Prozesse
Mit fremdem Kind vor Zug gesprungen: Angeklagter geständig

Ein psychisch kranker Mann soll sich in Wuppertal ein fremdes Kind gegriffen haben und mit ihm im Arm vor einen Zug gesprungen sein. Der Junge überlebt fast unverletzt. Trotzdem ist es ein Alptraum für die Familie. Seit Dienstag steht der Beschuldigte vor Gericht.

Dienstag, 23.10.2018, 15:12 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 23.10.2018, 15:03 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 23.10.2018, 15:12 Uhr
Mit fremdem Jungen vor Zug gesprungen: Prozessauftakt in Wuppertal.
Mit fremdem Jungen vor Zug gesprungen: Prozessauftakt in Wuppertal. Foto: Jan-Philipp Strobel

Wuppertal (dpa/lnw) - Ein voller Bahnsteig am Wuppertaler Hauptbahnhof: Eine Familie wartet im Berufsverkehr am Gleis, als sich ihnen ein fremder Mann nähert. Urplötzlich greift er den fünfjährigen Sohn und springt mit ihm im Arm vor eine einfahrende S-Bahn. Eltern und Geschwister können nur hilflos zusehen, wie der Zug über die beiden hinweg rollt. Doch wie durch ein Wunder bleibt das Kind fast unverletzt. Nun hat vor dem Landgericht Wuppertal am Dienstag der Prozess gegen den 23-jährigen Beschuldigten begonnen.

Der psychisch kranke Mann räumte die Tat ein, wies die Schuld aber von sich. «An dem Vorfall ist weder das Kind noch ich schuld», sagt der verängstigend schauende Mann. Ein Gutachter hat bei ihm eine Schizophrenie diagnostiziert. Zum Zeitpunkt der Tat Mitte April dürfte er schuldunfähig gewesen sein. Immer wieder spricht er davon, Stimmen gehört zu haben - auch am Bahnsteig. Die Staatsanwaltschaft sprach in ihrer Antragsschrift von aufgehobener Steuerungsfähigkeit beim Beschuldigten. Ihm wird versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er habe versucht, «heimtückisch einen Menschen zu töten».

Während der Verhandlung wirkt der Mann verwirrt, will mal etwas sagen und mal nicht. «Ich habe das Gefühl, ich erreiche sie gar nicht», sagt ihm der Vorsitzender Richter nach einigen Fragen. Das Gericht prüft eine dauerhafte Unterbringung des 23-Jährigen in der Psychiatrie. Schon seit seiner Festnahme wird er dort betreut. Es seien von ihm auch weiterhin ähnliche Taten zu erwarten, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Die Familie des Opfers leidet noch immer unter dem alptraumhaften Erlebnis. Die Mutter des Fünfjährigen muss ihre Aussage unter Tränen vorzeitig beenden und bricht schließlich auf dem Flur zusammen. Zu schwer sei die Belastung nach wie vor, zu viel komme durch den Prozess wieder noch, erklärte die Anwältin der Familie schon vor Prozessbeginn. Wie es dem Jungen heute geht, wird nicht bekannt.

Laut Staatsanwaltschaft war es allein einem glücklichen Zufall und dem Bremsmanöver des Lokführers zu verdanken, dass der Fünfjährige körperlich nur leichte Verletzungen am Kopf erlitt. Wenn der Zug etwas weiter gefahren wäre, hätte ihn ein tieferliegendes Teil treffen und schwerer verletzen können. Nach Aussage eines Zeugen drückte der Beschuldigte den Kopf des Kindes nach unten. Der Mann hatte sich mit ihm flach zwischen die Gleise gelegt.

Zwei Zeugen gaben am Dienstag an, dass sie nach Beobachtung des Vorfalls vom einem erweiterten Suizid ausgegangen seien. «Ich sah, wie ein Mann ein Kind hochhielt. Ich dachte, der steht gefährlich nah am Gleis, dann sprang er vor den Zug», erklärte ein 50-Jähriger. «Ich habe mit fürchterlichen Verletzungen gerechnet». Die Familie habe laut geschrien. Als der 23-Jährige aus dem Gleisbett geholt wurde, habe die Mutter des Jungen nach Angaben der Zeugen versucht, ihn zu konfrontieren. Von Umstehenden wurde der Inder schließlich festgehalten, bis die Polizei kam. Auf Ansprache habe er zuvor nicht reagiert.

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