Fiese Trickbetrügereien an Senioren stark gestiegen
Neuste Maschen drehen sich um Corona

Kreis Coesfeld. Der Rückflug steht an, das Ticket ist verloren. Kein Geld – „Oma, bist du‘s? Kannst du schnell helfen?“ Mit Tricks wie diesen sind Betrüger immer wieder erfolgreich. Der Enkel verletzt, in Not, pleite, schwer krank, Oma oder Opa die letzte Hoffnung. Sie setzen ihre Opfer so unter Druck, bis sie von ihrem Konto Geld abheben, das an einem vereinbarten Ort überreicht wird. Nur: Der Enkel ist nie echt und das Geld ist weg. So wie in Dülmen ein Senior mit dem Enkeltrick über 40 000 Euro verlor – der Fall landete bei Aktenzeichen XY (wir berichteten).

Dienstag, 19.01.2021, 08:00 Uhr
Fiese Trickbetrügereien an Senioren stark gestiegen: Neuste Maschen drehen sich um Corona
„Opa, bist du es?“ Beim Enkeltrick ist das oft die erste Frage der Betrüger. Neuerdings gaukelt der falsche Angehörige dem Opfer auch vor, an Covid-19 erkrankt zu sein und ein teures Medikament zu benötigen. Foto: www.polizei-beratung.de

Die Versuche, mit fiesen Maschen insbesondere Senioren zu betrügen, sind „keine Einzelfälle“, weiß Britta Venker, Pressesprecherin der Kreispolizei Coesfeld. Die Fälle, hinter denen organisierte Banden stecken, die von auswärts agieren, sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Waren es laut Kreispolizei 2015 noch 96 Fälle, stiegen sie 2017 auf 271, 2018 auf 579 und 2019 auf 758 an.

Überwiegend sind die Täter nicht erfolgreich, aber doch schlagen sie immer wieder zu, weil sie die Opfer massiv unter Druck setzen. Oder vertrauenswürdig daher kommen. Im Kreis Coesfeld sind mehrere Tricks bekannt geworden, mit denen die Täter versuchten, Senioren hereinzulegen, darunter:

0 Corona: Ganz neu in der Trickkiste der Betrüger sind Maschen, die mit der Coronasituation zu tun haben. Eine Variante des Enkeltricks: Ein angeblicher Angehöriger ruft an und gibt vor, an Covid-19 erkrankt zu sein. Nur ein Medikament könne ihn noch retten, das aber sehr teuer sei. „Boten“ holen das Geld persönlich ab. Impfen: Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe teilte mit, dass wegen der Terminvergabe fürs Impfzentrum einige Fälle bekannt geworden seien, in denen Betrüger anriefen. Sie weist darauf hin, dass man für die Terminvereinbarung selber anrufen muss. Die Kassenärztliche Vereinigung rufe deswegen nicht an.

0 Polizeibeamte: Die Betrüger sagen, sie seien Polizist oder eine andere Amtsperson, und gaukeln vor, dass Geld und Wertsachen bei der Bank nicht mehr sicher seien und an einen anderen Ort hinterlegt werden müssten.

0 Bankmitarbeiter: Ein angeblicher Sparkassen- oder Bank-Mitarbeiter ruft an und bittet um Überprüfung der Kontodaten. Ziel ist es, Kontodaten und Passwörter auszuspionieren, um das Konto zu plündern.

0 Microsoft-Mitarbeiter: Die Betrüger geben vor, das Computersystem überprüfen zu wollen. In Wirklichkeit sind sie auf Passwörter und weitere sensible Daten aus.

0 Tricks, um in die Wohnung zu kommen: Die Betrüger geben sich als Mitarbeiter der Stadtwerke, der EWG oder Wasserwerke aus und sagen, dass sie Strom oder Wasser ablesen wollen. Ihr Ziel ist es, die Wohnung auszukundschaften, um Wertsachen und Geld zu stehlen. „Beliebt ist auch der Trick, dass zum Beispiel ein Zettel benötigt wird, um angeblich etwas aufzuschreiben“, berichtet Polizei-Pressesprecherin Britta Venker. Während das Opfer etwas zu schreiben in der Wohnung sucht, huscht unbemerkt eine zweite Person herein, die sich in der Wohnung umsieht.

Gegenstände abholen: Dabei durchforsten die Betrüger zunächst Kleinanzeigen, etwa bei Ebay, und geben sich als Käufer aus. Sie sagen, dass sie den Gegenstand abholen – wollen aber nur ins Haus gelangen. Spendensammler: Sie klingeln an der Haustür, angeblich, um Spenden zu sammeln. Ihr eigentliches Ziel ist es ebenfalls, in die Wohnung zu kommen.

„Generell sollte man keinen Fremden ins Haus lassen“, rät Venker zu einem „gesunden Misstrauen“. Vorsicht sei die Mutter der Porzellankiste. Im Zweifel sollte man selber bei den offiziellen Stellen anrufen, um zu erfahren, ob tatsächlich Mitarbeiter von ihnen unterwegs sind. „Kontodaten, Passwörter und andere sensible Daten sollte man nie nennen“, so Venker. Ein echter Bankmitarbeiter frage danach am Telefon nicht. Sollte es doch passiert sein oder kommt der Anruf verdächtig vor, die Polizei unter Tel. 110 informieren.

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