Mitgliederzahlen der Sportvereine in den Kommunen stagnieren oder sinken sogar
„Richtige Gewinner gibt es nicht“

Kreis Coesfeld. Viele hatten es geahnt, jetzt belegen es auch die Zahlen. Die Corona-Pandemie hat der positiven Mitgliederentwicklung der vergangenen Jahre in den Sportvereinen 2020 einen deutlichen Dämpfer verpasst. Fast alle Kommunen verzeichnen bei ihrem Organisationsgrad, also dem Verhältnis von Vereinsmitgliedern zur Einwohnerzahl, leichte Rückgänge. „Insgesamt sind wir im Kreis Coesfeld bislang noch ganz gut dadurch gekommen“, sagt Jens Wortmann von der Geschäftsführung des Kreissportbunds, der die Zahlen vorlegte. Wortmann will aber auch nicht schönreden, dass es Vereine und Sportarten gibt, die deutliche Verluste verzeichnet haben – zum Teil über 25 Prozent.

Samstag, 17.04.2021, 06:22 Uhr
Mitgliederzahlen der Sportvereine in den Kommunen stagnieren oder sinken sogar: „Richtige Gewinner gibt es nicht“
Foto: az

Mit Blick auf die einzelnen Kommunen sind die Mittelzentren – besonders Coesfeld – stärker vom Mitgliederschwund betroffen als kleinere Gemeinden. Rosendahl verteidigt nach wie vor die Spitze. Dort sind mehr als vier von zehn Einwohnern Mitglied in einem Sportverein – und diesem halten die Rosendahler auch in der Pandemie weitgehend die Treue. Als einzige Kommune hat Nottuln sogar mit 170 Neumitgliedern minimal zugelegt (+ 0,8 %) im Vergleich zum Vorjahr. „Das könnte daran liegen, dass Nottuln in den vergangenen Jahren viel in seine Sportstätten investiert hat“, mutmaßt Wortmann. Der auf den ersten Blick krasse Rückgang in Billerbeck sei hingegen einfach zu erklären. „Der Verein SW Beerlage-Holthausen hat seinen Sitz offiziell nach Holthausen verlegt – und zählt damit nun zur Statistik des Kreises Steinfurt“, erläutert Wortmann. Ansonsten seien die Zahlen in Billerbeck stabil. „Schwankungen von zwei bis drei Prozent sind auch grundsätzlich normal bei den Austritten“, sagt Wortmann. „Richtige Gewinner gibt es aber nicht.“

Das gilt auch für die einzelnen Sportarten – auch wenn Tennis mit rund 100 Neueinsteigern leicht zugelegt habe. Auf der anderen Seite gab es deutliche Einbrüche beim Behinderten- und Rehasport (- 600 Mitglieder) und noch mehr in der Leichtathletik, der rund 1100 Mitglieder den Rücken kehrten. Dies sei ein Trend, der auch auf Landesebene zu beobachten sei, für den es aber gleichwohl keine Erklärung gebe. „Zumal es ja ein Sport ist, der vor allem im Freien stattfindet“, zuckt Wortmann mit den Schultern. Denn grundsätzlich gelte: Sportarten, die unter freiem Himmel stattfinden, sind weniger betroffen als reine Indoor-Sportarten. Andererseits gelte aber auch: Individualsportarten – und hierzu zählt die Leichtathletik – verzeichnen höhere Mitgliederaustritte als Wettkampf- oder Mannschaftssportarten.

Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass die Vereine bei Männern nur einen Rückgang von 1,4 Prozent verzeichnen, von den Frauen aber 4,4 Prozent aus den Vereinen ausgetreten sind und die Frauenquote damit um einen Prozentpunkt sinkt. Ein möglicher Erklärungsansatz: „Männer sind oft eher wettkampforientiert im Mannschaftssport aktiv, Frauen dagegen eher fitnessorientiert in Individualsportarten“, sagt Jens Wortmann.

Das Ganze sei jedoch eine Momentaufnahme, die mit dem Stichtag 1. Januar 2021 gemacht wurde. „Die Pandemie und ihre Auswirkungen werden uns aber wohl auch weiter beschäftigen.“

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