Kommunen
Start der Umweltspur in Düsseldorf

Mit Umweltspuren will Düsseldorf Dieselverbote abwenden, aber auch mehr Platz für Busse und Radfahrer schaffen. Am Montag trat der erste Sonderfahrstreifen in Kraft. Ist das Experiment ein erster Schritt zu einem veränderten Straßenverkehr?

Montag, 15.04.2019, 15:39 Uhr aktualisiert: 15.04.2019, 15:52 Uhr
Autos fahren auf der Merowinger Straße.
Autos fahren auf der Merowinger Straße. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Eine Mutter und ihre kleine Tochter haben den neugewonnenen Platz direkt ausgenutzt: Nebeneinander sind die beiden Radfahrer am Montag auf der gerade erst gestarteten Umweltspur in Düsseldorf gefahren. Für 500 Meter dürfen auf einer Spur der Merowingerstraße in Richtung Innenstadt künftig nur noch Busse, Fahrräder, Taxis und Autos mit Elektro-Antrieb fahren. Zum Start hielten sich fast alle Autofahrer an die neuen Regeln. Einige scherten etwas verspätet nach links ein, ein Fahrer hielt in zweiter Reihe und wurde von der Polizei verscheucht. Ein Verstoß kann bis zu 70 Euro kosten.

Staus gab es erst einmal nicht, allerdings wurde die Spur außerhalb des Berufsverkehrs und in den verkehrsärmeren Osterferien freigegeben. «Wir denken, dass es gut ist, in den Ferien zu beginnen, damit man sich an die Situation gewöhnen kann, damit es sich rumspricht», sagte die Verkehrsdezernentin der Stadt, Cornelia Zuschke. Am frühen Dienstagmorgen sollen die Umweltspuren auf der Prinz-Georg-Straße dazukommen. Schilder, digitale Anzeigetafeln und Piktogramme auf der Fahrbahn weisen auf die neuen Regeln hin.

Die Stadt will mit den Sonderfahrstreifen die Luftqualität verbessern und Dieselfahrverbote abwenden. Zudem sollen Fahrradfahrer und der öffentliche Nahverkehr gefördert werden. Ob das funktioniert, soll intensiv überprüft werden. Dafür werden unter anderem an mehreren Punkten die Stickstoffdioxidwerte in der Luft gemessen. Im Juni und September werden Videobeobachtungen des Verkehrs durchgeführt. Zusätzlich sollen die Daten von Navigationssystemen in Autos ausgewertet werden - auch in Nebenstraßen. Der Autoverkehr solle sich nicht nur dorthin verlagern, sondern generell weniger werden, hieß es vom Amt für Verkehrsmanagement.

An normalen Werktagen nutzen 25 000 Fahrzeuge die Merowinger Straße, eine wichtige Nord-Süd-Achse der Stadt. Die Prinz-Georg-Straße bringt den Verkehr von Norden hinein - über sie rollen 22 000 Fahrzeuge täglich. Drohen lange Staus und Ärger bei den Autofahrern? «Wir hoffen, dass die Eingewöhnungsphase nicht allzu hart wird», sagt Zuschke. Es sei ein erster Versuch der Umverteilung innerstädtischer Räume. Der öffentliche Nahverkehr soll schneller werden, Fahrräder im fließenden Verkehr besser zurechtkommen.

Doch nicht nur in der Landeshauptstadt sind Umweltspuren ein Thema: Köln hat eine Umweltspur auf der Aachener Straße beschlossen. Sie soll im kommenden Dezember umgesetzt werden. Essen prüft ihre Einführung für den inneren City-Ring und will im Mai darüber entscheiden.

Bei einigen Radlern kam die neue Freiheit in Düsseldorf bereits gut an. «Wer ist denn hier zuständig von der Stadt?», fragte ein Mann mit Mountainbike und Helm. «Das ist super. Ich kann da gar nicht genug von kriegen», sagt er zu Zuschke über die neue Umweltspur. Ein anderer Radfahrer erklärte: «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man das Thema Verkehrswende ernst nimmt.» «Das wird sich einspielen hier.» Es sei angenehm auf dem Abschnitt nicht mehr direkt von Autos und Lastwagen bedrängt zu werden, sagte der 61-Jährige.

Doch es gibt auch Ausnahmen für die Umweltspuren: So darf Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) die neuen Spuren nach Angaben der Stadt mit seinem Diesel «anlassbezogen» nutzen. Am Montag war er jedoch zu Fuß unterwegs - beim Marathon in der US-Metropole Boston.

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