Vom Alltag mit einem kranken Kind: Podiumsdiskussion über Inklusion
„Es liegen viele Steine im Weg“

Kreis Coesfeld. Dr. Ulrich Hafkemeyer erlebt es immer wieder. Der Chefarzt im Sozialpädiatrischen Zentrum Westmünsterland (SPZ) in Coesfeld hat für ein schwer behindertes Kind ein Hilfsmittel verschrieben, er hält es für dringend notwendig. Die Krankenkasse lehnt es ab. Die Hilfe kommt nicht. Ein Ansprechpartner wird den Eltern nicht genannt. „Und dann wird ihnen auch noch immer wieder ein schlechtes Gewissen gemacht“, schildert Hafkemeyer aus seinen Erfahrungen. Nicht selten „mit Sätzen unter der Gürtellinie“.

Donnerstag, 16.01.2020, 10:00 Uhr
Vom Alltag mit einem kranken Kind: Podiumsdiskussion über Inklusion: „Es liegen viele Steine im Weg“
„Inklusion mit Stolpersteinen“: Unter dieser Überschrift laden Vertreter des Sozialpädiatrischen Zentrums Westmünsterland, des Bunten Kreises und der Elterngruppe WIR zu einer Diskussion mit Experten und Publikum ein. Foto: Viola ter Horst

„Von einer echten Inklusion, wie sie gewünscht und auch gesetzlich beschrieben ist, sind wir noch entfernt“, sagt Heidi Mensing, Geschäftsführerin des Bunten Kreises Münsterland, der seit vielen Jahren Familien aus dem Kreis Coesfeld mit kranken oder behinderten Kindern betreut.

Das SPZ, der Bunte Kreis und die Elterngruppe WIR laden nun am 5. Februar zu einer Diskussion mit Experten und Publikum in die Burg Vischering in Lüdinghausen unter der Überschrift „Inklusion mit Stolpersteinen“ ein. Zu Beginn gibt es ein Stück vom Improtheater „Impro 005“ aus Münster. Akteure aus Politik, Gesundheitswesen und Krankenkassen sowie Eltern treten anschließend in der Veranstaltung in Dialog. Alle Interessierten sind eingeladen. Auf dem Podium sind Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink (gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen), Ex-Ministerin Barbara Steffens (jetzt Techniker Krankenkasse NRW), die NRW-Patienten- und Behindertenbeauftragte Claudia Middendorf, Fachanwalt Jörg Hackstein sowie Vertreter von SPZ, Bunter Kreis und Elterngruppe.

„Unser Ziel ist es, den Familienalltag sichtbar zu machen“, sagt Mensing. Denn Familien mit kranken oder behinderten Kindern wollen ein ganz normales Leben führen. Doch zu viele Steine werden ihnen in den Weg gelegt, die dazu führen können, dass die Eltern selber oder gesunde Geschwister erkranken. Nicht nur die Krankenkassen sind für die Betroffenen ein Problem. „Auch der Bürokratie- und Zuständigleitsdschungel“, sagt Christoph Beckstedde vom SPZ. Was tun, wenn die Krankenkasse die höheren Kosten für eine Fachkraft des Pflegedienstes nicht übernehmen will für einen Jungen, der ein Beatmungsgerät benötigt?

Ein weiterer Punkt: Wenig Entlastung für die Familien. „Es gibt keine Ferienfreizeiten, die Kinder mit schweren Erkrankungen aufnehmen“, schildert eine betroffene Mutter. Schließlich das Unverständnis von Mitbürgern, das Familien entgegen gebracht wird. „Unser Junge saß Weihnachten alleine zu Hause, niemand klingelte mal und besuchte ihn.“ Die Folgen: Isolation, Wut; und das Ende vom Lied: „Uns fehlt immer mehr Kraft und Energie“, sagt Markus Dülker von der Elterngruppe. Inklusion muss anders gehen, da sind sie sich einig. Sie funktioniere nur, wenn es gelinge, eine gesellschaftliche, solidarische Allianz zu schmieden.

0 Die Veranstaltung in der Burg Vischering in Lüdinghausen am 5. Februar findet um 18 Uhr statt. Die Moderation übernimmt Stefan Werding, Redakteur unserer Zeitung.

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