Gelungene Premiere der Webserie „Haus Kummerfeldt“
Statt Stickarbeiten

Lüdinghausen. Was macht Frau, wenn sie von den Konventionen ihrer Zeit nicht nur sprichwörtlich in ein Mieder gezwängt wird und von ihrem tyrannischen Bruder unter die Haube gebracht werden soll? Sie rettet sich vor diesem unheilvollen Desaster durch einen Sprung aus dem offenen Fenster in die Gräfte!

Dienstag, 04.08.2020, 10:26 Uhr
Gelungene Premiere der Webserie „Haus Kummerfeldt“: Statt Stickarbeiten
Auch Produktionsleiterin Lotte Ruf und Regisseur Mark Lorei waren bei der Premiere von „Haus Kummerveldt“ in Lüdinghausen. Foto: Ulla Wolanewitz

So geschehen am Freitagabend beim Kino Open Air an der Burg Vischering. Jedenfalls via Mattscheibe oder besser gesagt „Air Screen“. Wer dort abgetaucht ist, war niemand anderes als Luise von Kummerveldt (Milena Straube) aus der jungen Webserie „Haus Kummerveldt“. Bei der Premiere in Lüdinghausen gab es alle Teile zu sehen.

Zudem setzte sie sich gerne über die Erwartungen – „sie sollten lieber ihre Stickarbeiten fortsetzen“ – ihrer Hausdame (Justine Hauer) hinweg, denn ihre Leidenschaft gehört allein der Literatur.

Fünf Schlösser im Münsterland, 27 Drehtage, 33 Drehorte, 18 Darsteller, 90 Crew-Mitglieder und ein großes Team von Sponsoren sorgten für den Erfolg von „Haus Kummerveldt“, dessen Produktion in etwa zweieinhalb Jahre in Anspruch nahm. „Wobei der Dreh selber den kleinsten Teil ausmacht“, erklärte Produktionsleiterin Lotte Ruf. „Den größten Teil nehmen die Vorbereitungen, die Finanzierung und die Post-Produktion ein.“

Gleichzeitig ist dieser Film das Bachelor-Projekt der jungen Studentin von der Dortmunder Fachhochschule, die – was die Spieldauer von 120 Minuten anbelangt – damit „etwas über die Stränge geschlagen hat“ wie sie diese Tatsache selber amüsiert kommentierte, denn „normalerweise liegen Abschlussarbeiten bei 15 Minuten.“ Die Produktionskosten bezifferte sie mit 200 000 Euro Produktionskosten, wobei die Schauspieler auf ihre Gagen verzichteten. Im Vergleich: Eine Tatort-Produktion liegt bei 1,5 Millionen Euro. Von Pro 7 wurde Lotte Ruf bereits für den deutschen Nachwuchspreis „First Steps Award 2020“ nominiert, der im September vergeben wird. Das malerische Ambiente der Burg Vischering wurde im vergangenen Jahr knapp zwei Tage für den Filmdreh genutzt. „Inklusive eines Nachtdrehs“, erklärte Regisseur Mark Lorei, der auch gleichermaßen für die Formatentwicklung verantwortlich war. „Ich finde es auch sehr spannend, dass hier in den 1920er Jahren schon mal ein Stummfilm gedreht wurde.“

An diesem lauschigen Sommerabend waren mehrere Beteiligte auf der Picknick-Wiese anzutreffen, die gerne Auskunft gaben zum „Making Off“ der fiktionalen Historienwebserie. Währenddessen sorgte die Waveland Gang aus Witten mit ihrem zünftigen Akustik Rock, flankiert von frischen Folk, Ska und Punk Einflüssen, für die entsprechende Einstimmung auf diesen Abend. Bei uns im Kreis Coesfeld ist „Haus Kummerveldt“ noch einmal am Freitag (14.August, 20 Uhr) zu sehen; Haus Runde in Billerbeck; sowie am 13. September auf Burg Hülshoff in Havixbeck.

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