Kirche
Theologe Seewald: Kirche unterdrückt offene Debatte

Münster (dpa) - In der katholischen Kirche ist nach Ansicht des Münsteraner Theologen Michael Seewald keine offene Diskussion möglich. «Das Lehramt, das theoretisch vom Papst und den Bischöfen, faktisch aber von der Römischen Kurie ausgeübt wird, bestimmt, was gesagt werden darf und was nicht», sagte Seewald - der selbst katholischer Priester ist - der «WAZ» (Montag). «Unbequeme Theologen werden überwacht und denunziert.»

Montag, 11.02.2019, 12:20 Uhr aktualisiert: 11.02.2019, 12:32 Uhr

Seit der Veröffentlichung des Missbrauchsberichts im vergangenen September sei der öffentliche Druck so groß, dass die meisten Bischöfe derzeit gar nicht anders könnten, als Reformbereitschaft zu signalisieren. Das werde aber nicht lange andauern, prophezeite Seewald. «2010, als das Ausmaß des Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen erstmals öffentlich wurde, hat man einen großen Gesprächsprozess initiiert, um Ruhe an die sogenannte Basis zu bringen. Mehrere Jahre hat man geredet. Alles ohne Folgen.»

Die Argumente der Kirche dagegen, dass Frauen Priester werden können, bezeichnete Seewald als «schwach» und «konstruiert». «Wenn man in der katholischen Kirche aber eins lernt, dann das: Gute Argumente interessieren eine auf Selbsterhaltung getrimmte Hierarchie nicht. Daher sollte man Frauen auch keine falschen Hoffnungen machen.»

Seewald wurde 2017 mit nur 29 Jahren jüngster Theologieprofessor in Deutschland.

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