Oswald-Schüler setzen sich in Workshop mit Krisenregionen der EU auseinander
Die Zukunft Europas im Fokus

Kreis Coesfeld. Severozapaden. Etwas ratlos blicken Robin, Bekim, Alanis und Kaan auf das Schild, das ihnen Lisa Janßen gerade auf den Tisch gestellt hat. Noch nie gehört. Nach einem Blick auf die Faktenblätter mit den Arbeitslosenzahlen, einer sinkenden Kaufkraft und hoher Armut wird klar: „Wir haben die Krisenregion von Bulgarien erwischt“, meint Robin. Nun heißt es, ein Projekt für Severozapaden zu entwickeln, das einer Förderung durch die EU würdig wäre. Über Konzepte für diese und weitere Krisenregionen in der EU haben sich die Schüler des Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskollegs in Coesfeld am Dienstagmorgen in Kleingruppen Gedanken gemacht. Dabei geht um nicht weniger als die Zukunft Europas.

Mittwoch, 25.11.2020, 07:42 Uhr
Oswald-Schüler setzen sich in Workshop mit Krisenregionen der EU auseinander: Die Zukunft Europas im Fokus
Mit der Region Severozapaden in Bulgarien haben sich die Oswald-Schüler (v.l.) Robin und Bekim sowie (v.r.) Alanis und Kaan auseinandergesetzt. Projektleiterin Lisa Janßen (Mitte) gibt ihnen einige Hintergrundinfos. Fotos: Florian Schütte Foto: az

„Ziel ist es, dass die Schüler, die Kohäsionspolitik der EU kennenlernen und sich explizit mit ländlichen Regionen auseinandersetzen“, erläutert Lisa Janßen von Eurosoc#Digital, die das eintägige Projekt „Zukunftswerkstatt CohesionLab#EU“ leitet. Dabei wird die Kohäsionspolitik der EU nachgespielt. Will heißen: „Die Schüler setzen sich mit den Problemen einer wirtschaftlich schwächeren Region in Europa auseinander und entwickeln eine Projektidee“, erklärt Janßen. „Am Ende stimmen alle ab, ob diese Idee von der EU gefördert wird.“

Doch zunächst dürfen die Schüler mit dem SPD-Landtagsabgeordneten André Stinka über die aktuelle Lage der EU in der Corona-Krise diskutieren. In Zeiten, in denen immer mehr Länder dichtmachen und Risikogebiete ausweisen, sorgen sich die jungen Leute vor allem um die Reisefreiheit. Als Schüler einer Europaschule nicht verwunderlich. So ist das Schuljahr 2020/2021 von vielen Konjunktiven geprägt. „Die Franzosen wären zu Besuch gekommen, wir wären im Frühjahr zum Gegenbesuch losgefahren und jetzt wäre gerade eine Klasse in Broadstairs gewesen“, listet Schulleiter Marc-André Tews einige abgesagte Austausche auf. Und auch Stinka hofft, dass die Schüler in naher Zukunft wieder frei und mit gutem Gefühl reisen können, denn: „Durch gegenseitiges Kennenlernen werden Sprachkenntnisse gefestigt und Vorurteile abgebaut. Das ist ganz entscheidend in Zeiten, in denen die EU von Nationalisten schlechtgeredet wird.“

Doch auch Fragen zu den Themen Landwirtschaft, zum Green Deal und der Flüchtlingspolitik brennen den Schülern unter den Nägeln. Und nicht zuletzt wollen sie auch wissen, wie es mit dem Brexit weitergeht. „Ich glaube, dass die Engländer so vernünftig sein werden, zügig Verträge abzuschließen, damit ein Austausch stattfindet“, ist Stinka zuversichtlich. Doch da offenbart sich wieder die Sorge der Schüler um lange gepflegte Partnerschaften mit Schulen in Großbritannien.

Nach der Diskussion geht es nun an die Arbeit. Alanis hat bereits eine Mind Map aufgezeichnet. In drei Phasen sollen die Schüler vorgehen. Zunächst erfolgt ein kritischer Blick auf den Ist-Zustand der Region, dann sollen sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen und Ideen entwickeln, die in der dritten Phase dann wieder in die Realität zurückgeholt werden sollen.

Am Ende haben Robin, Bekim, Alanis und Kaan ihren Mitschülern ihre Idee vom höchsten Gebäude der Welt vorgestellt, das mit einer Shopping Mall nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern auch den Tourismus in der Region ankurbeln soll. Bei der ansonsten durchaus kritischen Jury kam diese Idee sehr gut an und die Förderung wurde mit 13 von 19 Stimmen klar bewilligt.

„Wir sind froh, dass wir als Schule diese Veranstaltung noch durchführen können“, sagt Marc-André Tews. „Wir hoffen, dass wir im kommenden Schuljahr unsere Schüler wieder ohne Sorgen in ein Auslandsjahr schicken können“, so der Schulleiter mit Blick auf die baldige Zulassung eines Impfstoffs. Dann könnte auch für viele das Auslandsjahr nach dem Abschluss gerettet sein.

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