Kreis Coesfeld
Rentner tappen öfter in Schuldenfalle

Kreis Coesfeld. Rentner und Geflüchtete tappen auffallend häufig in die Schuldenfalle. Das geht aus dem Jahresbericht 2018 der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werks im Kreis Coesfeld hervor. Von 948 Ratsuchenden waren 99 (10,4 %) über 60 Jahre alt. 100 Betroffene (10,5 %) hatten einen Flüchtlingshintergrund. Hauptursache des Beratungsbedarfs ist nach wie vor der Verlust des Jobs.

Samstag, 18.05.2019, 09:40 Uhr
Kreis Coesfeld: Rentner tappen öfter in Schuldenfalle
Foto: az

„Häufig sind es aber auch Menschen ohne Ausbildung, die wegen Verschuldung zu uns kommen“, sagt Martin Reber, Leiter der Beratungsdienste im Kreis Coesfeld. 371 und damit 39 % aller Ratsuchenden hatten keine Berufsausbildung, wie aus dem Bericht hervorgeht. Vier Berater bieten an fünf Standorten im Kreis Coesfeld regelmäßig offene Sprechstunden an. Eine von ihnen ist Sieglinde Stein, die für Coesfeld, Billerbeck, Havixbeck und Rosendahl zuständig ist. Auch sie beobachtet, dass es für Rentner immer knapper wird. „Die Lebenshaltungskosten steigen schneller als die Renten“, sagt Stein. Ein unerwartet früher Renteneintritt oder der Verlust des Partners sind ebenfalls Gründe, warum über 60-Jährige immer häufiger die Schuldner- und Insolvenzberatung aufsuchen. Die Beteiligung an den Kosten für Straßensanierungen, wobei es sich oft um fünfstellige Summen handelt, dürfte das Problem in Zukunft noch verstärken. Darum ist es Sieglinde Stein wichtig, rechtzeitig die Menschen darauf hinzuweisen, fürs Alter vorzusorgen. „Viele wissen gar nicht, dass der Betrag auf dem Rentenbescheid brutto ist“, sagt die Diplom-Sozialarbeiterin.

Hin und wieder kämen auch Studierende zu ihr, die einen Kredit oder ihr BAföG zurückzahlen müssten. Der Anteil der Ratsuchenden zwischen 18 und 20 Jahren ist mit 14 Fällen aber gering.

Bei Geflüchteten seien Telefonverträge das Hauptproblem, wie Sieglinde Stein in ihren Beratungen festgestellt hat. „Da werden die Menschen oft regelrecht abgezockt“, empört sie sich. Anbieter würden oftmals die Gutgläubigkeit und sprachlichen Barrieren dieser Betroffenen ausnutzen.

Ebenfalls hat das Diakonische Werk des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken 51 Immobilienbesitzer in 2018 beraten. „Dabei ist häufig eine sehr enge Finanzierung das Problem“, erklärt Stein. Plötzliche Einkommenseinbußen würden häufig nicht eingeplant.

Die Hauptaufgabe der Schuldnerberatung liegt in der Existenzsicherung. „Wir prüfen zunächst den Haushalt, denn Wohnung und Energielieferung müssen als erstes gesichert werden“, erklärt Stein. 25 Mal sei in 2018 eine drohende Energieunterbrechung oder Zwangsräumung und damit Obdachlosigkeit abgewendet worden. Damit Betroffene über ihr unpfändbares Einkommen verfügen können, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, muss ein Pfändungsschutzkonto beantragt werden. 297 Pfändungskonto-Bescheinigungen wurden 2018 ausgestellt. In 121 Fällen wurden Pfändungsschutzanträge gestellt, um die Existenz zu sichern. Außerdem wurden 118 Insolvenzanträge gestellt und in 61 Fällen eine außergerichtliche Einigung erwirkt. In 18 Fällen informierte die Schuldner- und Insolvenzberatung Arbeitgeber über Lohnpfändungen und sicherten dadurch Arbeitsplätze, heißt es im Bericht.

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