Fußball
Rauball stolz, ohne Wehmut: «Weiß mit Zeit was anzufangen»

Am kommenden Mittwoch endet die zwölfjährige Amtszeit von Reinhard Rauball als Präsident der Deutschen Fußball Liga. Wehmut verspürt der 72-Jährige keine. Weil er sich sicher ist, ein bestelltes Feld zu hinterlassen.

Mittwoch, 14.08.2019, 17:19 Uhr aktualisiert: 14.08.2019, 17:32 Uhr
Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga, steht bei der Siegerehrung neben dem Supercup Pokal.
Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga, steht bei der Siegerehrung neben dem Supercup Pokal. Foto: Guido Kirchner

Dortmund (dpa) - Seine Bilanz dauerte fast eine Stunde, aber einen tiefen Blick in sein Inneres gestatte Reinhard Rauball nicht. In sich ruhend, verbindlich und sachlich zog der 72-Jährige eine Woche vor seinem Abschied als Präsident der Deutschen Fußball Liga ein Fazit seiner zwölfjährigen Amtszeit. Und ließ durchblicken: Ein dramatischer und tränenreicher Abschied wird es trotz aller Freude am Amt auch am kommenden Mittwoch nicht werden. Rauball geht stolz, aber ohne Wehmut.

«Natürlich ist es verbunden mit Emotionen», sagte der Jurist bei einem Pressegespräch in Dortmund: «Aber ich bin der Auffassung, dass man diese Dinge in einer solchen Position nicht nach außen tragen sollte.» Die Botschaft in einem Geschäft voller Selbstdarsteller ist klar: Selbst im Abschied ist niemand größer als das Amt. Dies ist die Einstellung, mit der Rauball die herausfordernde Aufgabe seit 2007 erfolgreich ausfüllte. Auch deshalb wird er zum zweiten DFL-Ehrenpräsidenten nach Werner Hackmann ernannt werden.

Rauball ist mit sich im Reinen. Die DFL und den deutschen Fußball glaubt Rauball, der nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel gemeinsam mit Rainer Koch auch als DFB-Interimspräsident fungiert, in guten Händen. Zudem hat der frühere Justizminister von Nordrhein-Westfalen den Zeitpunkt seines Abschieds bewusst gewählt. «Es war eine schöne Zeit, und aus meiner Sicht auch eine erfolgreiche. Ich habe das gerne gemacht», sagte Rauball: «Wenn ich irgendwann zurückblicke, bleibt nicht viel, was ich als unangenehm empfunden habe. Aber ich glaube nicht, dass ich es vermissen werde, weil es eine bewusste Entscheidung war. Ich kann sehr gut damit leben und weiß mit meiner Zeit etwas anzufangen.»

Über seine Erfolge redet Rauball nur dann gerne, wenn er sie in Zahlen ausdrücken kann. Ansonsten behilft er sich mit feinem Humor. «Ich glaube, meine größte Lebensleistung war es, vier Sekretärinnen zu haben, und alle kommen miteinander aus», sagte er am Mittwoch. Beim sportlichen Erfolg in seiner Amtszeit nehme er es «für mich in Anspruch, dass ich ihn nicht verhindert habe».

Dem Fußball wird er dabei auch sieben Jahre nach dem eigentlichen Renten-Eintritt wohl weiter in offizieller Funktion erhalten bleiben. Denn eine weitere Amtszeit als Präsident von Vizemeister Borussia Dortmund scheint sicher. «Ich habe am Donnerstag ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Wahlausschusses», sagte Rauball: «Er wird nicht sehr überrascht sein, wenn ich ihm sage, dass ich noch mal drei Jahre weitermachen werde, wenn die Mitgliederversammlung mich wählt.» Und in Bezug auf den BVB ließ er dann doch einmal kurz echte Emotionen zu: «Diese emotionale Kraft ist die höchste, die ich außerhalb meiner Privatsphäre empfinde.»

Deshalb macht er dort weiter. Beim Liga-Verband folgt seinem Abschied eine Strukturreform. Einen Nachfolger Rauballs wird es nämlich nicht geben. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert wird auch als Sprecher des Präsidiums fungieren. Schalke-Vorstand Peter Peters kandidiert für den Posten des stellvertretenden Präsidiumssprechers und würde auch Aufsichtsratsvorsitzender der DFL GmbH werden. Zudem übernimmt er wohl den der DFL zustehenden Platz als DFB-Vizepräsident. «Ich persönlich gehe davon aus, dass es Peter Peters werden wird, will der Wahl aber nicht vorgreifen», sagte Rauball. Er lobte Peters als «tief loyal» und bienenfleißig: «Er ist sicher derjenige von uns allen im Präsidium, der die meiste Arbeit gemacht hat.»

So oder so sei der deutsche Fußball gut aufgestellt. «Ich höre viel von Entfremdung. Aber wir sehen das nicht so», sagte Rauball. Und versicherte auch, er habe «keine Sorge, dass wir abfallen werden». Auch wenn England und Spanien der Bundesliga derzeit weit voraus sind. «Aber die Nummer eins zu sein, ist nicht das alleinig selig Machende», sagte Rauball. Er selbst lebt es vor.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6849287?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819389%2F
Nachrichten-Ticker