Prozesse
Prozess gegen Schleuser beginnt: Acht Tote im Mittelmeer

Immer wieder prangern Politiker das menschenverachtenden Geschäft der Schleuserbanden an. In Köln stehen jetzt zwei mutmaßliche Täter vor Gericht. Sie sollen für das Ertrinken von mindestens acht Flüchtlingen mitverantwortlich sein.

Montag, 07.11.2016, 03:40 Uhr

Das Gebäude des Land- und Amtsgerichtes Köln.
Das Gebäude des Land- und Amtsgerichtes Köln. Foto: Henning Kaiser

Köln (dpa) - Am Landgericht Köln beginnt heute ein Prozess gegen zwei mutmaßliche Schleuser , denen der Tod von mindestens acht Flüchtlingen auf dem Mittelmeer zur Last gelegt wird. Die Anklage lautet auf Einschleusen von Ausländern mit Todesfolge. Dieser Straftatbestand wird mit drei bis 15 Jahren Haft bestraft.

Die beiden Syrer sind 20 und 18 Jahre alt und damit Heranwachsende. Sie sollen Mitglieder einer kurdischen Schleuserbande gewesen sein. Sie kamen später selbst als Flüchtlinge nach Deutschland und wohnen jetzt in einer Kölner Flüchtlingsunterkunft. Sie seien derzeit auf freiem Fuß, sagte ein Gerichtssprecher.

Für 2500 Dollar pro Person organisierte die Schleuserbande laut Staatsanwaltschaft den Transport von irakischen Flüchtlingen von der Türkei nach Griechenland. Zugesagt war demnach eine Überfahrt auf einer Jacht, tatsächlich aber habe dann nur ein Schlauchboot zur Verfügung gestanden. Zudem hätten die Angeklagten den Flüchtlingen das Anlegen von Schwimmwesten verboten, um die Gefahr einer Entdeckung zu verringern. Weil das Schlauchboot überladen und auch nicht seetüchtig gewesen sei, sei es auf dem Meer kurz vor der griechischen Insel Kos gekentert. Dabei seien mindestens acht Flüchtlinge ertrunken. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage bis zum 6. Dezember angesetzt.

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