Kreis Coesfeld
Am Ende gut sterben können

Kreis Coesfeld. Wenn es zu Hause nicht mehr geht. Pflegeheim. Dann noch eine Operation, Krankenhaus, wieder zurück ins Pflegeheim. Die letzte Lebensphase kann zu einer Odyssee werden. „Das muss aber oft gar nicht sein“, sagt Mandy Rode. Zusammen mit ihrer Kollegin Rabea Brake installiert sie für den Verbund der Heilig-Geist-Stiftung im Kreis Coesfeld ein Projekt, das die vorhandene palliative Sorge und Hospizkultur in stationären Altenhilfeeinrichtungen stärken soll. Mit dabei sind die Seniorenpflegeheime im Verbund der Heilig-Geist-Stiftung in Senden, Ascheberg, Dülmen, Havixbeck, Seppenrade und Coesfeld.

Freitag, 18.10.2019, 11:00 Uhr
Kreis Coesfeld: Am Ende gut sterben können
In einem über zunächst fünf Jahre dauernden Projekt wollen Mandy Rode (r.) und Rabea Brake in den stationären Altenpflegeeinrichtungen im Verbund der Heilig-Geist-Stiftung im Kreis Coesfeld die palliative Sorge stärken. Fotos: Archiv/vth Foto: az

Die Verbesserung der Lebensqualität für Bewohner einerseits, die Qualifizierung der Mitarbeiter andrerseits sind Ziele des Projekts, das sich zunächst über fünf Jahre erstreckt. Pflege und Betreuung haben sich geändert, Altenheime sind nicht mehr das, was sie früher waren. „Es leben dort überwiegend schwer pflegebedürftige Menschen“, so Rode, die wie ihre Kollegin Brake im Hospiz Anna Katharina in Dülmen tätig ist.

„Wir wollen eine Kulturveränderung, hin zu mehr palliativer Sorge in Altenhilfeeinrichtungen“, sagt Brake. Palliativ, das bedeute, dass die letzte Phase bis zum Tod soweit wie möglich nach den Vorstellungen des Betroffenen verlaufen sollte. „Wir möchten gerne, dass sie in den stationären Altenhilfeeinrichtungen gut sterben können, so, wie sie es wollen“, verdeutlicht Rode.

Viele Fragen seien in dem Bereich, der sich ständig entwickele, noch offen. „Im letzten Abschnitt ist es oft so, dass trotz bester Pflege das Krankheitsbild voranschreitet“, nennt Rode ein Beispiel. „Deshalb muss der Betroffene aber nicht unbedingt ins Krankenhaus.“ Doch wann ist es tatsächlich notwendig, wann nicht? An wen kann sich eine Pflegekraft wenden, um eine Entscheidung zu treffen? Fragen, die spezielle Schulungen und Austausch beantworten sollen – als ein Baustein des Projekts.

Eine Frau, 86 Jahre alt, der Mann ist verstorben, sie hat eine bestimmte Krankengeschichte. Wie verändern sich die medizinischen Anforderungen? Wie die pflegerischen? Wie kommen ihre alltäglichen Rituale, ihre Wünsche zum Ausdruck? „Wenn sich jemand nicht jeden Tag geduscht hat, muss das auch nicht in der Pflege am Lebensende sein“, nennt Rode ein Beispiel.

„Oftmals haben die Betroffenen ihre Angewohnheiten und Wünsche aber gar nicht artikuliert“, sagt Brake. „Niemand denkt gerne über das Lebensende nach.“ Und wenn es soweit ist und nichts mehr ohne Hilfe geht, „ist vieles unklar“.

Seit 2018 können Pflegeheime ihren Bewohnern eine Beratung für die Gestaltung der letzten Lebensphase anbieten. Auch das ist ein Thema des Projekts. „Es geht um psychosoziale, spirituelle und pflegerische Wünsche“, erläutert Rode. Wie kommt die Biografie der Person in der Pflege im letzten Lebensabschnitt zum Ausdruck? Oder der Glaube, die Vorstellung vom Tod? „Jeder denkt darüber anders.“ Patientenverfügung und Vollmacht sind weitere Themenbeispiele, „oft nicht mehr aktuell oder gar nicht gemacht“, so Brake.

Seit 2018 läuft das Projekt. „Im ersten Jahr haben wir Konzepte recherchiert und mit Entwicklern gesprochen“, berichtet Brake. „Wir haben daraus wichtige Bausteine übernommen, die wir gerne umsetzen möchten.“ Auf verschiedenen Ebenen seien Netzwerke gebildet worden. Nun geht es in die nächste Phase. Am 28. und 29. Oktober findet mit Leitungskräften und Mitarbeitern der offizielle Auftakt im Altenheim St. Johannes in Senden statt.

„Einbeziehen wollen wir in das Projekt alle Mitarbeiter“, sagt Brake. „Wir haben uns entschlossen, jeden zu schulen, auch Mitarbeiter der Hauswirtschaft, Verwaltung und Technik.“ Dabei ist den beiden Expertinnen wichtig, dass sie den Einrichtungen nichts überstülpen wollen. „Sie haben eigene Konzepte und funktionieren unterschiedlich, und das soll auch so bleiben.“ Vielmehr sollen in jeder Einrichtung gemeinsam individuell Maßnahmen.

Diese Altenheime sind dabei:

Bei dem Projekt sind Altenpflegeeinrichtungen dabei, die dem Verbund Heilig-Geist-Stiftung angehören. Das sind St. Joahannes in Senden, St. Lambertus in Ascheberg, das Clara-Stift Seppenrade, Heilig-Geist-Stift in Dülmen, Marienstift Droste zu Hülshoff in Havixbeck, und ab 2020 ist die Einrichtung des Klosters Annenthal in Coesfeld dabei.entworfen werden.

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