Tennismatch der besonderen Art
Das Wunder von Nottuln bleibt aus

Nottuln -

Frank Müller ist ein Sportsmann durch und durch, er gibt nicht auf. 999 Mal hat er schon gegen seinen Freund Karsten Sälker im Tennis verloren. Beim 1000. Match sollte es jetzt endlich was werden. Aber...

Donnerstag, 24.10.2013, 23:00 Uhr

Eine unglaubliche Geschichte: Seit 21 Jahren spielen Frank Müller und Karsten Sälker gegeneinander Tennis. Und immer war Müller seinem Freund unterlegen. Aber aufgeben? Nein, der Nottulner ist ein Sportsmann durch und durch, er macht weiter. „Irgendwann schlage ich den Typen“, schmunzelt der Jugendwart des Baumberger Tennisvereins (BTV) Nottuln . Als kürzlich Match Nummer 1000 nahte, hatte Karsten Sälker eine Idee. Er schrieb eine Mail an „Stern TV“. „Du spinnst“, meinte Frank Müller, „das interessiert die nicht.“ Mit dieser Einschätzung aber lag Müller daneben. Und bekam stattdessen ein unvergessliches Erlebnis frei Haus: Nach 999 verlorenen Matches sollte das Jubiläumsspiel nicht nur gefilmt werden. Der 45-Jährige erhielt zusätzlich ein Sondertraining mit niemand Geringerem als Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki.

Das Fernsehteam überraschte den Nottulner mit dieser Aktion. „Die hatten mir zwar gesagt, dass ich ein Training bekomme, aber nicht, mit wem.“ Als Frank Müller die Halle betrat und den Tennisstar sah, war er erst einmal sprachlos. „Das ist schließlich eine Top-20-Spielerin.“ Und dann wurde geübt, mit Sabine Lisicki und ihrem Trainer, Vater Richard. „Sabine ist unglaublich sympathisch und hat überhaupt keine Starallüren“, war der Nottulner begeistert. „Von diesem Sondertraining wusste Karsten nichts“, erzählt Frank Müller, der knallhart für den ersten Sieg trainierte, während Sälker ganz entspannt blieb und zur Vorbereitung nur ein bisschen Golf spielte.

Zur Vorbereitung des „Duell des Jahres“ wurden nahezu 300 Einladungen verteilt, eine Tribüne im Sportpark Nottuln aufgebaut sowie für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt. Und dann ging es los: Bereits rund zwei Stunden vor Spielbeginn waren alle da, und die Fanlager der beiden Kontrahenten, die zum großen Teil aus BTV-Mitgliedern, auf der anderen Seite aus Nachbarn und Freunden bestanden, stimmten sich mit Musik und Fanchören ein. Unter Rockklängen und mit pyrotechnischer Begleitung zogen dann die zwei Tennishelden ein.

Beiden war zu Beginn die Nervosität anzumerken. Favorit Karsten Sälker holte sich schnell ein Break, aber unter dem Jubel der Zuschauer konnte Frank zum 1:2 verkürzen. BTV-Coach Nico Landsknecht hatte ihn gut auf den Gegner eingestellt. Dennoch fehlte Müllers Schlägen in der Folge trotz einiger schöner Punkte die Konstanz, sodass Sälker sich den ersten Satz mit 6:2 sicherte. Nach kurzer Pause ging es weiter – und jetzt war der 43-jährige Sälker richtig drin im Spiel. Seine Stärken, krachende Aufschläge und sichere Volleys, konnte er jetzt voll ausspielen. Nach knapp 90 Minuten Spielzeit verwandelte er dann seinen zweiten Matchball – der tausendste Sieg war perfekt.

Verraten durften die beiden Spieler allerdings noch nichts vom Ausgang ihres Matches, das hatten sie der Produktionsfirma schriftlich geben müssen. Schließlich sollte das Ergebnis nicht schon vorher öffentlich werden, die Spannung erhalten bleiben. Am Mittwoch nun war es so weit: Der Film wurde im Stern TV gezeigt. Müller und Sälker waren dazu als Gäste live ins Studio eingeladen. Redakteur Stefan Uhl hatte aus dem Material von drei vollen Filmtagen einen Beitrag von 9.20 Minuten zusammengestellt. „Toll“, wie nicht nur Frank Müller fand. Gezeigt wurde zunächst die heimliche Vorbereitung Müllers und dann – der erste Sieg Müllers bejubelt! Aber schließlich hieß es doch wahrheitsgetreu: „Scherz beiseite. Leider ist das Wunder von Nottuln ausgeblieben. Karsten Sälker hat wieder gewonnen.“

Auch Sabine Lisicki war im Studio. „Schade, dass Frank nicht gewonnen hat, aber in zwei Wochen konnte man sein Spiel nicht komplett umstellen.“ Dass er nicht aufgibt, lobte sie und sah sogar Parallelen. „Mein großer Traum ist es, einen Grand-Slam-Titel zu holen, und das werde ich auch immer wieder versuchen.“

Immerhin: Hoffnung macht das kleine Spielchen, das Frank Müller im Doppel mit Sabine Lisicki gegen Karsten Sälker und Moderator Steffen Hallaschka gewann. Abwechselnd mussten Tennisbälle in einer Torwand versenkt werden. 13:7 stand es am Ende. Zwei weitere echte Matches hat Karsten Sälker allerdings inzwischen schon wieder gewonnen. Doch Müller bleibt sich treu: „Ich werde nicht der ewige Verlierer bleiben.“

Irgendwann schlage ich den Typen. Ich werde nicht der ewige Verlierer bleiben.

Frank Müller
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