Jakobskreuzkraut breitet sich auch im Kreis Coesfeld immer weiter aus
Giftige gelbe Gefahr auf dem Vormarsch

Kreis Coesfeld. Goldgelb blüht es am Wegesrand – bevorzugt auf sandigen Böden wie westlich der Bundesstraße 474. Doch das Jakobskreuzkraut ist alles andere als eine harmlose Wildblume und entwickelt sich auch im Kreis Coesfeld mehr und mehr zur Plage.

Dienstag, 11.08.2020, 06:00 Uhr
Jakobskreuzkraut breitet sich auch im Kreis Coesfeld immer weiter aus: Giftige gelbe Gefahr auf dem Vormarsch
Foto: az

„Es ist eine heimische Pflanze, die von Insekten gerne angenommen wird, aber dem Weidevieh in Einzelfällen Probleme bereiten kann“, beleuchtet Thomas Zimmermann die zwei Seiten der Medaille. „In frischem Zustand meiden die Tiere es, aber gemäht können sie nicht mehr selektieren“, erklärt der Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Kreis Coesfeld. Er empfiehlt: „Ausstechen und direkt in der Restmülltonne entsorgen.“ Das gehe natürlich nur bei einem kleineren Bestand. Und doch gehe das Naturschutzzentrum zurzeit genauso vor, um die Ausbreitung der giftigen gelben Gefahr in den Naturschutzgebieten zu verhindern und gleichzeitig „die chemische Keule“ zu vermeiden.

„Wichtig ist, dass man es nicht liegen lässt, denn dann wehen die Samen schon am nächsten Tag weg wie Löwenzahn“, gibt Zimmermann zu bedenken. Am besten lasse man die Pflanze gar nicht erst zur Blüte kommen.

Im Gegensatz zur Ambrosia oder der Herkulesstaude, die bei Berührung direkt allergische Reaktionen auslösen können, wirkt das Gift des Jakobskreuzkrauts beim Verzehr von innen und kann zu chronischen Schäden von Leber und Nieren führen. Allerdings: „Mir ist noch kein Fall bekannt, bei dem es einen eindeutigen Nachweis gab, dass ein Rind, ein Pferd oder ein Schaf daran verendet ist“, verweist Zimmermann auf Studien der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die seit Jahren das Thema erforsche. Selbst als 2016 fast die gesamte Heidschnuckenherde in Coesfeld-Lette eingegangen war und schnell das Jakobskreuzkraut unter Verdacht stand, konnte kein eindeutiger Nachweis erbracht werden.

Dies sei auch schwierig, wie Dr. Willfried Hasert vom Kreisveterinäramt erläutert. „Zum einen besteht keine Meldepflicht und zum anderen handelt es sich um eine aufwendige Untersuchung der Kadaver, auf die man meistens verzichtet“, führt Hasert weiter aus. Besonders empfindlich auf die Pflanze reagierten Pferde und Rinder, sagt Hasert. Doch auch im sei zurzeit kein amtlicher Fall bekannt, indem ein Tier nach dem Verzehr von Jakobskreuzkraut verendet ist. Er rät vor allem zu einer sorgfältigen Weidehygiene. „Das Jakobskreuzkraut verbreitet sich immer weiter, daher sollten die Weiden regelmäßig abgeschritten und die Pflanzen entfernt werden“, meint Hasert. „Notfalls sollten die Tiere auf eine andere Weide getrieben werden“, lautet Haserts Tipp, falls die Giftpflanze auf einer Weide überhand nimmt.

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