Wetter als natürlicher Feind des Eichenprozessionsspinners / Baubetriebshof rüstet sich
Hoffen auf Regen und Kälte

Ochtrup -

Versuche, dem Eichenprozessionsspinner und seinen Brennhaaren Herr zu werden, gibt es viele. Auch die Stadt Ochtrup und der Baubetriebshof haben einiges ausprobiert. Ringfallen brachten so gut wie nichts. Jetzt gehen die Verantwortlichen anders vor und setzen auf Aprilwetter im Mai.

Mittwoch, 05.05.2021, 05:49 Uhr
Um die Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen, nutzt die Stadt Ochtrup jetzt Kleber auf Zuckerbasis.
Um die Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen, nutzt die Stadt Ochtrup jetzt Kleber auf Zuckerbasis. Foto: Klaus Meyer

Geht es nach Franz Laurenz, sollte es noch ein bis drei Wochen kühl und nass sein. Dieser Wetterwunsch hat ganz praktische Gründe, erklärt der stellvertretende Baubetriebshofleiter: „Wenn es jetzt regnet, wird es in Sachen Eichenprozessionsspinner dieses Jahr ruhiger. Wenige Wochen mit Schauern helfen ungemein.“ Eine Regenzeit im Juni habe im vergangenen Jahr zu entsprechenden Resultaten geführt und für herunterfallende Nester gesorgt.

Anders sah es mit dem Versuch der Ringfallen aus. „Die haben so gut wie gar nichts gebracht“, gesteht Laurenz ein. Sie werden bald wieder abgebaut. Es sei jedoch ein Versuch wert gewesen. „Die Ringe waren eine neue Entwicklung, die wir umfangreich erprobt haben“, erklärt Bauamtsleiterin Karin Korten. Die Verwaltung habe auf eine bessere Wirkung gehofft.

In diesem Jahr hat sich der Baubetriebshof dazu entschlossen, die Nester zu verkleben. Dazu wird jetzt ein anderes Mittel benutzt, nämlich eines auf Zuckerbasis, das biologisch abbaubar ist. Die Nester und vor allem die Brennhaare der Raupen würden damit verklebt und stellen für Mensch und Tier keine Gefahr mehr dar. „Irgendwann fallen sie als ein Klumpen herunter“, erläutert Laurenz.

Erst nach dem dritten Häutungsstadium entwickeln die EPS-Raupen die Brennhaare. Bis dahin seien sie Futter für Meisen und Co. In späteren Stadien gelten beispielsweise der Kuckuck und der Pirol als Fressfeinde, deren Population jedoch dezimiert ist.

Keine Biozide

Die Stadt Ochtrup verzichte im Gegensatz zu anderen Kommunen oder Straßen.NRW bewusst auf Biozide, führt er weiter aus: „Dadurch werden nämlich auch andere Insekten abgetötet. Das hat zur Folge, dass Vögel weniger werden, da die Nahrungskette unterbrochen wird. Das ist nicht unsere Auffassung von Nachhaltigkeit.“ Betroffen wären ebenfalls Fledermäuse und andere Insektenfresser.

Um die Artenvielfalt zu erhalten solle nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden. Eine Behandlung mit Fadenwürmern oder Nematoden hätte dieselbe Wirkung und würde 260 bis 280 von rund 400 sich auf einer Eiche befindenden Raupenarten schaden.

Wenn es jetzt regnet, wird es in Sachen EPS dieses Jahr ruhiger.

Franz Laurenz

Die in den vergangenen Jahren vor allem durch private Aktionen vielfältig angebrachten Nisthilfen zeigten erste Erfolge, so Laurenz: „Es dauert aber einige Jahre, bis die Population groß genug ist, um die Raupen natürlich zu bekämpfen.“ Wichtig sei, die Nisthilfen so zu bauen, dass auch andere Vögel sie nutzen.

Mitarbeiter des Baubetriebshofes können die die Nester auch absaugen. Große „Baustellen“ werden zumeist aber an Fachfirmen vergeben. Der Baubetriebshof sauge etwa im Außenbereich in der Regel nicht ab. „Die wichtigen Stellen sind jene, wo reger Publikumsverkehr herrscht“, sagt Korten. Das sind zum Beispiel Bereiche um Kitas, Spielplätze, Bushaltestellen oder dicht befahrene Straßen. In privaten Gärten seien die Eigentümer selbst verantwortlich.

Schwer kalkulierbarer Durchschnittspreis

Das Absaugen wird nach Angaben von im Umkreis tätigen Unternehmen per Stundenlohn abgerechnet und kostet 140 bis 200 Euro. Pro Nest mache das im Durchschnitt zehn bis 60 Euro, was allerdings schwer zu pauschalisieren sei. Es liege daran, ob beispielsweise nur ein oder mehrere Bäume befallen sind oder auch, wie schwer das Nest erreichbar sei.

Bürgerinnen und Bürger können entdeckte EPS-Nester beim Baubetriebshof telefonisch unter 0 25 53/7 34 11 oder per E-Mail an eps@ochtrup.de melden.

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