Wegen der Liebe: Personalreferentin Maren Ermann zog von der Stadt aufs Land
Die Gummistiefel waren eher ein Gag

Von Ulla Wolanewitz

Sonntag, 12.07.2020, 07:00 Uhr
Wegen der Liebe: Personalreferentin Maren Ermann zog von der Stadt aufs Land: Die Gummistiefel waren eher ein Gag
Foto: Ulla Wolanewitz

Senden. Der Himmel auf Erden scheint fürs Kennenlernen eine vielversprechende Adresse zu sein. Maren und Sebastian Ermann können das unterstreichen. Das „Heaven“ am Münsteraner Stadthafen war die Location, wo sie sich 2015 das erste Mal begegneten. Oder war es doch schon das zweite Mal? „Interessanterweise haben wir später auf Fotos festgestellt, dass wir uns schon eher bei einer Altstadt-Party über den Weg gelaufen sind“, blickt Maren Ermann amüsiert zurück.

Seit zwei Jahren sind die beiden verheiratet, wohnen auf dem elterlichen Hof und der erste Nachwuchs hat sich für Anfang September angemeldet.

Bereits vor vier Jahren verabschiedete sich die Münsteranerin vom Stadtleben und zog zu ihrem Liebsten aufs Land in die Sendener Bauerschaft Gettrup. 25 Jahre hatte sie bis dahin inmitten der Domstadt gewohnt: „Ich brauchte kein Auto. Konnte mit dem Rad zur Arbeit fahren und war flexibel“, erklärte die Personalreferentin, die im Bischöflichen Generalvikariat Münster arbeitet.

Ihr „Ja“ zur Partnerschaft und Ehe war gleichzeitig auch die Entscheidung zum Leben auf dem Land, mit der Schwiegerfamilie nebenan und das Arrangement mit der Tatsache, dass ihr Mann keinen Acht-Stunden-Tag, noch eine fünf Tage Woche hat.

„Ehrlich gesagt habe ich mir dazu nicht so viele Gedanken gemacht. Ich bin hier so offen und herzlich empfangen worden, dass ich nie Zweifel hatte, diesen Schritt zu gehen“, sagt sie und besiegelt damit ihre positive Einstellung zum Leben. „Es war schnell klar: Wenn wir zusammenleben wollen, dann geht das nur hier.“

Agrar-Ingenieur Sebastian Ermann betreibt Ferkelaufzucht und Ackerbau in der vierten Generation. Seine Eltern haben nebenan neugebaut und unterstützen das Unternehmen sozusagen aus der zweiten Reihe.

Ob Maren Ermann im Stall mit anpackt? Sie lacht: „Sebastian hat mir mal Gummistiefel in pink geschenkt. Aber eher als Gag.“ Bei der alltäglichen Arbeit wird er von seinem Vater und weiteren Mitarbeitern unterstützt. Wobei sie sich auch vorstellen kann, ihn später, neben ihrem Job, in seiner Selbständigkeit zu entlasten, aber dann vielleicht doch eher im administrativen Bereich. Schon jetzt gibt es aber regelmäßige Treffen mit der Großfamilie, bei denen offen und ehrlich kommuniziert wird. Wo besprochen wird, wie, was gehandhabt werden kann und soll und wie es für alle passt. „Kommunikation ist das A und O“, weiß sie, nicht nur aus ihrer Erfahrung als Personalreferentin.

Bevor die zwei ihre eine gemeinsame Zukunft besiegelten, nutzen sie allerdings noch die Gelegenheit, sich die Welt anzuschauen. Sie bereisten Thailand, Namibia und Costa Rica. „Egal, wo wir sind, schaut Sebastian sich natürlich gerne auch andere Betriebe an“, freut sich die junge Landfrau an dem Beruf, der Berufung ihres Mannes, der ihr in der Karibik einen Heiratsantrag machte.

Mittlerweile engagiert sie sich in der Gruppe „Junge LandFrauen“ vom Westfälisch-Lippischen Landfrauenverband (WLLV).

„Ich fühle mich echt pudelwohl hier. Es gibt viel Platz. Ich jogge gerne. Die Umgebung ist toll und der Kanal ist auch nicht weit“, sagt die 29-Jährige, die sich jetzt auch mit der Gartenarbeit vertraut macht. Die „Corona-Ära“ gab ihr schon Gelegenheit dazu, ein Hochbeet für Zwiebeln, Möhren und Radieschen anzulegen. In Zukunft darf sie auch auf Unterstützung ihres Vaters zählen: „Der wird Ende des Jahres Rentner und hat einen grünen Daumen.“ Auch gibt es ja noch die tatkräftigen Schwiegereltern, die sich in respektvoller Distanz und gleichzeitig angenehmer Nähe befinden.

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