Kreis Coesfeld
Lotsinnen in Konflikten und Fragen

Kreis Coesfeld. Von Familienplanung bis Empfängnisverhütung. Von Partnerschaftsproblemen bis zu Sorgerechtsfragen. Und von vorgeburtlichen Untersuchungen bis zum Schwangerschaftsabbruch. Es gibt kaum Fragen, Probleme und Konflikte rund um das Thema Schwangerschaft, in denen Anne-Lore Pirch und Friederike Nied von der Diakonie Betroffenen nicht mit gutem Rat zur Seite stehen. 254 Frauen, Männer und Paare haben die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung des Diakonischen Werks des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken 2018 in Anspruch genommen.

Donnerstag, 18.07.2019, 11:00 Uhr
Kreis Coesfeld: Lotsinnen in Konflikten und Fragen
Sie bieten Beratung rund um die Themen Schwangerschaft und Schwangerschaftskonflikte an (v.l.) Diplom-Sozialarbeiterin Friederike Nied, Diplom-Pädagogin Anne-Lore Pirch und Sekretärin Jutta Goy vom Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken. Foto: Florian Schütte

„Am häufigsten tauchen sozialrechtliche Fragen und Fragen zur finanziellen Unterstützung auf“, sagt Anne-Lore Pirch. Allein dieser Themenkomplex machte 2018 laut Jahresbericht der Diakonie rund 40 Prozent der Inhalte aller Beratungsfälle aus. „Man merkt jedoch oft, dass neben finanziellen Fragen noch weiterer Beratungsbedarf besteht“, weiß Friederike Nied, die seit März dabei ist und jeden Dienstag eine offene Sprechstunde in Lüdinghausen von 9 bis 12 Uhr anbietet.

Die separat erfasste Schwangerschaftskonfliktberatung suchten 85 Klientinnen im Jahr 2018 auf. Keine der Ratsuchenden war jünger als 14 Jahre und nur eine Schwangere minderjährig. Beratungen zu einem möglichen Schwangerschaftsabbruch nähmen daher selten die ganz Jungen in Anspruch. „24 Frauen waren über 35 Jahre alt. Oft haben sie gar nicht mehr mit einer Schwangerschaft gerechnet“, berichtet Pirch. Finanzielle Gründe allein würden kaum eine Frau zu einem Schwangerschaftsabbruch bewegen. „Da stecken zumeist auch noch Partnerschaftsprobleme, gesundheitliche Probleme, Arbeitslosigkeit oder Sorgerechtsfragen dahinter“, führt die Diplom-Pädagogin weiter aus.

Die Beratung endet aber nicht mit der Geburt. „Wir können bis zum dritten Lebensjahr weiter tätig werden und darüber hinaus auch Ansprechpartner vermitteln“, beschreibt Pirch die „Lotsenfunktion“ der Schwangerenberatung.

Auch die Kinderwunschberatung war in zwölf Fällen Thema. „Sieben von zehn Paaren haben Schwierigkeiten, schwanger zu werden“, sagt Pirch. Wichtig ist der Beraterin jedoch, dabei gleich auf einen „Plan B“ hinzuweisen, der eine Adoption oder auch ein Leben ohne Kinder nicht ausschließt. „Auch, wenn es hart ist“, meint Pirch. Hart seien auch die sieben Fälle, in denen eine Beratung nach Fehlgeburt, Totgeburt und Abbruch erfolgte.

Ein weiteres Arbeitsfeld der kostenlosen Beratung der Diakonie, die im Evangelischen Gemeindehaus in Coesfeld ihren Sitz hat, ist Sexualpädagogische Aufklärungsarbeit an Schulen. „In den Klassen sechs, acht und zehn ist es oft gut, wenn jemand von außen aufzeigt, welche Verhütungsmöglichkeiten es gibt“, sagt Friederike Nied. Oft komme in Projektwochen auch das „Real Care Baby“ zum Einsatz – eine computergesteuerte Simulation eines echten Babys. „Nach drei Tagen stellen die meisten Schüler fest, dass sie doch noch nicht so weit sind“, sagt Nied lächelnd.

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