Verhandlung wegen gefährlicher Körperverletzung
Angeklagte schweigen und werden freigesprochen

Ochtrup/Gronau -

Vor dem Jugendschöffengericht mussten sich jetzt drei Ochtruper verantworten. Ihnen wurde vorgeworfen, gefährliche Körperverletzungen begangen zu haben. Ganz blöd ist es für einen Zeugen gelaufen, der dem Geschädigten zu Hilfe geeilt war.

Dienstag, 04.05.2021, 16:24 Uhr
Um gefährliche Körperverletzung ging es am Montag in einer Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht Rheine.
Um gefährliche Körperverletzung ging es am Montag in einer Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht Rheine. Foto: pp

Gefährliche Körperverletzung an zwei Opfern, begangen von drei jungen Männern aus Ochtrup im Alter von 17 und 19 Jahren am 12. Oktober 2019 in der Nähe des Bahnhofs in Gronau, so lautete der Anklagevorwurf am Montag beim Jugendschöffengericht in Rheine. Die Angeklagten schwiegen. Später gestand einer der 19-Jährigen einen Schlag mit der flachen Hand.

Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, nachts um zwei Uhr einen 30-jährigen Radfahrer von seinem Fahrrad geholt, auf ihn eingeschlagen und ihn getreten zu haben. Als ihm ein Niederländer zur Hilfe eilte, bekam auch dieser einen Schlag ins Gesicht und erlitt einen Nasenbeinbruch.

Mangel an Beweise

Am Ende wurde nur der geständige 19-Jährige wegen Körperverletzung zu einem Anti-Aggressionstraining und 400 Euro Schmerzensgeld für den Fahrradfahrer verurteilt. Die beiden Mitangeklagten wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. „Das Urteil ist auch für das Gericht unbefriedigend“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung, weil es faktisch zwei nicht unerheblich Verletzte gab, das Gericht aber nur einem Angeklagten seinen Tatbeitrag nachweisen konnte. Die Zeugenaussagen seien bis auf die des verletzten Radlers zu widersprüchlich gewesen, verglichen mit ihren Angaben bei der Polizei.

Die Staatsanwältin sah indes die gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung als erwiesen an. Gegen den 17 Jahre alten und einen der 19-Jährigen hatte sie deshalb je einen Freizeitarrest, für jedes Opfer 400 Euro Schmerzensgeld sowie ein Anti-Aggressionstraining für alle drei beantragt.

Erinnerungslücken

Der Geschädigte verlor bei dem Schlag seine Brille, die zerbrach. Er erlitt zudem eine Platzwunde an der Lippe und einen Bluterguss am Bauch. Erinnern konnte er sich an einen Faustschlag in sein Gesicht und den Täter benennen, als er mit dem Fahrrad einen Engpass auf dem Bürgersteig passiert hätte. Wer ihm den zweiten Schlag verpasst hatte, wusste er nicht mehr. Auch an die Tritte auf dem Boden hatte er keine Erinnerung. „Das ist zu lange her“, erklärte er seine Gedächtnislücken. Seit dieser Attacke fahre er nachts nur noch mit einem Taxi nach Hause, sagte er.

Der 24-jährige Niederländer, der dem Opfer zu Hilfe geeilt war, erlitt durch einen Faustschlag einen Nasenbeinbruch. Er war mit seiner Freundin auf dem Fahrrad unterwegs, als sie die Attacke gegen den Radfahrer sahen. Beide gingen mutig dazwischen. Er bekam besagten Faustschlag, seine Freundin wurde weggeschubst, aber nicht verletzt. Seine Behandlung im Krankenhaus in Gronau und später in Enschede muss er mit 1000 Euro selbst bezahlen, wie er als Zeuge sagte. Weil seine Aussage vor Gericht im krassen Gegensatz zu seinen Angaben bei der Polizei stand, reichte es nicht für eine Verurteilung der Angeklagten und ein Schmerzensgeld für ihn.

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