Superintendent Joachim Anicker hätte heute auch noch eine These, die er an eine Kirchentür nageln würde
„Mahlgemeinschaft oberster Wunsch“

Kreis Coesfeld. Heute vor 500 Jahren kam die Reformation ins Rollen. Unser Mitarbeiter Horst Andresen sprach mit Joachim Anicker (60), Superintendent des Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken, darüber, was dieser Tag uns heute noch zu sagen hat und wie er ihn begeht.

Montag, 30.10.2017, 18:13 Uhr

Superintendent Joachim Anicker hätte heute auch noch eine These, die er an eine Kirchentür nageln würde: „Mahlgemeinschaft oberster Wunsch“
Foto: az

Wie feiern Sie den Reformationstag?

Anicker: Da ich selbst an diesem Tag keinen Predigtdienst habe, freue ich mich über eine große Auswahl an interessanten Gottesdienstangeboten unserer Kirchengemeinden. Wir haben bewusst alle Aktivitäten auf der Ebene des Kirchenkreises vor dem 31. Oktober beendet, denn der Reformationstag soll den Gemeinden gehören. Sie gestalten ihn vor Ort in großer Vielfalt.

Wie steht es um die Ökumene?

Anicker: Die größte Freude in diesem Jahr war für mich, dass wir dieses Jubiläum in geschwisterlicher Gemeinschaft feiern konnten. Das gemeinsame Feiern der zentralen Mitte unseres Glaubens hat uns tatsächlich näher zusammengeführt. Nach dem festlichen ökumenischen Großgottesdienst Pfingstmontag auf dem Domplatz in Münster wurde der Aufruf „Gemeinsam Zukunft gestalten“ veröffentlicht. Das ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg der Konfessionen zueinander. Mehr verbindliche Zusammenarbeit wurde vereinbart.

Auf welchen Feldern?

Anicker: Das reicht von der gemeinsamen Nutzung von Räumen über den Religionsunterricht und die Mitgliedergewinnung bis zur Zusammenarbeit in der sozialen Verantwortung wie Diakonie, Caritas, Kindertageseinrichtungen, Jugendarbeit, Eine-Welt-Initiativen. Künftig ist begründungsbedürftig, warum man Dinge nicht gemeinsam tut. Dazu kommt: Wir können es uns auch schlicht nicht mehr leisten, jeder für sich allein zu planen und nebeneinanderher zu arbeiten. Ganz oben auf der ökumenischen Wunschliste steht als unerfüllter Wunsch, dass wir eines Tages endlich gemeinsam am Tisch des Herrn stehen und eins sind vor ihm.

Viele junge Leute können mit der Institution Kirche nicht mehr viel anfangen. Wie kann sie auch für diese Gruppe wieder attraktiver werden?

Anicker: Die Kirche ist nur durch Christen attraktiv. Es stimmt, dass junge Menschen Institutionen heute sehr distanziert gegenüberstehen. Doch Menschen, die glaubwürdig und authentisch leben und handeln, sind immer attraktiv. Die Ausstrahlung von Kirche wird nicht nur durch tolle Events erreicht – die gibt es erfreulicherweise auch, siehe Jugendkirchen, Luther-Oratorien mit 3000 Sängern, Kirchentage… Sondern die Kirche gewinnt Ausstrahlung durch Menschen. Wir Christen sind „die Kirche“. Wenn Freude am Glauben, Menschenliebe und Hoffnung von uns ausstrahlt, dann ist das attraktiv, auch für junge Leute. Aber das kann man nicht erzwingen, es muss echt sein und von innen kommen.

Welche These würden Sie heute an eine Kirchentür nageln?

Anicker: Die größte Freiheit ist nicht, tun und lassen zu können, was man will; sondern die größte Freiheit ist die Befreiung von der ängstlichen Sorge, zu kurz zu kommen. Das ist Evangelium!

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