Projektstart für die Machbarkeitsstudie zur Power-to-Gas-Anlage
Rückenwind für grünen Wasserstoff

Kreis Coesfeld. Die Sonne brennt mit über 30 Grad auf die glänzenden Flächen der Photovoltaikmodule auf dem Bürogebäude neben der Biogasanlage herunter. „An solchen Tagen wird in ganz Deutschland mehr Strom produziert, als alle verbrauchen könnten“, sagt Christoph Dammermann, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium des Landes NRW. Die Folge: Der Strom wird teilweise zu Negativpreisen ins Ausland verkauft. Die Lösung des Problems könnte sich bald auf dem Gelände der Deponie des Kreises Coesfeld in Höven manifestieren. Dort hat Dammermann am Freitagnachmittag den Zuwendungsbescheid in Höhe von rund 30 000 Euro für die Machbarkeitsstudie zu einer Power-to-Gas-Anlage an Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr überreicht.

Samstag, 08.08.2020, 11:20 Uhr
Projektstart für die Machbarkeitsstudie zur Power-to-Gas-Anlage: Rückenwind für grünen Wasserstoff
Auf diesen Tag hatte sich Stefan Bölte (l.), Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Kreis Coesfeld, schon lange gefreut. Am Freitagnachmittag hat Staatssekretär Christoph Dammermann (r.) den Zuwendungsbescheid für die Machbarkeitsstudie zur Power-to-Gas-Anlage an Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr vor der Biogasanlage in Coesfeld-Höven überreicht. Foto: Florian Schütte

Die Idee hinter der Power-to-Gas-Anlage ist einfach. Um eine Abregelung der Windkraftanlagen und Energieverluste zu vermeiden, wird der überschüssige Strom aus regenerativen Energien mittels Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt. Dieser soll neben dem Biogas ins Erdgasnetz eingespeist und dort langfristig gespeichert werden. Außerdem wäre er künftig nutzbar für den Betrieb von Wasserstoff-Bussen oder -Lkw. „Überall, wo lange Strecken gefahren oder große Lasten transportiert werden müssen, ist die Wasserstoff-Technologie gegenüber den Lithium-Batterien in Elektrofahrzeugen im Vorteil“, erklärt Dammermann. Letztere Technik punkte hingegen mit ihrer „unerreichten Effizienz“.

Zudem ist es möglich, mithilfe des hohen CO2-Gehalts aus der Biogasanlage zusammen mit dem Wasserstoff mittels Methanisierung grünes Erdgas zu erzeugen. Damit können dann wiederum Autos und Heizungsanlagen betrieben werden. Gleichzeitig wird der Ausstoß von CO2 minimiert.

Stefan Bölte erhofft sich von dem Projekt „einen Sprung nach vorne“. „Die Infrastruktur hier vor Ort und das Potenzial sind vorhanden“, sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Kreis Coesfeld. Ziel sei, aus zwei Kilowattstunden Überschussstrom eine Kilowattstunde dauerhaft speicherbares Gas zu erzeugen.

Als Projektpartner für die Machbarkeitsstudie stehen der Gesellschaft des Kreises Coesfeld zur Förderung regenerativer Energien (GFC) die microbEnergy, bmp greengas als größter deutscher Händler für „grünes Gas“ und das Ingenieurbüro Berg & Partner aus Aachen zur Seite. Am Ende soll bereits ein komplettes Konzept der Anlage stehen. Bereits Ende des Jahres soll die Grundlagenermittlung abgeschlossen sein. Sollte die Studie die Machbarkeit bescheinigen, könnte die Power-to-Gas-Anlage innerhalb von fünf Jahre realisiert werden, schätzt Dammermann.

(Grüner) Wasserstoff, da ist sich Schulze Pellengahr sicher, wird „ein wichtiger Energieträger der Zukunft“ sein. „Wir hoffen, dass die Förderung genug Rückenwind gibt, damit es nicht nur bei der Studie bleibt“, zeigt sich Christoph Dammermann zuversichtlich.

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