Pictorius-Schüler erhalten ihre „Europässe Mobilität“ – trotz abgebrochener Auslandspraktika
Kurzes Gastspiel befeuert Fernweh

Kreis Coesfeld. Es war ein mutiger Schritt, den sie trotz ihres jungen Alters alle bereit waren, zu gehen. Das erste Mal mehrere Wochen von zu Hause fort. In einem anderen Land arbeiten. Eine andere Kultur kennenlernen und dabei natürlich die Sprachkenntnisse verbessern. Doch als die erste Coronawelle im März mit voller Wucht zuschlug, mussten die sechs Schüler des Pictorius-Berufskollegs schon nach wenigen Tagen ihre Auslandspraktika in Frankreich und den Niederlanden abbrechen. Also außer Spesen nichts gewesen? Mitnichten! „Der kurze Aufenthalt im europäischen Ausland war dennoch für alle Beteiligten eine wertvolle Erfahrung, die möglicherweise zu einem anderen Zeitpunkt und unter besseren Rahmenbedingungen wiederholt wird“, sagt Niederländisch-Lehrerin Melanie Nowak. Nun haben die Schüler ihren „Europass Mobilität“ erhalten, in dem die Lernerfahrungen ihres Auslandsaufenthaltes dokumentiert sind.

Mittwoch, 02.12.2020, 06:51 Uhr
Pictorius-Schüler erhalten ihre „Europässe Mobilität“ – trotz abgebrochener Auslandspraktika: Kurzes Gastspiel befeuert Fernweh
Auch wenn die Pictorius-Schüler ihre Auslandspraktika nach kurzer Zeit abbrechen mussten, sind sie doch um Erfahrungen reicher geworden – dafür erhielten sie nun von den Lehrkräften ihre Europässe. Foto: az

Als Maurice-Pascale Polik, Ron Severt, Jelto Böhmer, Simon Uhlenbrock, Leonardo Chan Leineweber und Carina Elberfeld Anfang März zu ihren Praktikumsbetrieben in Amsterdam, Zwolle und Paris aufbrachen, war die Lage zunächst noch entspannt. Dies änderte sich schon am 13. März. Um dieses Datum herum verhängten immer mehr Länder weltweit den Notstand. „Gegen Abend habe ich eine E-Mail von meinem Chef bekommen, dass ich nicht mehr zur Arbeit kommen kann und nach Deutschland zurückmuss“, schrieb Simon damals auf Anfrage unserer Zeitung. Der junge Mann merkte schnell, dass in Paris die sonst so volle Metro immer leerer wurde. Carina, die ein Webdesign-Praktikum in Amsterdam absolvieren wollte, wurde mit jeder weiteren Grenze, die sich in Europa schloss, nervöser. „Ich fragte mich, ob ich überhaupt noch nach Hause kann.“ Für Leonardo war der schnelle Wechsel ins Homeoffice während seines Praktikums in Amsterdam bereits ein „Wendepunkt“. Auch wenn er bereits am 17. März den Beschluss fasste, das Praktikum zu beenden, habe er doch ein paar Erfahrungen gesammelt: ein besseres Gefühl fürs Zeitmanagement zu entwickeln und dass ihm Homeoffice so gar nicht behagt, berichtete der junge Lüdinghauser. Immerhin gestaltete sich für alle die Rückreise ohne größere Komplikationen.

Die Schüler wünschen ihren Nachfolgern im nächsten Jahr mehr Glück. „Ich hoffe, dass wir an unserer Schule wieder die Kontakte in die Niederlande auf- und weiter ausbauen können“, sagt Carina. „Und dass die zukünftigen Jahrgänge sich durch die unruhigen Zeiten nicht abschrecken lassen und ebenfalls die einmalige Chance wahrnehmen und ein Praktikum im Ausland absolvieren“, ergänzt Leonardo.

Ihre Wertschätzung für den Zusammenhalt innerhalb der EU hat die Erfahrung des kurzen Gastspiels im Ausland aber dennoch gestärkt, wie die Schüler berichten. „Für mich bedeutet Europa Kulturvielfalt und grenzenlose Freiheit“, betont Ron. Dem fügt Pascale hinzu: „Grenzenloses Reisen und gemeinsame politische Ziele.“ Und wo’s hingehen soll, wenn grenzenloses Reisen wieder gefahrlos möglich ist, wissen die Schüler auch schon: Ron: „Sommerurlaub in Italien.“ „Südspanien, Andalusien“, sagt Pascale. Carina will nach Rhodos und Leonardo plant einen Familienurlaub in Brasilien, um die eigene Verwandtschaft zu besuchen. Die Sehnsucht nach kulturellem Austausch und Reisen hat das kurze Gastspiel in jedem Fall befeuert.

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