019 im Schlaf erwürgt zu haben. Zuvor soll er dem Opfer 150 Euro gestohlen haben. Zum Prozessauftakt hat der Angeklagte (46) die Tat bestritten. «Ich habe ihn tot aufgefunden», sagte er den Richtern am Essener Schwurgericht.

Der Angeklagte war nach eigenen Angaben so etwas wie ein väterlicher Freund des späteren Opfers. «Ich bin jeden Tag zu ihm hingegangen - auch nachts», so der 46-Jährige, der selbst eine eigene Wohnung hatte: «Er hat mich sogar Papa genannt.»

Der Obdachlose hatte sich eine Schlafstätte unter der Laderampe eines ehemaligen Discounters eingerichtet. «Er war wie ein Kleinkind - durch den Schnaps», so der Angeklagte. Auch er selbst habe den ganzen Tag über getrunken - Wodka, Korn, Bier und Likör.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 46-Jährige seinen obdachlosen Freund am Abend vor der Tat wieder einmal um Geld gebeten hatte. Als ihm das verweigert worden war, soll er den schlafenden Obdachlosen gegen zwei Uhr in der Nacht bestohlen haben. Das Geld hatte das Opfer am Tag zuvor von seinem Betreuer erhalten.

«Er wollte unbedingt an das Geld kommen, um sich weiteren Alkohol kaufen zu können», heißt es in der Anklage. Anschließend soll er den 49-Jährigen dann erwürgt haben, um nicht überführt werden zu können. Mit einem Urteil wird Mitte Dezember gerechnet.

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