Das Luther-Jahr schlägt sich sogar im katholisch geprägten Kreis Coesfeld literarisch nieder
Vier Regalmeter Reformation

Kreis Coesfeld. Martin Luther – er ist am Kloster Gerleve bei Billerbeck schon von weitem zu erkennen. Ein ganzes Schaufenster hat Bruder Liborius, Leiter der Buchhandlung, zum Jubiläum mit dem Begründer des Protestantismus gestaltet. Und auch drinnen: Vier Regalmeter Reformation lassen keine Wünsche von Interessierten an diesem Thema offen. Das Luther-Jahr hat sich offensichtlich literarisch auch im katholischen Kreis Coesfeld niedergeschlagen. Auch in Stadtbüchereien und privaten Buchläden war Luther durchaus gefragt in den vergangenen Monaten, wie eine kleine Umfrage unserer Zeitung ergab.

Montag, 30.10.2017, 18:12 Uhr

Das Luther-Jahr schlägt sich sogar im katholisch geprägten Kreis Coesfeld literarisch nieder: Vier Regalmeter Reformation
Die Mönche der Abtei Gerleve, hier: Bruder Jakobus, haben in ihrer Buchhandlung das Luther-Jubiläum zu einem Schwerpunkt-Thema gemacht. Vier Regalbretter sind voll mit allerlei Neuerscheinungen. Foto: Detlef Scherle

Sucht man in der Stadtbücherei Dülmen nach Luther-Biographien, dann müssen die Bibliothekare passen: „Alles ausgeliehen!“ Man könne zwar nicht von einem „Run“ sprechen – „aber das Interesse an dem Thema ist bei unseren Nutzern schon spürbar“, erklärt Leiterin Petra Toppmöller. So sei ein neues Luther-Buch schon viermal ausgeliehen worden: „Das ist für ein Sachbuch ganz gut.“ 2016 und 2017 sei viel zum Reformationsjubiläum erschienen und auch viel in den Bestand aufgenommen worden – allein 15 Bände mit Martin Luther im Titel. Auch Kinder seien dabei eine Zielgruppe. Im Buch „Geheimversteck Wartburg“ erfahren sie beispielsweise einiges über die Bibelübersetzung des Reformators.

Spielerisch dem Wittenberger Kirchenlehrer näher kommen, das können ganze Familien auch in „Luther – das Spiel“, das die Mönche in Gerleve im Schaufenster präsentieren. Über 40 Bücher über Reformations-Themen sind da sonst noch ausgestellt. Und drinnen sind es in einem extra damit bestückten Regal sogar vier Meter. „Vieles ist schon weg“, erklärt Liborius. „Das wird gut angenommen.“

Warum widmen sich ausgerechnet katholische Mönche der Reformation? „Die war ja auch bedeutend für die katholische Kirche“, stellt der Bruder klar – „sie war ja eine Reaktion auf die damaligen Missstände“. Noch vor einigen Jahrzehnten, räumt er ein, wäre ein so offener Umgang sicher nicht möglich gewesen. „Da hat sich einiges verändert.“ Liberal eingestellt ist man in Gerleve aber schon sehr lange. Auch Bücher mit strittigen theologischen Thesen, die nicht unbedingt der reinen katholischen Lehre entsprechen, werden studiert und zum Verkauf angeboten. „Wir sind hier sehr breit aufgestellt“, lächelt Liborius.

Auch die privaten Buchhandlungen im Kreisgebiet haben sich auf das Jubiläum eingestellt. „Luther ist schon das ganze Jahr ein Thema“, berichtet Ute Kreyenbrink von Heuermann in Coesfeld. Eine hohe Nachfrage gebe es aber nicht, ergänzt ihre Kollegin Sigrun Quiter – „dafür ist Coesfeld dann vielleicht doch zu katholisch“.

Für eine Evangelische Gemeinde-Bücherei sollte Luther-Literatur in diesem Jahr ja eigentlich Pflicht sein. „Wir haben keine neuen Bücher zu dem Thema mehr angeschafft“, berichtet Mitarbeiterin Christel Behmenburg von der Evangelischen Bücherei Seppenrade. Das habe aber nur den Grund, dass die Bücherei aus Kostengründen zum Jahresende aufgelöst werden soll. Das würde Luther, der sich immer für Volksbildung eingesetzt hat, wohl nicht schmecken, dass ausgerechnet seine Kirche daran spart. Da müsste er, um an gute Bücher zu kommen, dann doch wieder ins Kloster gehen...

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