Polizei stellt Kriminalitätszahlen 2019 vor – insgesamt weniger Straftaten
Krasser Anstieg beim Trickbetrug

Kreis Coesfeld. Weniger Straftaten als im Vorjahr, „der Abwärtstrend setzt sich fort“, freut sich Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Dazu eine relativ hohe Aufklärungsquote von 52,84 Prozent. „Der Kreis Coesfeld ist einer der sichersten Kreise in NRW“, so der Behördenchef gestern im Jahrespressegespräch der Polizei zu den Straftaten 2019.

Dienstag, 03.03.2020, 05:00 Uhr
Polizei stellt Kriminalitätszahlen 2019 vor – insgesamt weniger Straftaten: Krasser Anstieg beim Trickbetrug
Foto: az

10 564 Straftaten passierten im Kreis Coesfeld voriges Jahr, 2018 waren es noch 10 908. „Wir lagen mal bei 14 000“, verdeutlicht Kriminalhauptkommissar Guido Prause, dass im Kreis Coesfeld ein recht sicheres Terrain vorherrsche. Tragischer Höhepunkt sei die Beziehungstat in Appelhülsen gewesen, bei der ein Mann seine Frau und dann sich tötete.

Eine besondere Steigerung stellt die Polizei bei den Anrufen von Trickbetrügern fest. Bei 758 Menschen – vorwiegend Senioren – versuchten es die Täter, davon waren 27 Anrufe erfolgreich: Der Senior fiel in diesen Fällen auf den Anrufer herein und holte Geld von der Bank, um es dem falschen Freund vom Enkel, dem angeblichen Polizisten oder Behördenmitarbeiter zu überreichen. Insgesamt rund 124 000 Euro ergaunerten sich die Betrüger bei den 27 erfolgreichen Anrufen. Geld, das sich die Senioren „mühsam fürs Alter erspart haben“, wie Schulze Pellengahr verdeutlicht. Die Zahlen dieser falschen Anrufer nahmen rapide zu: von 96 und 123 in 2015 und 2016 auf 271 in 2017, 579 in 2018 und 758 in 2019. Die Polizei hat diesen Bereich verstärkt im Visier. „Die Anrufe an sich können wir kaum verhindern“, so Kriminaldirektor Thomas Eder. Diese kämen überwiegend aus der Türkei, von organisierten Banden präzise und so hinterlistig geplant, dass Opfer immer wieder darauf reinfielen. „Wir setzen aber auf Aufklärung im Vorfeld“, so Prause. Verschiedene Kampagnen und Veranstaltungen sollen in 2020 erneut über die Methoden aufklären. Damit wolle die Polizei ihre erfolgreiche Präventionsarbeit fortsetzen.

Als einen Erfolg verbucht die Polizei auch die fallenden Zahlen an Wohnungseinbrüchen – von 579 und 588 in 2015 und 2016 bis 202 und 206 in 2018 und 2019. Die Aufklärungsquote sei mit 26 Prozent schon jetzt „sehr, sehr gut“, so Eder. „Wer hier einbricht, hat ein großes Risiko, erwischt zu werden.“ Als einen Schwerpunkt will die Polizei die Strategie auch in diesem Jahr fortsetzen. Dazu zählen kostenfreie Beratungsangebote und Veranstaltungen, die darüber informieren, welche Sicherungsmöglichkeiten Haus- und Wohnungsbesitzer haben. Das Ziel: Es dem Einbrecher schwer machen, „denn wenn ein Aufbruch zu lange dauert, lässt er es lieber sein“, so Prause.  | Kommentar in unserer Zeitung und E-Paper-Ausgabe

Sexualstraftaten werden mehr angezeigt:

Starker Anstieg bei den Sexualstraftaten: 173 in 2019, 158 waren es 2018, in 2015 gar noch 114. Von den 173 Taten waren 34 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen – doppelt so viele wie in 2018. Die Polizei erklärt den Anstieg damit, dass einerseits mit dem Paragrafen 177 gesetzliche Verschärfungen definiert wurden („Nein ist Nein“), andrerseits durch Bewegungen wie „Me too“ die Bereitschaft, einen Täter anzuzeigen, größer geworden sei. „In den meisten Fällen kannten sich Opfer und Täter“, so Prause. Generell bedeuteten die höheren Zahlen nicht, dass Frauen Angst haben müssen, im Kreis Coesfeld nachts alleine unterwegs zu sein.

Missbrauch von Kindern:

40 Sexualstraftaten an Kindern (bis 14 Jahre) führt die Polizei im Kreis Coesfeld in 2019 auf. In einem Fall handelt es sich um Exhibitionismus vor einem Kind. In neun Fällen ging es um Pornographie-Seiten im Internet, die im Kreis Coesfeld aufgerufen wurden. In den anderen Fällen handelte es sich um weitere sexuellen Handlungen, auch über soziale Medien. In 2018 gab es 41 Fälle.

Überwiegend deutsche Täter:

Von den 4125 Tatverdächtigen in 2019 waren 3081 Deutsche und 1044 Nichtdeutsche. Die Zahlen fallen in beiden Gruppen. So waren es 2015 noch 3407 deutsche und 1287 nichtdeutsche Tatverdächtige.

Mit dem Messer:

Bei 56 Gewaltdelikten setzte der Täter ein Messer ein. Eine Pistole, fünf Gaswaffen und zwei Luftdruckwaffen führt die Polizei außerdem auf.

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