Religion
Reul ermutigt Juden zum Tragen der Kippa

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung rät Juden davon ab, überall in Deutschland eine Kippa zu tragen. NRW-Innenminister Reul betont, es dürfe hierzulande nie wieder No-Go-Areas für Juden geben.

Sonntag, 26.05.2019, 17:04 Uhr aktualisiert: 26.05.2019, 17:12 Uhr
Ein Mann mit einer Kippa.
Ein Mann mit einer Kippa. Foto: Michael Kappeler

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hat Juden in Deutschland zum Tragen der Kippa ermutigt. «Ich kann Jüdinnen und Juden nur ermuntern, sich nicht einschüchtern zu lassen und stattdessen stolz und erhobenen Hauptes durch Deutschland zu gehen - selbstverständlich auch mit Kippa», sagte Reul nach Angaben seines Ministeriums vom Samstagabend. «Die nordrhein-westfälische Polizei steht dabei immer an ihrer Seite. Es darf in Deutschland nie wieder No-Go-Areas für Mitbürger jüdischen Glaubens geben.»

Die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) äußerte sich am Sonntag besorgt «über die steigende feindliche und bedrohliche Stimmung gegen Juden». Es müsse alles getan werden, damit Juden ihre Religion ungefährdet und im Vertrauen auf den Rechtsstaat leben könnten, sagte die frühere Bundesjustizministerin nach Angaben der NRW-Staatskanzlei. «Sich verstecken müssen ist keine Alternative.»

Zuvor hatte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, davon abgeraten, sich in Deutschland uneingeschränkt mit der Kippa zu zeigen. «Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Das muss ich leider so sagen», sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Mit seiner Aussage habe er aufrütteln und eine Debatte über die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft anstoßen wollen, erklärte Klein später der dpa.

Die Kippa, eine kleine kreisförmige Mütze, wird von jüdischen Männern als sichtbares Zeichen ihres Glaubens traditionell den ganzen Tag lang getragen.

2018 war die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit stark gestiegen. Der jüngste Jahresbericht zur politisch motivierten Kriminalität wies 1799 Fälle aus, 19,6 Prozent mehr als 2017.

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