Prof. van Suntum gewinnt Machtkampf bei Alfa / Mit 49 zu 44 Stimmen zum NRW-Spitzenkandidaten gewählt
„Es ist noch einmal gutgegangen“

Coesfeld (ds). Als am Samstagvormittag in der Bürgerhalle Coesfeld das Ergebnis der Abstimmung verkündet wird, atmet Prof. Dr. Ulrich van Suntum auf: „Es ist noch einmal gutgegangen.“ Der 62-Jährige Nordkirchener ist soeben mit einem sehr knappen Ergebnis von 49 zu 44 Stimmen zum Spitzenkandidaten der Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) für die Landtagswahl in NRW gewählt worden.

Montag, 31.10.2016, 18:03 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 31.10.2016, 18:01 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 31.10.2016, 18:03 Uhr
Prof. van Suntum gewinnt Machtkampf bei Alfa / Mit 49 zu 44 Stimmen zum NRW-Spitzenkandidaten gewählt : „Es ist noch einmal gutgegangen“
Foto: az

Vorausgegangen war eine turbulente Debatte, in dem der Alfa-Landesvorsitzende wegen seines „provinziellen Führungsstils“ für schlechte Umfragewerte mitverantwortlich gemacht wurde. Bekanntlich dümpelt Alfa unter „ferner liefen“, während die AfD, von der sich die Truppe des früheren Vorsitzenden Bernd Lucke als Protest gegen einen „Rechtsruck“ abgespalten hatte, einen Wahlerfolg nach dem anderen feiert. Vor allem Mitglieder aus dem Rheinland forderten, dass Alfa in der Flüchtlingsfrage einen schärferen Ton anschlagen müsse, um wahrgenommen zu werden. Van Suntum lehnte das ab. Alle stellvertretenden Vorsitzenden im Landesverband NRW traten zurück. Beim der Aufstellungsversammlung folgenden Landesparteitag wurden am Sonntag die frei gewordenen Plätze allesamt mit van Suntum nahestehenden Personen besetzt. Das Amt des Justiziars übernimmt der Ascheberger Rechtsanwalt Stefan Schmidt-Kohring. Sogar van Suntums eigene Frau Dorothe, früher Coesfelder Kreissprecherin der AfD, gehört jetzt dem Vorstand an. Und auch für alle vorderen Plätze auf der Liste sind „gemäßigte“ Vertreter nominiert worden.

„Ein fataler Kurswechsel unserer jungen Partei konnte so trotz einer halbjährigen beispiellosen Kampagne gegen den amtierenden Landesvorstand und mich letztlich erfolgreich verhindert werden“, freute sich van Suntum, der an der Uni Münster Volkswirtschaft lehrt, über die Ergebnisse. Gegenüber unserer Zeitung unterstrich er: „Wir bleiben eine konservativ-liberale Partei und damit die einzig seriöse Alternative zu der desaströsen Politik der Damen Merkel und Kraft, die wir nun schonungslos in den kommenden Wahlkämpfen angreifen werden.“

Proteste gegen die Alfa-Veranstaltungen in der Coesfelder Bürgerhalle gab es an diesem Wochenende – anders als Anfang des Monats, als 300 Menschen friedlich gegen eine AfD-Vortragsveranstaltung an gleicher Stelle demonstriert hatten – nicht. Lediglich in einigen Facebook-Gruppen wurde nochmals Kritik am Hallenbetreiber laut: „Bin ja mal gespannt, was als nächstes kommt. Bundesversammlung der ,Reichsbürger’? (...) Scheint sich ja rumgesprochen zu haben, wie ,rechts-offen’ die Bürgerhalle ist!“ schreibt eine Nutzerin. „Habe auch schon den Begriff ,Besorgte-Bürgerhalle’ gehört. Aber das ist das Problem, wenn man so argumentiert, dass allen Parteien der Zutritt gewährt wird, die nicht verboten sind. Dann muss man auch die NPD oder den 3. Weg nehmen. Das kann niemand wirklich wollen“, schreibt der Coesfelder Rainer Wermelt, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin die Demo gegen die AfD organisiert hatte. Von einigen Facebook-Nutzern wird die Haltung der Hallenbetreiber, hinter der die Coesfelder Karnevalsgesellschaft Die-La-Hei steht, aber auch verteidigt: „Man sollte Gesinnungen und Ideologien an den Pranger stellen... und nicht die, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen für Veranstaltungen, die nicht verboten sind.“

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