Terminvergabe fürs Impfzentrum: Stockender Start
Kaum ein Durchkommen unter 116117

Kreis Coesfeld. Kurz nach 10 Uhr: Die Internetseite 116117.de der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) rattert und rattert minutenlang. Und dann: „Zurzeit sind alle Termine ausgebucht“. Auch telefonisch ist kein Durchkommen. So geht es zahlreiche Senioren ab 80 oder ihren Angehörigen, die gestern zunächst keinen Erfolg haben, um mit der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung einen Termin fürs Impfzentrum zu vereinbaren. Die KV bittet um Geduld. „Extrem hohe Zugriffszahlen auf die Webseiten“ und ein „hohes Anruferaufkommen bei der Hotline“ führten zu erheblichen Verzögerungen bei der Terminbuchung.

Dienstag, 26.01.2021, 03:00 Uhr
Terminvergabe fürs Impfzentrum: Stockender Start: Kaum ein Durchkommen unter 116117
Die Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung am Vormittag: Ein Durchkommen war kaum möglich. Auch die Telefonleitungen waren überlastet. Foto: az

Leser berichten, dass sie stundenlang versuchten, einen Termin zu bekommen. „Es war schon sehr abenteuerlich - und für die Zielgruppe absolut nicht geeignet“, schreibt eine Leserin auf der Facebookseite unserer Zeitung. „Katastrophal. Versuche es im Minutentakt“, so die Erfahrung einer weiteren Leserin. Erst am Nachmittag häuften sich Erfolgsmeldungen.

Gerade für ältere Menschen sei es ein Problem, wenn die Technik nicht läuft, sagt Hildegard Kuhlmann, Vorsitzende der Senioren Union Kreis Coesfeld. „Sie fühlen sich verunsichert und fragen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben.“ Sie rät den Senioren, gelassen zu bleiben. „Wer nicht unbedingt sofort einen Termin benötigt, sollte ein, zwei Tage warten.“ Denn einen Termin bekomme ja jeder, der geimpft werden will.

Den Ratschlag hat auch Anne Thier vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) beherzigt, die sich als rechtliche Betreuerin um eine Reihe von Senioren kümmert. „Ich klemm mich da morgen dran. Dass es zu einer Überlastung kommen wird, war klar.“

CDU-Bundestagsabgeordneter Marc Henrichmann wertet trotz des stockenden Starts den Beginn der Terminvergabe positiv. „Darauf haben viele ältere Menschen gewartet. Das erklärt auch den enormen Andrang auf die Online-Vergabe“, sagt Henrichmann. Selbst wenn es aktuell hake, gehe er davon aus, dass die Kassenärztliche Vereinigung rasch für die Erreichbarkeit sorge, so der CDU-Abgeordnete aus Havixbeck. Das permanente Schlechtreden bringe uns nicht aus der Pandemie. „Natürlich wünschen sich viele, dass es noch schneller geht. Deshalb ist es wichtig, dass Bundesregierung und EU-Kommission den Herstellern genau auf die Finger schauen, wohin sie Impfstoffe liefern.“ Dass die EU rechtliche Konsequenzen erwägt, begrüßt Henrichmann – „bei allem Verständnis für Produktionsausfälle“.

Die Lieferengpässe führten auch dazu, dass es in den Impfzentren in NRW – und damit auch in Dülmen – eine Woche später als geplant mit den Impfungen von Senioren ab 80 losgeht. Und anfangs nur nachmittags geimpft werden soll. 860 Impfdosen pro Woche in den nächsten zwei Monaten soll es geben – sieben Prozent weniger als zuvor vorgesehen. Rechnerisch wären damit 6880 Personen nach zwei Monaten geimpft  - etwa 14 000 Senioren ab 80 sind im Kreis impfberechtigt. Den Lieferengpass bedauert die Kreisverwaltung und bittet um Verständnis bei den Betroffenen für die Verzögerung bei der Impfung.

Dr. Stephan Barrmeyer, pharmazeutischer Leiter des Impfzentrums Dülmen, geht davon aus, dass nur die Anfangsphase zögerlich verläuft. „Wenn in den Werken in Halle und Marburg im Februar die Produktion der Biontech-Impfstoffe beginnt, werden die Kapazitäten zügig erhöht werden können“, prognostiziert der Experte. Und damit mehr Impftermine möglich. Sorgen bereite ihm, dass „wir aktuell etwas hinter dem Virus herlaufen“. Umso so schneller geimpft werden kann, umso schwieriger werde es für das Virus, mit Mutationen erfolgreich zu sein.

SPD-Landtagsabgeordnete André Stinka bezeichnete die Situation als „Impfchaos“. Die SPD beantragte eine Aktuelle Stunde im Landtag zu dem Thema, die nun am Mittwoch stattfinden soll. „Minister Laumann muss Stellung beziehen“, fordert Stinka. Denn noch letzteWoche Montag habe der NRW- Minister verkündet, dass es in den Kliniken mit dem Impfen des Hochrisikopersonals losgehen soll. Dann hieß es plötzlich, dass es zu Lieferengpässen komme. Das hätte Laumann eher wissen müssen. „Jetzt herrscht eine enorme Verunsicherung und dafür hat der Minister gesorgt“, meint der Dülmener. Auch die Terminvergabe hätte anders geplant werden können, so Stinka. Die Kassenärztliche Vereinigung habe frühzeitig Vorschläge gemacht, um die Situation zu entzerren, diese seien aber im Ministerium nicht beachtet worden.

Dabei sei vor Ort alles sehr gut vorbereitet. „Der Kreis Coesfeld hat das Impfzentrum optimal eingerichtet“, lobt der Dülmener.

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