Sorge vor dem finanziellen Aus
Prostituierten-Beratungsstelle Tamar hofft auf die Kreise

Kreis Coesfeld (vth). Große Sorge bei der Prostituierten-Beratungsstelle Tamar: Im April läuft eine dreijährige Projektförderung durch Aktion Mensch für die Beratungsstelle aus, die im Münsterland und damit auch im Kreis Coesfeld tätig ist. Jetzt hofft die Evangelische Frauenhilfe Westfalen als Trägerin mit Verbandspfarrerin Birgit Reiche auf die Kommunen. Ohne eine Förderung der Kreise müsste die Beratung eingestellt werden, heißt es in einem entsprechenden Antrag. Eine Entscheidung darüber stellte der Kreisausschuss zunächst zurück. 176 000 Euro braucht die Beratungsstelle für zwei Stellen. Auf den Kreis Coesfeld würden 24 000 Euro jährlich entfallen. Der Kreisausschuss einigte sich darauf, dass zunächst mit den anderen Kreisen im Münsterland die Finanzierung und auch das Finanzierungskonzept abgestimmt werden soll. Einige Reaktionen aus anderen Kreisen gibt es bereits – die zum Teil eher zurückhaltend ausfallen oder aber auch differenziertere Finanzierungen fordern.

Dienstag, 02.03.2021, 08:00 Uhr

Der Runde Tisch gegen Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Coesfeld unterstützt den Antrag der Beratungsstelle. Es sei „notwendig, dieses Hilfepaket aus behördlicher Unterstützung und aufsuchender Beratung aufrecht zu erhalten, um echte Hilfeleistungen anbieten zu können, die nicht nur ein Verwalten der Prostitution bedeutet“, heißt es in der Stellungnahme. Seitdem die Beratungsstelle die in der Prostitution tätigen Menschen im Kreis Coesfeld aufsuche, gebe es hier erstmals ein psychosoziales Angebot, das auf den Bedarf dieser Gruppe ausgerichtet sei.

Die Beratungsstelle existiert seit 2018; die Frauen können sich innerhalb ihres Arbeitsmilieus – in den Bordellen, Wohnungen oder Wohnwagen – beraten lassen. Laut Tamar hat in den letzten Jahren die Anzahl von Armuts-Migrantinnen in der Prostitution, die aus den neuen EU-Ländern Bulgarien und Rumänien stammen, signifikant zugenommen. In den 2,5 Jahren des Bestehens der Beratungsstelle habe die Anzahl der Einzelberatungen und psychosozialen Begleitungen von Prostituierten kontinuierlich zugenommen, so Pfarrerin Reiche in dem Antrag. Auch Ausstiegsberatung leisten die Experten von Tamar. Von den 59 begleiteten Frauen in 2019 befinden sich 26 im Prozess einer beruflichen Neuorientierung oder haben die Tätigkeit als Sexarbeiterin aufgegeben, so Reiche. Sie verweist darauf, dass viele Prostituierte den Weg in die Illegalität gewählt hätten. Diese Frauen seien auf den normalen Zugangswegen nicht mehr zu erreichen. Aber auch viele angemeldeten Prostituierten verfügten nicht über das nötige Wissen, etwa, um sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen.

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