Absage Aufstellungsversammlung / Demonstration findet statt
Keine AfD-Kandidatenkür in Dülmen

Kreis Coesfeld. Plötzlich doch nicht: Die AfD hat ihre Versammlung abgesagt, in der sie Kandidaten für die Kreistagswahlen im September aufstellen wollte. Eigentlich war die Kandidaten-Kür am Samstag (6.6.) in Dülmen vorgesehen. Eine Begründung für die Absage gab es vonseiten der AfD nicht.

Samstag, 06.06.2020, 06:00 Uhr
Absage Aufstellungsversammlung / Demonstration findet statt: Keine AfD-Kandidatenkür in Dülmen
„Wir sind Schule ohne Rassismus“: Schüler des Clemens-Brentano-Gymnasiums Dülmen setzten mit einer Aktion ein deutliches Zeichen gegen die geplante Kandidatenkür für die Kreistagswahlen der AfD in Dülmen. Foto: Beena Shaikh

Die Demonstration gegen Rechtsextremismus soll aber trotzdem heute in Dülmen am Samstag stattfinden (ab 16 Uhr).

„Wir werten die Absage als einen großen Erfolg“, sagt Ortwin Bickhove-Swiderski, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), der die Demonstration organisiert hat. „Es hat im Vorfeld zu viel Gegendruck gegeben.“ Dem Bündnis gegen die Rechtspopulisten schlossen sich vor Ort verschiedenste Gruppen an. Anfangs SPD und Grüne, dann aber kamen immer mehr Unterstützer dazu, so die Dülmener Unternehmer in der IDU, die Dülmener Friedensfreunde, die Linken, Fridays for Future und die evangelische Kirchengemeinde. Schüler des Clemens-Brentano-Gymnasiums Dülmen beteiligten sich mit einer Aktion als „Schule ohne Rassismus“. Und auch die Dülmener CDU hielt demonstrativ in ihrer Versammlung Plakate mit Aufschriften wie „Keinen mm nach rechts“ und „Gegen rechte Hetze“ hoch.

„Wir werden die AfD weiterhin beobachten“, erklärte Bickhove-Swiderski. „Und wir werden natürlich genauso gegen sie protestieren, wenn sie sich in einem anderen Ort treffen sollten.“

Unklar ist, ob die AfD mit der Versammlungs-Absage auch bei den Kreistagswahlen nicht antritt. Oder ob die Kandidatenkür zu einem anderen Zeitpunkt noch stattfinden soll. Es wäre das erste Mal, dass die AfD im Kreis Coesfeld bei Kommunalwahlen dabei wäre. Eine Antwort darauf war bei der AfD nicht zu bekommen. Auch Anfragen unserer Zeitung, wer überhaupt dem Vorstand angehört, blieben unbeantwortet.

Die AfD ist vor einigen Jahren im Kreis Coesfeld öffentlich in Erscheinung getreten; Ende 2016 zerbrach nach einem Streit der Vorstand. Anschließend hörte man recht wenig von der AfD im Kreis Coesfeld.

Bickhove-Swidersk stellt in Frage, ob es überhaupt einen ordentlich gewählten und amtierenden AfD Kreisverband Coesfeld gibt. Die Namen eines Vorsitzenden und weiterer Vorstandsmitglieder seien unbekannt.

Gebucht hatte die AfD die Schulaula über Jens Kellmann aus Dülmen, der als stellvertretender Vorsitzender genannt ist. Auf Mail-Anfragen  unserer Zeitung reagierte er nicht.

Demo findet statt

Unter dem Motto „Dülmen bleibt bunt“ findet die Demonstration wie geplant statt. „Wir wollen ein klares Zeichen setzen“, sagt DGB-Kreisvorsitzender Ortwin Bickhove-Swiderski. Beginn ist um 16 Uhr beim Clemens-Brentano-Gymnasium in Dülmen. Natürlich unter Corona-Bedingungen. Wer teilnehmen möchte, muss an Mindestabstände und Mundschutz denken. Trillerpfeifen und Blasinstrumente sind nicht erlaubt, um die Verbreitung von Tröpfchen zu vermeiden.

„Wir brauchen diese Partei nicht“

Kreis Coesfeld (vth). Als einen ersten Erfolg sieht die SPD im Kreis Coesfeld die Absage der AfD-Versammlung. „Der AfD geht es nur darum, zu polarisieren und Aufmerksamkeit zu ernten“, sagt SPD-Unterbezirksvorsitzender André Stinka (Dülmen). Es sei wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, wer hinter der AfD steckt und auf die rechtsextremen Aussagen, die mit „unseren demokratischen Vorstellungen nichts gemein haben“. Wer im Kreis Coesfeld für die AfD antrete, dem müsse klar sein, für wen er sein Gesicht hergebe. Die AfD im Kreis Coesfeld zeige keine Transparenz, sie zeige nicht einmal auf, wer ihr Vorstand ist.

„Wir Menschen im Kreis Coesfeld sind sehr froh, dass es bisher hier keine AfD im Kreistag und in den Räten gib“, betont Anne-Monika Spallek (Billerbeck), Sprecherin der Kreis-Grünen. Die Grünen seien stolz, Teil eines Bündnis der Vielfalt zu sein, dass von der Linken bis zur CDU, von den Gewerkschaften über die Kirchen und zivilgesellschaftlichen Gruppen bis zu den Arbeitgeberverbänden reiche. „Bei aller Unterschiedlichkeit in den politischen und gesellschaftlichen Zielen und Werten werden wir diese Gemeinsamkeit der Demokraten in den anstehenden Wahlkämpfen immer betonen“, sagt sie.

Marc Henrichmann (Havixbeck), Vorsitzender der Kreis-CDU und Bundestagsabgeordneter, sagt: „Die AfD ist eine in weiten Teilen undemokratische und extremistische Partei. Das erlebe ich in jeder Sitzungswoche in Berlin. Als CDU wollen wir handeln und gestalten, nicht spalten und verhindern wie die AfD.“ Deshalb brauche man hier im Kreis Coesfeld „diese Partei ganz sicher nicht“.

Henning Höne (Coesfeld), Vorsitzender der Kreis-FDP und Landtagsabgeordneter: „Die AfD ist eine rechtspopulistische, in weiten Teilen auch rechtsextreme Partei mit Verbindungen zu gewaltbereiten Neonazis und verfassungsfeindlichen Organisationen.“ Die AfD mache Politik mit Angst und träume von einem vermeintlich besseren Gestern. „Diese Partei ist keine Alternative, wir brauchen diese Partei nicht – auch nicht im Kreis Coesfeld.“

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