Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) über die Situation bei Westfleisch
„Brauchen klare gesetzliche Regeln“

Kreis Coesfeld. Nach dem Corona-Ausbruch bei der Großschlachterei Westfleisch in Coesfeld fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) klare gesetzliche Standards zur Unterbringung osteuropäischer Arbeitnehmer. „Es gibt keine Mindestanforderungen“, kritisiert Helge Adolphs, Geschäftsführer der NGG im Münsterland. Als zuständige Gewerkschaft für den Betrieb Westfleisch in Coesfeld sei die NGG in den Zeiten der Corona-Krise im ständigen Austausch mit dem Betriebsrat gewesen. Adolphs beschreibt im Gespräch mit unserer Zeitung Hintergründe.

Dienstag, 12.05.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 10:04 Uhr
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) über die Situation bei Westfleisch: „Brauchen klare gesetzliche Regeln“
Bei der Großschlachterei Westfleisch in Coesfeld sind die Tore vorübergehend geschlossen. Die NGG als zuständige Gewerkschaft schildert Einzelheiten über die Strukturen. Foto: Viola ter Horst

Rund 1200 Mitarbeiter sind bei Westfleisch beschäftigt, ein Teil ist Stammbelegschaft, und etwa 250 haben laut NGG Werkverträge über eine Tochtergesellschaft. Ein weiterer Teil ist über externe Subunternehmen beschäftigt. Ein Knackpunkt. Denn eine rechtliche Grundlage, auf die Lebens- und Wohnbedingungen Einfluss zu nehmen, habe Westfleisch bei den über Subunternehmen extern Beschäftigten nicht. Klare Ansage von Adolphs: „Hier hätten die zuständigen Behörden kontrollieren müssen, ob die Unterkünfte den Anforderungen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie genügen“, meint er. Aus den Hygieneregelungen zur Corona-Pandemie ergebe sich, dass ausreichend Abstände bei der Unterbringung eingehalten werden müssen. Ebenso sieht er Westfleisch selber in der Verantwortung: „Westfleisch hätte sich in den Verträgen mit den Subunternehmen eine Kontrolle der Unterkünfte zusichern lassen müssen.“

Bei der Westfleisch-Tochtergesellschaft, in der osteuropäische Beschäftigte in Werkverträgen im Bereich der Zerlegung tätig sind, seien umfangreiche Maßnahmen in Sinne der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers getroffen worden, so die Einschätzung Adolphs. „Hier waren und sind wir im ständigen Austausch“, beschreibt er die Situation. „Der Betriebsrat von Westfleisch kontrolliert regelmäßig die Unterkünfte dieser Mitarbeiter.“ Diese Möglichkeit habe der Betriebsrat aber nicht bei Subunternehmen. „Wir fordern hier klare gesetzliche Regeln und Einflussmöglichkeiten“, so Adolphs.

254 Mitarbeiter infiziert

Kreis Coesfeld (vth). 1008 Mitarbeiter von Westfleisch wurden nach Kreis-Angaben bis Montag getestet. Danach haben sich 254 Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt. Bei 512 Personen bestätigte der Test nicht die Befürchtungen. Die Begehungen fanden aktuell in 15 größeren Unterkünften (ab acht Personen) und 37 kleineren Wohnungen statt - in Billerbeck, Coesfeld, Dülmen, Nottuln und Rosendahl; ein Schwerpunkt liegt dabei in Coesfeld

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Politiker fordern Aufklärung

Kreis Coesfeld (vth). Die Politiker im Kreis Coesfeld drängen auf vollständige Aufklärung. CDU-Bundestagsabgeordneter Marc Henrichmann aus Havixbeck fordert, dass sich Westfleisch seiner Verantwortung stellt. Als Teil der Lebensmittelbranche gelte das Unternehmen zwar als systemrelevant, „doch das ist kein Freibrief, um bei den Schutzmaßnahmen gegen eine Corona-Ausbreitung zu schludern“, sagt er.

Viele Fragen stehen bei den Kreis-Politikern für die anstehende politische Sitzung im Kreishaus Coesfeld am Mittwoch (13.5.) auf dem Zettel. Die SPD hat einen Fragenkatalog an Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr geschickt und will wissen, in welchen Orten die Mitarbeiter wohnen und wie die Wohnverhältnisse aussehen. Die Grünen im Kreis Coesfeld fordern vom Landrat „eine lückenlose Aufklärung des Verwaltungshandelns und der Entscheidungsprozesse“. Er soll auch prüfen, ob Schadensersatz in Frage kommt, denn durch die Verschiebung der Lockerung seien Nachteile entstanden, so bei den Gastronomen, die jetzt nicht öffnen dürfen. Zu den Fragen der FDP zählen, so Fraktionschef Henning Höne: Wie konnte es zu so vielen Erkrankungen kommen? Sind die Fehler, die zu den Erkrankungen geführt haben, jetzt beseitigt? Inwiefern ist sichergestellt, dass die Quarantänen eingehalten werden? Die Linken im Kreis erwarten von den Kommunen und vom Kreis, dass „alles getan wird, um die Gesundheit effektiv zu schützen, gegebenenfalls auch unter einer weiteren Verlängerung der Einschränkungen über den 18. Mai hinaus“.

- Kreisausschuss am Mittwoch im Kreishaus I in Coesfeld; öffentliche Sitzung; Beginn ist um 16.30 Uhr.

Erlaubt und nicht erlaubt

Kreis Coesfeld (vth). Im Kreis Coesfeld gibt es keine Lockerungen, die seit Montag sonst in NRW gelten. Weiterhin bleibt es in dieser Woche also dabei – nicht erlaubt:

- Keine Treffen von Personen aus mehr als einer häuslichen Gemeinschaft (ausgenommen Verwandte in gerader Linie, Geschwister, Ehegatten, Lebenspartner)

-  Keine Dienstleistungen in den Bereichen Kosmetik, Nagelstudios, Maniküre und Massage

-  Keine Lockerungen in der Gastronomie

 -  Keine weitere Lockerung für Geschäfte über 800 qm Fläche

-  Bei Bildungsangeboten darf maximal eine Person pro fünf Quadratmeter Raumfläche der Zutritt gewährt werden

-  Kein Sport- und Trainingsbetrieb auf Sportplätzen und im öffentlichen Raum

-  Keine Öffnung von Fitnessstudios, Freizeitparks und Indoor-Spielplätzen, Spielhallen, Wettbüros und ähnlichen Einrichtungen

Erlaubt weiterhin:

 - Zusammenkünfte bis zu zwei Personen.

 - Friseur

  - Außer-Haus-Verkauf von Speisen und Getränken

 - Besuche von Zoos und Tierparks sowie Botanischen Gärten

 - Besuch von Kitas und Schulen

 - Campingplätze, Ferienwohnungen und Ferienhäuser können für Personen, die festen Wohnsitz in Deutschland haben, öffnen.

- Breiten- und Freizeitsport ist weiterhin nur im Freien erlaubt (z.B. Joggen, Tennis, Golf)

 - Besuch in Senioren- und Behinderteneinrichtungen

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