Kreis Coesfeld
Der Mann der ersten Stunde in Bonn

Kreis Coesfeld. Verschiedene Jahrestage erinnern an die Gründung der Bundesrepublik vor 70 Jahren: Die konstituierenden Sitzungen von Bundestag und Bundesrat, aber auch die Wahl von Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler fanden im September 1949 statt.

Dienstag, 17.09.2019, 10:00 Uhr
Kreis Coesfeld: Der Mann der ersten Stunde in Bonn
Hubert Schulze Pellengahr – der Onkel vom jetzigen Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr – in seinem Abgeordnetenbüro in Bonn. Foto: az

„Unser Mann in Bonn“ war damals Landwirt Hubert Schulze Pellengahr aus Ascheberg (1899 bis 1985). Er gehörte dem ersten deutschen Bundestag für den damaligen Wahlkreis Lüdinghausen-Coesfeld an, wurde 1953 und 1957 wiedergewählt und schied dann 1961 aus dem Bonner Parlament aus. Er war Onkel des jetzigen Landrats Dr. Christian Schulze Pellengahr.

Der studierte Volks- und Landwirt hatte zunächst ab 1917 im Ersten Weltkrieg gedient, ehe er nach seiner Zeit an der Universität Münster eine praktische landwirtschaftliche Ausbildung absolvierte. Nach dem Tod des Vaters, der viele Jahre als Landtags- und Kreistagsabgeordneter gewirkt hatte, übernahm er zusammen mit seiner Frau Hedwig geb. Schulze Höping den elterlichen Hof, Haus Steinhorst in Ascheberg. Hier wuchsen auch seine drei Kinder auf.

Vor 1933 hatte Hubert Schulze Pellengahr der Zentrumspartei angehört; als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernahmen, zog er sich komplett aus der Politik zurück. Die britische Militärregierung berief ihn 1945 in den Ascheberger Gemeinderat. In seiner Heimatgemeinde, aber auch im damaligen Kreis Lüdinghausen gehörte er in der Nachkriegszeit zu den Mitbegründern der CDU. Von 1946 bis 1969 war er über sechs Wahlperioden Mitglied des Lüdinghauser Kreistages – zunächst als CDU-Fraktionsvorsitzender und Stellvertretender Landrat; ab dem 1. Dezember 1958 war er dann ehrenamtlicher Landrat des Kreises Lüdinghausen. 1969 zeichnete Bundespräsident Gustav Heinemann Hubert Schulze Pellengahr mit dem Großen Bundesverdienstkreuz aus.

Als sein Onkel Hubert 1985 starb und in der Familiengruft auf dem Ascheberger Friedhof beigesetzt wurde, war Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr noch sehr jung. Dennoch sind die Erinnerungen an eine „faszinierende, aufrechte Persönlichkeit“ sehr intensiv: „Er hat mich schon als Kind regelrecht begeistert, konnte er doch sehr spannend aus seinen Erlebnissen als Abgeordneter erzählen.“ Das geschah meistens bei Besuchen in Ascheberg am prasselnden Herdfeuer in der gemütlichen Diele des Hofes. „Besonders die Geschichten aus den ersten Jahren in Bonn sind mir dabei lebhaft in Erinnerung geblieben. So erzählte er mir, dass 1949 die Abgeordneten gehalten waren, aus eigenen Beständen Briketts mit nach Bonn zu bringen, da der Bundestag nicht über ausreichendes Heizmaterial verfügte“, weiß Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr zu berichten.

Zeitlebens war Hubert Schulze Pellengahr sehr bescheiden und nah an den Menschen. Nach Bonn fuhr er ab Rinkerode mit der Bahn. Nicht selten sah man ihn dann von seinem Hof in der Davert mit Aktentasche die gut sieben Kilometer Fußweg bis zum Bahnhof laufen.

Er hielt, was damals noch nicht so üblich war, regelmäßig im Kreishaus in Lüdinghausen Sprechstunden ab, um so direkt die Anliegen der Bürger aufzunehmen. „Als Mann der ersten Stunde hat sich Hubert Schulze Pellengahr zweifelsohne um die junge Demokratie in Deutschland verdient gemacht“, so Dr. Christian Schulze Pellengahr.

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