Ende von Air Berlin in NRW
Keine roten Herzen mehr

Düsseldorf -

Air Berlin ist auch in NRW Geschichte: In Düsseldorf und Köln starteten und landeten am Freitag die letzten Maschinen der insolventen Fluggesellschaft. In Düsseldorf, dem zuletzt wichtigsten Flughafen der Airline, flossen viele Tränen.

Samstag, 28.10.2017, 09:33 Uhr

Ein Flugzeug der insolventen Fluglinie Air Berlin.
Ein Flugzeug der insolventen Fluglinie Air Berlin. Foto: Ralf Hirschberger

Ausgerechnet mit einem Lied der kölnischen Sängerin Trude Herr verabschiedete sich Air Berlin in Düsseldorf: „Niemals geht man so ganz“ habe man zum Ausstieg aus der letzten am Düsseldorfer Flughafen gelandeten Maschine gespielt, berichteten Passagiere der Deutschen Presse-Agentur am Freitagabend.

Mit Flug AB 8719 aus Rom, der um 23:33 Uhr auf dem Boden aufsetzte, endet die Ära der rot-weißen Airline an ihrem zuletzt wichtigsten Drehkreuz Düsseldorf. Hunderte Mitarbeiter und Schaulustige wollten diesen Moment auf der Flughafenterrasse miterleben. Es bildeten sich lange Schlangen vor dem Einlass. Als es endlich - der Airbus A320 hatte eine knappe Stunde Verspätung - so weit war, applaudierten die Menschen. Air-Berlin-Mitarbeiter lagen sich in den Armen, viele konnten ihre Tränen nicht zurückhalten. Auf dem Rollfeld warteten gelb-schwarze Fahrzeuge zum Einweisen und eine Wasserfontäne der Flughafenfeuerwehr.

Galgenhumor beim Warten

„Damit wollen wir die langjährige Partnerschaft würdigen“, sagte Flughafensprecher Thomas Kötter. Man wünsche der Belegschaft auf diese Weise alles Gute für die Zukunft. Air Berlin war mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent laut Flughafen die wichtigste Airline in Düsseldorf. Im vergangenen Jahr seien dort etwa 7,5 Millionen Passagiere befördert worden. Mit dem Wegfall von Air Berlin werde „erst einmal eine Lücke klaffen“, sagte der Sprecher. Der Airport sei jedoch „ziemlich gelassen und zuversichtlich“, diese Lücke bis Sommer 2018 schließen zu können.

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Überraschenderweise waren viele der Air-Berlin-Mitarbeiter am Freitagabend genauso gelassen, während sie auf die letzten Maschinen warteten. Vier Beschäftigte stießen an: „Auf die Zukunft. Auf Air Berlin!“ Es sei Galgenhumor, erklärte eine der Beteiligten, die wie auch die anderen ihren Namen nicht nennen wollte - und die einen goldenen Ohrring in Form eines Flugzeugs trug. Sie selbst habe sieben Jahre lang für Air Berlin am Boden gearbeitet und unter anderem Dienstpläne erstellt. Jetzt sei sie in ähnlicher Position zu Niki gewechselt, die von der Lufthansa übernommen werden soll. Damit habe sie „Schwein gehabt“.

Ungewisse Zukunft

„Heute überwiegt trotzdem die Traurigkeit“, sagte sie. „Vielleicht sehe ich einige Kollegen nicht mehr. Air Berlin war wie eine Familie.“ Dem stimmte auch der Pilot neben ihr zu, sichtlich gut gelaunt. Stolz zeigte er unter der Jacke seine Uniform mit den vier goldenen Streifen. „Mir wurde nicht gekündigt, ich habe noch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.“

Der letzte Flug von Air Berlin

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  • Eine Flugbegleiterin der Fluggesellschaft Air Berlin hält auf dem Flughafen Berlin-Tegel in der Kabine eines Airbus 320 nach der letzten Landung der Airline ein Schokoherz («Danke!!!») und ein Glas Sekt in der Hand.

    Foto: Gregor Fischer
  • Fluggäste verlassen auf dem Flughafen Berlin-Tegel die Kabine nach der letzten Landung der Airline.

    Foto: Gregor Fischer
  • Die Piloten David McCaleb (l-r), Roland Koch und der Co-Pilot Kai Dede von der Fluggesellschaft Air Berlin.

    Foto: Gregor Fischer
  • Das Ende ist ein kleiner Rausch. In Berlin-Tegel stehen um Mitternacht Mitarbeiter des Flughafens und von Air Berlin dicht gedrängt in leuchtend gelben Warnwesten auf dem Vorfeld.

    Foto: Gregor Fischer
  • Air Berlin Flug AB6210 von München nach Berlin ist der letzte in der Geschichte des Unternehmens, das mehr als 38 Jahre in der Luft war.

