Magischer Liga-Sport aus der Welt des Harry Potter
"Viele finden es eher lustig als spannend"

Münster (dpa/lnw) - Immer mehr registrierte Mannschaften, internationale Turniere und nun erstmals ein regelmäßiger Liga-Betrieb: Spieler der von Harry-Potter-Geschichten inspirierten Sportart Quidditch wollen als ernsthafte Sportler wahrgenommen werden.

Montag, 07.11.2016, 08:08 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 06.11.2016, 09:42 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 07.11.2016, 08:08 Uhr
Eine Spielerin trainiert Quidditch.
Eine Spielerin trainiert Quidditch. Foto: Henning Kaiser

«Zwar haben wir da große Fortschritte gemacht, aber es ist immer noch so, dass die meisten Leute, wenn sie Quidditch hören, es eher lustig als spannend finden», sagte Nina Heise , Präsidentin des Deutschen Quidditchbundes. Handicap sei der Besenstiel, den die Spieler zwischen den Beinen tragen: «Da wird man schnell nicht ernst genommen», räumt die 24-jährige Heise ein.

Die Quidditch-Funktionärin und Spielerin ist überzeugt, dass das schnelle Vollkörperkontaktspiel mit Elementen aus Rugby, Handball und Völkerball das Zeug dazu hat, als Sport wie jeder andere wahrgenommen zu werden. Die Fantasy-Bezüge seien zwar da, für viele Spieler aber immer unwichtiger: Inzwischen machen bei uns viele mit, die eigentlich gar kein Interesse an Harry Potter haben.

Am Sonntag startete mit dem Auftakt der Regionalliga NRW erstmals in Deutschland ein regulärer Ligabetrieb. In insgesamt sechs Regionalligen bundesweit messen sich in der nach und nach beginnenden Saison mindestens 18 Quidditch-Teams.

 

So wird Quidditch gespielt

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  • Jede Mannschaft hat drei Ringe, die es zu beschützen gilt. Schafft man es den „Quaffel“, der beim Muggel-Quidditch ein leicht platter Volleyball ist, durch einen der gegnerischen Ringe zu werfen, erhält das Team 10 Punkte.

    Foto: Leah Quiring
  • Der fliegende Besen wird bei den Nicht-Magiern durch eine PVC-Stange ersetzt. Sie ist Teil des Spielers, der auch dann als abgeworfen gilt, wenn er von einem "Klatscher" (leicht platte Dodgebälle), an seinem „Besen“ getroffen wurde. Der „Besen“ muss immer zwischen den Beinen geführt werden. Steigt ein Spieler von seinem Sportgerät ab, signalisiert er, dass er derzeit nicht im Spiel ist. Dies ist bspw. der Fall, wenn er aufgrund einer Auswechslung das Spielfeld verlässt oder eine Strafrunde zu den eigenen Ringen laufen muss, nachdem er von einem „Klatscher“ getroffen wurde.

    Foto: Leah Quiring
  • Quidditch wird in Geschlechter gemischten Mannschaften gespielt. Auf dem Feld sind Frauen und Männer gleichberechtigt. In der neuen Sportart ist also jeder willkommen.

    Foto: Leah Quiring
  • Ein Team besteht aus sieben Feldspielern: Drei Jäger („Chaser“) versuchen durch geschicktes Pass-Spiel den Quaffel über das Feld und durch die gegnerischen Ringe zu steuern, um Punkte zu erzielen. Zwei Treiber („Beater“) bemühen sich darum, die Gegenspieler mit den insgesamt drei Dodgebällen („Klatscher“) abzuwerfen, sodass diese eine Strafrunde zu den eigenen Ringen laufen müssen. Ein Hüter verteidigt die eigenen Tor-Ringe. Schließlich ein Sucher, der in der 18. Spielminute, eine Minute nach dem Schnatz, ins Spielgeschehen eintritt. Wer den Schnatz fängt, beendet das Spiel und kassiert 30 Punkte für sein Team.

    Foto: Leah Quiring
  • Der Schnatz, der in der magischen Welt des Harry Potter mit seinen winzigen Flügeln blitzschnell vor den Suchern flüchtet, ist in der Muggel-Welt ein unparteiischer zusätzlicher Spieler im gelben Dress. An seinem Hosenbund ist eine Socke befestigt, in der sich ein Tennisball befindet. Um den Schnatz zu fangen, müssen die Sucher der Mannschaften diesen Tennisball entwenden. Um das Risiko zu umgehen, dass ein Spiel möglicherweise nach Sekunden zu Ende ist, kommt der Schnatz erst in der 17. Spielminute aufs Feld.

    Foto: Leah Quiring
  • Quidditch ist eine Vollkontaktsportart. Nach dem unter Quidditch-Spielern herrschenden Motto „Don’t be a dig“ ist fast alles erlaubt, solange dabei fair und sozial geblieben wird. Tabu-Zonen für ein Tackling sind Hals- und Kopfbereich sowie alles unterhalb der Knie. Eine körperliche Attacke des Gegenspielers darf zudem nicht von hinten initiiert, sondern muss in seinem Blickfeld eingeleitet werden. Um den Sport so familien- und zuschauerfreundlich wie möglich zu halten, wird schon versehentliches Fluchen vom Schiedsrichter geahndet.

    Foto: Leah Quiring
  • Durch geschicktes Passen soll der Quaffel, ein leicht platter Volleyball, durch einen der drei gegnerischen Ringe gelangen. Hierbei ist es gleich, von welcher Richtung geworfen wird.

    Foto: Leah Quiring
  • Fliegende Besen gibt es noch nicht. Dennoch ist der Fluggerät-Ersatz stets zwischen den Beinen zu halten.

    Foto: Leah Quiring
  • Beim Quidditch kann es durchaus sehr komplex zugehen. Eine Hand hält den Besen, die andere, möglichst der Wurf-Arm, bleibt frei, um den Spielball annehmen und weiterpassen zu können. Gleichzeitig muss sich der Spieler auch noch vor den „Klatschern“ in Acht nehmen. Wird er von einem solchen getroffen, muss er von seiner PVC-Stange absteigen, einmal zu den eigenen Ringen laufen und diese berühren, bevor er sich wieder aktiv am Spiel beteiligen darf.

    Foto: Leah Quiring
  • Die Bälle beim Muggel-Quidditch sind nur leicht aufgepumpt, sodass sie gut greifbar sind. Sie dürfen allerdings auch nicht zu platt sein - das etwa 240 Seiten lange Regelwerk gibt unter anderem zu der Luftmenge in den Bällen genaue Anweisungen.

    Foto: Leah Quiring
  • Das Quidditch-Team des Hochschulsport Münster, die „Münster Marauders“, starten in der NRW-Liga. Die Truppe besteht seit April 2016 und zählt rund 25 Mitglieder. Hinzu kommen die gut besetzten Anfängerkurse des Hsp, die auch in Zukunft mit steigendem Interesse rechnen.

    Foto: Leah Quiring

 

Münsters Quidditch-Spieler

Auch für Münster geht ein Besensport-Team an den Start. Dabei handelt es sich um die Mannschaft "Münster Marauders", in der sowohl Männer als auch Frauen spielen. Das erste Liga-Spiel fand am Sonntag am Horstmarer Landweg statt.

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