Anteil regenerativer Energie in elf Jahren von 20,5 auf 69,3 Prozent gestiegen
Wind macht den meisten Ökostrom

Kreis Coesfeld. Der Anteil an Ökostrom im Kreis Coesfeld stieg in den letzten elf Jahren von 20,5 auf 69,3 Prozent in 2018 an. Rosendahl hat dabei die Nase erneut eindeutig vorne. Mit 375 Prozent regenerativ erzeugtem Strom hat die Gemeinde mehr als dreieinhalbfache Energieautarkie erreicht. Keine andere Stadt oder Gemeinde im Kreis Coesfeld kommt an diesen Wert heran.

Samstag, 25.01.2020, 12:00 Uhr
Anteil regenerativer Energie in elf Jahren von 20,5 auf 69,3 Prozent gestiegen: Wind macht den meisten Ökostrom
Foto: az

„Eine Erfolgsgeschichte“ nennt Wilhem Kraneburg die Entwicklung in Rosendahl in Sachen Ökostrom denn auch. Der Grüne aus Senden wertet zusammen mit Theo Stenkamp (Senden) schon seit 2008 den Anteil an regenerativem Strom aus Sonne, Wind und Biogas im Kreis Coesfeld aus.

Dabei spielt Windkraft im Kreis Coesfeld die größte Rolle zur Erzeugung von regenerativer Energie. Ihr Anteil liegt bei 46,2 Prozent. Biogas und Sonnenenergie spielen weitere entscheidende Rollen; Wasserkraft nur eine untergeordnete. Die Strommengen wurden von 90 Windkraftanlagen, von 35 Biogasanlagen, von 8706 Photovoltaikanlagen und sieben Wasserkraftanlagen erzeugt.

Woher die regenerative Energie kommt

Kreis Coesfeld. In den früheren Jahren stammte der Ökostrom im Kreis Coesfeld jeweils zu einem Drittel aus Biogas, Wind und Sonne. Dies Verhältnis hat sich in den letzten Jahren besonders zugunsten von Windstrom verändert.

Die Gesamtmenge Ökostrom teilt sich in 2018 auf in: Windkraft zu 46,2, Photovoltaik zu 30,7 Prozent, Biomasse zu 22,8 und Wasserkraft zu 0,1 Prozent.

0 Windkraft: Kreisweit den meisten Strom aus Windkraft lieferten in Rosendahl 27 Windräder mit 148 Mill. kWh, während die 22 Windräder in Coesfeld nur 45,7 Millionen schafften. Keine Windräder drehten sich im letzten Jahr in Nordkirchen, Olfen, Havixbeck und Senden, nur eine Anlage in Ascheberg. Sechs gab es in Lüdinghausen, 15 in Billerbeck, neun in Nottuln und zehn in Dülmen. 0 Biomasse: Aus Biogas werden im Kreis in den letzten Jahren relativ konstant zwischen 125 bis 132 Millionen

kWh erzeugt. Kreisweit wird der meiste Strom aus Biomasse in Billerbeck (15), Coesfeld (11) und Dülmen (8) mit insgesamt 81,9 Mio. kWh Leistung generiert.

0 Photovoltaik: 8706 Anlagen. Mit 1317 Anlagen gibt es die meisten in Dülmen, den meisten Strom produzieren aber die 1160 Anlagen in Coesfeld mit 27,2 Mill. kWh.

Platz 1 Rosendahl, Platz 11 Havixbeck

Kreis Coesfeld. Einen riesigen Sprung vorwärts macht beim kommunalen Ranking 2018 Rosendahl, wo 12 neue Windräder ans Netz gingen und mit 375 Prozent regenerativ erzeugtem Strom mehr als dreieinhalbfache Energieautarkie erreicht wurde. Oder, in absoluten Zahlen: eine Steigerung von 88 Millionen auf 148 Millionen kWh. Auf Platz zwei folgt Billerbeck mit 96,6 Prozent, auf Platz drei Lüdinghausen mit 60,55 Prozent. Schlusslicht ist Havixbeck mit 30,91 Prozent. Für Lüdinghausen ging es nach vorne auf

Position 3, weil sich neue Windräder drehten. Damit war Lüdinghausen die regenerativste Kommune, also die Kommune mit dem größten prozentualen Zuwachs an Ökostrom.

„Wir können uns keinen Stopp leisten“

Kreis Coesfeld. Wie schaffen das die Rosendahler eigentlich, immer die Nase vorn zu haben beim Ökostrom? Reichen die Bemühungen im Kreis Coesfeld aus? Drei Fragen an Wilhelm Kraneburg, der die Werte jedes Jahr errechnet.

Rosendahl hat seit Jahren die Nase vorn, und hat jetzt mehr als dreieinhalbfache Energieautarkie erreicht. Woran liegt das?

Kraneburg: Ja, Rosendahl ist eine echte Erfolgsgeschichte. Die Gemeindeverwaltung hat den Ausbau der Windkraft von Anfang an gefördert. Als Gegenleistung kann die Gemeinde heute mit beträchtlichen Gewerbesteuereinnahmen den Gemeindehaushalt stützen. Es wurden nur sehr effiziente Windräder aufgestellt, und in Zukunft will man sich zunehmend von ortsfremden Investoren trennen und die Anlieger der Windradstandorte finanziell noch mehr beteiligen.

69 Prozent regenerative Stromerzeugung im Kreis - das hört sich nicht schlecht an. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Kraneburg: Wenn in Zukunft Mobilität, Wärmeversorgung und sonstiger Energieverbrauch aus Klimaschutzgründen über regenerativen Strom abgedeckt werden sollen, dann kann man sich vorstellen, welch ungeheure Mengen an Ökostrom dafür erzeugt werden müssen. Aus diesem Blickwinkel haben wir noch einen weiten Ausbauweg vor uns. Der letztjährige Sprung nach vorne ist hauptsächlich nur durch den Zubau von 12 Windrädern in Rosendahl und von drei in Lüdinghausen zu verdanken. Zur Erinnerung: Ziel des Kreises ist es ja, bis zum Jahr 2030, den CO2-Ausstoß um 30 Prozent zu reduzieren.

Reichen die Aktivitäten für den Klimaschutz im Kreis aus?

Kraneburg: Alle seriösen Wissenschaftler mahnen eindringlich, dass wir uns angesichts der sich verschärfenden Klimasituation keinen Stopp beim weiteren Ausbau der regenerativen Energieerzeugung leisten können. Kreisweite Initiativen wären jetzt notwendig, um den Menschen „Stromsparen und Energie effizienter nutzen“ noch mehr ins Bewusstsein zu rücken. Viele besorgte Bürger wollen sich aktiv für mehr Klimaschutz engagieren, dazu muss man ihnen aber auch Gelegenheit und Motivation geben. Der Landrat könnte zum Beispiel zu einem Klimaschutztisch einladen oder einen Ideenwettbewerb ausloben. Zu denken wäre auch an die Auflage eines neuen Tausend-Dächer-Programms, so wie im Kreis Düren, wo jede neue Photovoltaikanlage mit Tausend Euro aus dem Kreishaushalt gefördert wird.

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