    Foto: Gregor Fischer
  • Nach der Insolvenz im August wird der Flugbetrieb mit der Landung am Freitag um 23.45 Uhr eingestellt.

    Foto: Gregor Fischer
  • „Kein Sturm hält sie auf, unsre Air Berlin“, schallt die Unternehmenshymne beim Abschiedsflug aus den Lautsprechern der Airbus A320.

    Foto: Gregor Fischer
  • Etwas Zugabe hat Flugkapitän David McCaleb zu bieten: Mehrere Schleifen über die Berliner Innenstadt, dank Sondergenehmigung in 1000 Metern Höhe.

    Foto: Gregor Fischer
  • Air Berlin war nach Lufthansa bisher die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Hochverschuldet musste sie Mitte August Insolvenz anmelden.

    Foto: Gregor Fischer
  • Stewardess Carola Fietz empfindet Wehmut und erinnert sich an „all die Jahre mit so vielen tollen, neugierigen, hochmotivieren und leidenschaftlichen Fliegerkollegen“.

    Foto: Gregor Fischer
  • Der letzte Flug von Air Berlin Foto: Gregor Fischer
  • Ein Fluggast wischt sich noch eine Träne aus dem Gesicht.

    Foto: Gregor Fischer
  • Air Berlin ist Geschichte. Die zweitgrößte Fluggesellschaft wickelt am Freitagabend die letzten Flüge ab. Viele Mitarbeiter sind noch im Unklaren, wie es mit ihnen weitergeht.

    Foto: Soeren Stache
  • Die Airline hatte sich vor ihrer letzten geplanten Landung von ihren Kunden verabschiedet. „Air Berlin bedankt sich an diesem traurigen Tag bei allen Mitarbeitern, Partnern und Passagieren, die uns über die vielen Jahre ihr Herz und ihre Treue geschenkt haben“, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

    Foto: Gregor Fischer
  • Die offiziell letzte Maschine der insolventen Fluggesellschaft, eine Airbus A320, landete am Freitagabend um 23.45 Uhr aus München kommend auf dem Flughafen Berlin-Tegel.

    Foto: Paul Zinken
  • Mitarbeiter der Gesellschaft rollen ein Transparent mit der Aufschrift «danke air berlin» zusammen.

    Foto: Soeren Stache
  • Hunderte Schaulustige sowie Medienvertreter warten in Berlin auf der Besucherterrasse des Flughafens Tegel auf die Landung der letzten Maschine von Air Berlin.

    Foto: Soeren Stache
  • Die Flughafen-Feuerwehr empfing die Maschine mit Wasserfontänen.

    Foto: Paul Zinken
  • Stellvertretend für seine Kollegen dankt Flugbegleiter Stefan Berg den Kunden, die auch in schwierigen Zeiten zu Air Berlin gestanden hätten: „Wir sagen nicht „Auf Wiedersehen“, wir sagen „Tschüss“.“

    Foto: Gregor Fischer

Keiner wisse jedoch, was die Zukunft bringe. „Wir hängen in der Luft.“ Über zehn Jahre sei er für Air Berlin geflogen. Am Freitag habe er regulär sein Oktober-Gehalt auf dem Konto gehabt, im November werde er bislang nicht eingesetzt. „Vielleicht wird das ein langer Weihnachtsurlaub.“ Dennoch seien sie beide auch erleichtert. „Die Hoffnung haben wir lange aufgegeben. Wir wussten, dass Tag X kommt.“

Letzte Maschine nach Berlin

Nicht nur in Düsseldorf, auch in Köln wurde Air Berlin verabschiedet: Gegen 21:30 startete die letzte Maschine in Richtung Berlin. Auch dieser Flug wurde von der Flughafenfeuerwehr mit Fontänen begleitet. Die anderen Flughäfen in Nordrhein-Westfalen hatte die ehemals zweitgrößte deutsche Airline schon länger nicht mehr angeflogen. In Paderborn startete einem Sprecher zufolge Ende März das letzte Mal eine Air-Berlin-Maschine, in Münster war es etwa ein Jahr her, und Dortmund stand seit März 2015 nicht mehr im Flugplan.

Der letzte in Nordrhein-Westfalen gelandete Flug von Air Berlin war „sehr emotional“, erzählten Passagiere. „Man hat gespürt, dass sie eine starke Gemeinschaft sind“, erzählte beispielsweise Ursula Schaus aus Ratingen. „Eine Flugbegleiterin hat sich mit unterdrückten Tränen verabschiedet“, ergänzte ihr Begleiter Hans-Joachim Adelhöfer. „Schoko-Herzen gab es zwar keine mehr, aber wir wünschen den Mitarbeitern von Herzen alles Gute.“

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